• Genealogie

    V Joh. Chrstn. ( 1738), Barbier in St., S d. Barbiers Christoph;
    M Justina Marg., T d. Pfarrers Jac. Haiß in Darmsheim;
    Kirchheim u. T. 1762 Christiana Eberhardina (1732–1801), Wwe d. Diakonus Joh. Frdr. Baumann, T d. württ. Hofrats u. Kaufm. Thomas Widemann in St.;
    1 S.

  • Leben

    1747 ins Stift in Tübingen aufgenommen, studierte F. zuerst Philosophie und Naturwissenschaft mit starker Neigung und Begabung für Mathematik und Musik, verkehrte viel mit dem Orgelbauer Hausdörfer und anderen Trägern des erwachenden Pietismus: K. H. Rieger, M. F. Roos, Ch. F.|Steinhofer, J. A. Bengel und F. Chr. Ötinger, den er nach dessen eigenen Worten an Tiefe (der Spekulation) übertraf. Durch diesen kam er als Mitarbeiter bei einer Planetenmaschine bis an den Hof in Wien und zu naturwissenschaftlichen Forschungsreisen in Mähren. Zunächst Hofmeister bei Ötingers Bruder, dann in Holland und England, erweiterte er bei Mennoniten und Methodisten seinen kirchlichen Gesichtskreis und trat mit dem niederrheinischen Kreis um Tersteegen, Jorissen und H. Collenbusch in persönlichen und brieflichen Verkehr. 1761 übernahm er die württembergische Pfarrstelle Dettingen bei Urach mit Filialgemeinde Hülben, wo das Haus des Lehrers Kullen ein Mittelpunkt des erwachenden Pietismus wurde. – Mit Ötinger teilt F. das Streben, die ganze damals mächtig aufblühende Naturwissenschaft von der Bibel aus zu verstehen und in sie hineinzubauen. Von Bengel übernimmt er dessen Grundgedanken vom Reich Gottes und dessen baldiger Vollendung durch die bevorstehende Wiederkunft Christi, die er durch ausgedehnte mathematische und musikalische Spekulationen ausbaut. Sein Einfluß als Prediger und Seelsorger ist umfassend, der Ernst seines persönlichen Ringens um Rechtfertigung vorbildlich, sein Beten durchdrungen von unerbittlicher Wahrhaftigkeit und Buße.

  • Werke

    (einziges) Weisheit im Staube d. i. Anweisung wie man unter d. allergewöhnlichsten u. gemeinsten Umständen, die man gleichwie Staub gering ansieht u. wenig beachtet, auf d. einfältig leitende Stimme Gottes bei sich merken soll, 1750.

  • Literatur

    ADB VII;
    K. Ch. E. Ehmann, J. L. F., e. Lb. a. d. KG d. 18. Jh., 1864;
    W. Claus, Württ. Väter II, 1887, S. 51 ff.;
    RGG (L).

  • Autor/in

    Walter Ludwig
  • Empfohlene Zitierweise

    Ludwig, Walter, "Fricker, Johann Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 434 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116789670.html#ndbcontent

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  • Leben

    Fricker: Joh. Ludwig F., evangel. Theolog, geb. 14. Juni 1729 in Stuttgart, 13. Sept. 1766 als Pfarrer in Dettingen unter Urach, war unter des Theosophen Oetinger Jüngern der begabteste, besonders auch in Mathematik und Physik. Sein Leben und seine kleineren Schriften gab Ehmann heraus, Tübingen 1864.

  • Autor/in

    J. H.
  • Empfohlene Zitierweise

    H., J., "Fricker, Johann Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 382 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116789670.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA