Lebensdaten
1671 bis 1731
Geburtsort
Dinkelsbühl
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Augustinereremit ; Vorkämpfer der Akademiebewegung und der deutschen Sprache
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116796715 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hieber, Johann Melchior Joseph (Taufname)
  • Hieber, Gelasius
  • Hieber, Johann Melchior Joseph (Taufname)
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Zitierweise

Hieber, Gelasius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116796715.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (* 1642), Schneider in D.;
    M Ursula N. N.

  • Leben

    Nach Schulbesuch und kurzer Tätigkeit als Schreiber in Dinkelsbühl kam H. circa 1688 nach München, wo er im Haus des Ministers Baron Leyden Aufnahme fand. Gemeinsam mit dessen Sohn besuchte er die Lateinschule bei den Augustinereremiten; beide traten 1691 in diesen Konvent ein und legten 1692 Profeß ab. Die folgenden 3 Jahre studierte H. an der Universität Ingolstadt, wurde 1695 zum Priester geweiht und wirkte dann als Prediger: bis 1700 im Ingolstädter Augustinerkloster, dann 6 Jahre imReichsstift Obermünster zu Regensburg, schließlich bis 1724 am Münchener Konvent. Er übernahm 1724 die Wallfahrtskirche zu Aufkirchen am Würmsee, kehrte aber 1730 wieder nach München zurück.

    Hohes Ansehen erwarb sich H. als Prediger, Seelsorger und als Gelehrter mit weitverzweigter Korrespondenz. Er publizierte populäre kirchenhistorische und katechetische Schriften im Predigtstil, hagiographische Schriften sowie 1705-28 zahlreiche Predigten. – Von ihm stammt der Plan zu einer bayerischen gelehrten Societät, der sogenannten „Academia Carolo Albertina“ von 1720, für die er unter anderem Eusebius Amort und den Münchener Augustinereremiten Agnellus Kandler (1692–1745) gewann. Obwohl das Vorhaben scheiterte, bildet es einen frühen Markstein in der Geschichte der Akademiebewegung des süddeutsch-katholischen Raumes. Als Ersatz für diese Akademie gründeten H. und seine Freunde den „Parnassus Boicus, oder Neueröffneter Musenberg“ (6 Bände, 1722–40), die erste bedeutende gelehrte Zeitschrift Bayerns und ein wichtiges Bindeglied zur gelehrten Welt. Ziel war, die „Aufnahm der freyen Künste [das heißt der weltlichen Wissenschaften] in dem Vatterland zu befördern“. H. selbst behandelte in den ersten 4 Bänden zentrale Probleme der bayerischen sowie der Universalgeschichte, aber auch physikalisch-mechanische Fragen; vor allem nahm er fundiert und dezidiert Stellung in der damals noch keineswegs entschiedenen Auseinandersetzung um die Zukunft der deutschen Sprache. Er propagierte und schrieb selbst ein kraftvolles Schriftbayerisch, nach dem Vorbild der „hochdeutschen“ Kanzleisprache seit Kaiser Maximilian I. Diese Sprache galt ihm selbst weder als ober- noch als niederdeutsch, sondern als „in gantz Teutschland in Schreiben der Gelehrten, wie auch im Reden vornehmer Leuthe üblich“.

  • Werke

    Gepredigt Rel.-Hist., 3 Bde., 1726–29, 1735;
    Gepredigter Katechismus, 1732;
    - Leben d. Hl. Augustinus, 1720;
    Gesch. d. Wallfahrt zu Aufkirchen, 1725;
    Von d. Kunst d. Wiss. d. sog. Grammatica od. Sprach-Lehr u. ihren Eigenschaften, in: Parnassus Boicus II, 1723/28, S. 6-28, 192-209, 288-309, 385-409, 480-92.

  • Literatur

    A. Kandler, in: Parnassus Boicus V, 1736 (Biogr., P);
    C. A. Baader, Das gel. Baiern, 1804 (W);
    P. Huber, Der Parnassus Boicus, in: Progr. d. Ludwigs-Gymnasiums, München, 1868;
    J. Göbel, Die Anfänge d. Aufklärung in Altbayern, 1901, S. 53-56;
    H. Birlo, Die Sprache d. Parnassus Boicus, Diss. München 1909;
    S. Riezler, Gesch. Bayerns VIII, 1914, S. 654 f.;
    J. Nadler, Lit.gesch. d. dt. Stämme u. Landschaften III, 1931, S. 323;
    E. Blackhall, The Parnassus Boicus and the German Language, in: German Life and Letters 7, 1954;
    J. Hemmerle, Die Klöster d. Augustiner-Eremiten in Bayern, 1958, S. 23 ff.;
    L. Hammermayer, Gründungs- u. Frühgesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1959, S. 37-43;
    A. Kraus, Die hist. Forschung an d. Churbayer. Ak. d. Wiss., 1959, S. 214-18;
    M. Spindler, Electoralis Academiae Scientiarum Boicae Primordia - Briefe a. d. Gründungszeit d. Bayer. Ak. d. Wiss., bearb. v. G. Diepolder, L. Hammermayer u. A. Kraus, 1959, S. 15 ff., 125, 232;
    L. Lenk, Der Parnassus Boicus, in: Bayer. Lit.gesch. II, 1967, S. 124-38;
    B. Hubensteiner, Vom Geist d. Barock, 1967, S. 15;
    H. Graßl, Aufbruch z. Romantik, Bayerns Btr. z. dt. Geistesgesch. 1765–85, 1968, S. 21-30, 40, 101, 365.

  • Portraits

    Stich (München, Stadtmus., Maillinger Bilderchronik).

  • Autor/in

    Ludwig Hammermayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Hammermayer, Ludwig, "Hieber, Gelasius" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 106 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116796715.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA