Lebensdaten
1837 bis 1906
Geburtsort
Weißenfels
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Germanist ; Lexikograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116793465 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heyne, Moriz
  • Heyne, Moritz
  • Heyne, Moriz

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Zitierweise

Heyne, Moritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116793465.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl, Seilermeister;
    M Mathilde Thümmel;
    1) 1860 N. N. ( 1886), 2) Dorothea Beck aus Basel;
    2 K.

  • Leben

    H. mußte aus finanziellen Gründen die Hallesche Lateinschule mit der Primareife verlassen und trat in den Justizverwaltungsdienst ein (1857 Supernumerar). Seine Heirat ermöglichte ihm 1860 das Studium der Germanistik in Halle, vor allem bei Heinrich Leo. Er wurde 1863 ohne besondere Dissertation aufgrund seiner gedruckten Béovulfausgabe (1863, 41879) zum Dr. phil. promoviert. 1864 habilitierte er sich (Auszug: Alliterierende Verse und Reime in den friesischen Rechtsquellen, in: Germania 9, 1864, S. 437-49); 1869 wurde er außerordentlicher, 1870 ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Literatur als Nachfolger von Wilhelm Wackernagel in Basel. Um ihn dem Grimmschen Wörterbuch, dessen Mitarbeiter er seit 1867 war, zu erhalten, berief man ihn 1883 auf ein persönliches Ordinariat nach Göttingen (1889 Direktor des Seminars für deutsche Philologie). H. begründete 1902 die „Gesellschaft für niederdeutsche Volkskunde“ und gab die „Bibliothek der ältesten deutschen Literaturdenkmäler“ sowie mit Wilhelm Müller die „Göttinger Beiträge zur deutschen Philologie“ (1886-89) heraus.

    H.s erste Arbeiten bewegten sich auf dem Gebiet der germanischen Grammatik, aber auch auf dem der Textkritik. Noch als Student hatte er die „Kurze Laut- und Flexionslehre der altgermanischen Dialekte“ (1862, 31874 und 1880) verfaßt, die auch das Faröische, Gotländische und Friesische berücksichtigte. Er besorgte die Neuausgaben von F. L. Stamms „Ulfilas“ (1865, 101903 mit F. Wrede), des „Hêliand“ (41905) und 1867 die der „Altniederfränkischen Denkmäler“ (21877), die er durch die „Altniederdeutschen Eigennamen“ ergänzte. Alle diese Textausgaben sind wertvoll durch ihre Glossare, die bereits den späteren Lexikographen zeigen, und werden 1873 durch seine „Kleine altsächsische und altniederfränkische Grammatik“ ergänzt.

    H.s eigentliche Leistungen liegen jedoch auf dem Gebiet der Lexikographie und der germanischen Altertumskunde. Er war seit 1867 Mitarbeiter am Grimmschen Wörterbuch und bearbeitete die Buchstaben H, I, J, L und M allein (1867-85), R bis Sprecher (1886–1905) mit seinem Assistenten Rudolf Meißner (ab 1889). 1891 kamen Henry Seedorf und Heinrich Meyer, etwas später Bruno Crome dazu. Seedorf hat aus dem Nachlaß H.s die Artikel von Zaar bis Zählkammer herausgegeben (1913). Ist schon die Vollendung dieses großen Wörterbuches 1961 ohne die Leistung H.s undenkbar, so hat er mit seinem dreibändigen „Deutschen Wörterbuch“ (1890-95, 21905-06), von dem er selber einen einbändigen Auszug herstellte (1896), als erster die wissenschaftliche Lexikographie zur Grundlage eines sich an ein breiteres Publikum wendenden Wörterbuches gemacht. – Die germanischen Altertümer hatten H. schon früh angezogen. So hatte er den angelsächsischen Burgenbau 1864 in seiner Arbeit „Über die Lage und Construction der Halle Heorot im angelsächsischen Béovulflied“ behandelt. In Basel jedoch hat er die von Wackernagel begründete Mittelalterliche Sammlung, die 1894 mit der Antiquarischen und der Kunstsammlung zum Historischen Museum vereinigt wurde, zu einem Museum ausgestaltet und erwog sogar die Aufgabe seiner akademischen Laufbahn zugunsten einer solchen am Museum; in Göttingen hat er 1889 nicht nur den „Verein für die Geschichte Göttingens“ gegründet, sondern auch eine „Altertümersammlung“ (das heutige Städtische Museum) geschaffen. Sie ist unter seiner Leitung trotz ihrer Beschränkung auf Südhannover zu einem bedeutenden kulturgeschichtlichen Museum geworden. Dieses Interesse für Kulturgeschichte führte ihn als Lexikographen zu einer Verbindung von Wörtern und Sachen und damit auf ein Gebiet, das von der deutschen Philologie bis dahin vernachlässigt worden war. Von seinen „Fünf Büchern deutscher Hausaltertümer von den ältesten geschichtlichen Zeiten bis zum 16. Jahrhundert“ hat er nur 3 Bände, „Wohnung“|(1899), „Nahrung“ (1901) und „Körperpflege und Kleidung“ (1903) abschließen können, 3 Kapitel des geplanten 4. Buches „Handel und Gewerbe“ hat unter dem Titel „Das deutsche Handwerk“ (1908) B. Crome aus dem Nachlaß herausgegeben. Mit diesen Werken hat H., seiner Zeit weit voraus, nicht nur ein bisher kaum beachtetes Gebiet in Angriff genommen, sondern auch methodisch der Sprachwissenschaft neue Fragestellungen erschlossen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Das westfäl. Bauernhaus, in: Germania 10, 1865;
    Über den Heliand, in: Zs. f. dt. Philol. 1, 1868;
    Kunst im Hause, 1881, II. R. 1883;
    Die Basler Glasmalerei d. 16. Jh. d. Basler Schützenhauses, in: Basler Nachrr. 1883, No. 169-71;
    Ruodlieb, 1897 (Übers.);
    Vorträge im Ver. f. d. Gesch. Göttingens, in: Protokolle üb. d. Sitzungen d. Ver. f. d. Gesch. Göttingens 1892/1905;
    Mitt. z. Vorgesch. d. Loge Augusta z. goldenen Zirkel in Göttingen a. d. 18. Jh., 1896. - Qu.: Vorlesungsmss.
    Nd.sächs. Staats- u. Univ.-Bibl. Cod. Ms. M. H. Nr. 1-31; Briefe
    ebd. Cod. Ms. Philos. 187, 12 Nr. 56-60, Cod. Ms. W. Meyer 2, Herm. Wagner 26, Ebstein 1.

  • Literatur

    W. Scherer, Kleine Schrr. I, 1893, S. 563-69, 576-79;
    Kukula, S. 351, Erg.-H, S. 107 (W in Ausw.);
    Führer durch d. Hist. Mus. d. Stadt Basel, 1899, S. III f.;
    C. Borchling, in: Protokolle üb. d. Sitzungen d. Ver. f. d. Gesch. Göttingens 1905/06, S. 73-85;
    W. Suchier, Bibliogr. d. Univ.-schrr. 1817–85, 1953, S. 453, 641;
    F. Stroh, Hdb. d. german. Philol., 1952, S. 105;
    W. Rabe, 75 J. Städt. Mus. Göttingen, 1964, S. I ff.;
    E. Schröder, in: Chronik d. Georg-August-Univ. z. Göttingen f. d. Rechnungsj. 1905, 1905, S. 4-8 (W);
    F. Kluge, in: Zs. f. dt. Wortforschung 7, 1905/06 (P);
    M. Roediger, in Zs. d. Ver. f. Volkskde. 16, 1906;
    BJ I.

  • Portraits

    M. Voit, Bildnisse Göttinger Professoren aus zwei Jhh., 1937, Nr. 160;
    Marmorbüste v. P. Nisse (Göttingen, Stüdt. Mus.).

  • Autor/in

    Gerhard Baader
  • Empfohlene Zitierweise

    Baader, Gerhard, "Heyne, Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 95-96 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116793465.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA