Lebensdaten
1814 bis 1886
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schauspielerin
Konfession
evangelisch Augsburger Bekenntnisses
Normdaten
GND: 116790482 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frieb-Blumauer, Johanna Minona
  • Frieb-Blumauer, Johanna Wilhelmine
  • Bernhard, Johanna Minona (eigentlich)
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Frieb-Blumauer, Minona, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116790482.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Blumauer (eigtl. Joh. Gottfr. Bernhard) (1774-1841), Schauspieler u. Jugendschriftsteller;
    M Joh. Wilhelmine Hofmeister (1777-um 1840);
    Schw Theona Blumauer ( 1837, Wilh. Frdr. Seebach, 1798-1863, Schauspieler), Sängerin u. Schauspielerin, Hermione Blumauer ( um 1841), Sängerin;
    Mönitz/Mähren 1839 Emanuel Frieb, aus Mähren, Eisenbahn-Ing.;
    1 S, 1 T, u. a. Karolina Frieb (1844-76, 1872 Wilhelm Karl Mühldorfer, 1837–1919, Theater-Kapellmeister in Leipzig), Sängerin u. Schauspielerin;
    N Marie Seebach (1829–97, Albert Niemann, 1917, Opernsänger), Schauspielerin (s. ADB 54), Wilhelmine Seebach (* 1832), Schauspielerin.

  • Leben

    F. erhielt, wie auch ihre beiden Schwestern, auf Betreiben des Vaters eine Gesangsausbildung am Prager Konservatorium unter Dionys Weber. Von ihren Engagements als Sängerin (1832 Darmstadt, 1833 Aachen und Köln, 1834 Düsseldorf, 1835/36 Meiningen) bleibt nur das Düsseldorfer angesichts der künstlerischen Anregungen durch Immermann erwähnenswert. Ein merkliches Nachlassen der Stimme bewirkte in den folgenden Jahren (1837/38 Brünn, 1840 Laibach, 1841 Olmütz) ihren Übertritt zum Schauspiel. Bald nach Beginn ihres Engagements in Wien (1842–53) wurde sie von Direktor Carl in älteren Frauenrollen beschäftigt. Ihre außergewöhnliche Begabung kam jedoch zur vollen Entfaltung erst während ihres Engagements am Königlichen Schauspielhaus in Berlin, dem sie (unter Botho von Hülsen) von 1853 bis zu ihrem Tode angehörte. – F. verdankte ihre großen Erfolge der hervorragenden Darstellung älterer Frauenrollen vor allem des komischen und heiteren Genres. In ihrer Verkörperung der zu gesellschaftlicher Bedeutung aufgestiegenen bürgerlichen Frau – etwa der „Kommerzien-“ oder „Geheimrätin“ – entsprach sie gewiß dem Geist wie den Wunschvorstellungen der Zeit; ihr Spiel jedoch, stilistisch dem „geläuterten Naturalismus“ Immermanns nahestehend, vermochte aus blutleeren Figuren Charaktere zu machen und sie zugleich über ihre soziale Bedingtheit hinauszuheben.

  • Rollen

    Hauptrollen (v. ca. 500 Rollen): Neben d. „komischen Alten“ d. klass. Dramen (Marthe Schwerdtlein, Marthe Rull usw.) bes.: Geheimrätin Seefeld in Störenfried, Adelgunde v. Halten in d. Zärtl. Verwandten (beide v. R. Benedix); Kommerzienrätin Bolzau in Stiftungsfest v. G. v. Moser; Herzogin in Geh. Agenten v. F. W. Hackländer; Köchin Christiane in Dienstboten v. R. Benedix; Die alte Lotte in Alte Schachtel v. J. Gans zu Putlitz.

  • Literatur

    ADB 48;
    Vossische Ztg. Nr. 357/58, 1886;
    Dt. Bühnengenossenschaft 15, 1886, Nr. 32 u. a. (alle ungenau);
    O. F. Gensichen, Berliner Hofschauspieler, 1872, S. 124 ff.;
    J. Gans zu Putlitz, Theatererinnerungen II, 1874, S. 215 ff.;
    Eisenberg (auch f. Karl Blumauer, Wilh. Frdr., Marie u. Wilhelmine Seebach);
    Kosch, Theater-Lex. (auch f. Karl Blumauer, Karolina Mühldorfer, Albert Niemann). – Bisher keine Monogr.; eigene Archivstudien.

  • Portraits

    2 Stiche (Wien, Nat.-bibl.);
    zahlr. Rollenphot. (Berlin, Bibl. d. Dt. Staatsoper).

  • Autor/in

    Ilse Kurzrock
  • Empfohlene Zitierweise

    Kurzrock, Ilse, "Frieb-Blumauer, Minona" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 440 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116790482.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Frieb-Blumauer: Minona F.-B., Schauspielerin, wurde am 11. Mai 1816 in Stuttgart als Tochter des Schauspielers Karl Blumauer geboren. Ihr Vater, der ihre Begabung für die Bühne von vornherein erkannt hatte, wurde ihr erster Lehrer in der Schauspielkunst. Die ersten Rollen, in denen sie auftrat, waren jedoch Opernrollen. Sie besaß eine liebliche, wenn auch nicht große Stimme, zu deren Ausbildung sie drei Jahre lang das Conservatorium|in Prag besuchte, wo der berühmte Gesanglehrer Dionys Weber ihr Unterricht ertheilte. Ihr erstes Engagement fand sie bei Karl Theodor Küstner am Theater zu Darmstadt. Dann kam sie zu dem Director Julius Mühling, welcher die Thaliatheater in Köln und Aachen leitete. Als sie merkte, daß ihre Stimme größeren Anstrengungen auf die Dauer nicht gewachsen sein würde, beschloß sie zum Schauspiel überzugehen. Kein Geringerer als Immermann wurde ihr Lehrer. Sie wurde an dessen Musterbühne nach Düsseldorf engagirt und wirkte hier in jugendlichen, munteren Liebhaberinnenrollen. In den Jahren 1838 und 1840 spielte sie ohne festes Engagement an verschiedenen deutschen Bühnen, unter anderen in Meiningen und Brunn, wo sie sich mit dem Ingenieur Emanuel Frieb vermählte und einige Zeit der Bühne entsagte. Im J. 1841 finden wir sie als Mitglied der Carl'schen Truppe in Wien zuerst am Wiedener, dann im Leopoldstädtischen und schließlich am Carltheater beschäftigt. Sie sing schon damals an, ältere, namentlich komische Charaktervollen zu geben. Sie erzielte in ihnen solche Erfolge, daß sie Holbein gern für das Burgtheater gewonnen hätte, wenn Director Carl sie freigegeben hätte. Döring, der zu Anfang der fünfziger Jahre in Wien gastirte, erkannte sofort ihre Bedeutung und wußte nach seiner Rückkehr nach Berlin die dortige Hoftheaterintendanz zu bestimmen, die F. zu einem Gastspiel einzuladen. Dieses hatte einen solchen Erfolg, daß sie sofort mit einem zehnjährigen Contract, der später in einen lebenslänglichen umgewandelt wurde, engagirt wurde. Seit ihrem Debüt am 6. April 1854 bis zu ihrem am 31. Juli 1886 erfolgten Tode gehörte sie zu den Lieblingen des Berliner Publicums. Sie übernahm das Rollenfach der einst so berühmten Amalie Wolff, der Schülerin Goethe's, und beherrschte es im allerausgedehntesten Maße. Sie verfügte über warme Gemüthstöne und über einen reichen Humor und zeichnete sich besonders durch eine äußerst lebendige Detailmalerei aus. Am besten war sie im bürgerlichen Lustspiel und Volksstück, weniger heimisch fühlte sie sich dagegen in Salonrollen. Als ihre gefeiertsten Rollen werden angeführt die Oberförsterin in Iffland's „Jäger", die Herzogin in Hackländer's „Geheimen Agenten", Christiane in Benedix' „Dienstboten", Daja in Lessing's „Nathan", Martha in Goethe's „Faust“ und Amme in Shakespeare's „Romeo und Julie“.

    • Literatur

      Illustr. Zeitung. Leipzig 1869, Bd. 52, S. 45, 46; 1878, Bd. 70, S. 277, 278. — Gartenlaube. Leipzig 1874, S. 549—551. —
      G. zu Putlitz, Theater-Erinnerungen. Berlin 1874. Bd. 2, S. 215—226. —
      Der Bär. Berlin 1884. Jahrg. X, S. 419; 1891. Jahrg. XVII, S. 448. —
      Almanach der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. (Gettke's Bühnen-Almanach.) 15. Jahrg. 1887. Leipzig o. J., S. 121—123. —
      Deutscher Bühnen-Almanach. 51. Jahrg. Hrsg. von Th. Entsch. Berlin 1887, S. 229—233. — P. Schlenther, Botho v. Hülsen und seine Leute. Berlin 1883. —
      R. Fellner, Geschichte e. Deutschen Musterbühne. Stuttgart 1888. (Register.) — C. Schäffer u. C. Hartmann, Die Kgl. Theater in Berlin. Berlin 1886. (Register.) —
      Ludwig Eisenberg, Großes Biographisches Lexikon der deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903, S. 284, 286. — Westermann's illustrirte deutsche Monatshefte, Bd. 91. Braunschweig 1902, S. 583.

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Frieb-Blumauer, Minona" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 772-773 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116790482.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA