Lebensdaten
1879 bis 1954
Geburtsort
Woldegk (Mecklenburg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Paläobotaniker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116788305 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gothan, Walther Ulrich Eduard Friedrich
  • Gothan, Walther
  • Gothan, Walther Ulrich Eduard Friedrich
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Gothan, Walther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116788305.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (* 1855), Töpfermeister in W.;
    M Minna Heinrichs (* 1855);
    1) 1923 Marie Schmidt (1876–1947), 2) 1948 Hertha Müller (* 1917).

  • Leben

    Nach einjährigem bergmännischem Praktikum studierte G. ab 1899 an den Bergakademien Clausthal und Berlin Geologie und Bergbau, 1903-04 an der Universität Berlin Botanik, Chemie und Philosophie (Promotion Jena 1905). Richtunggebend wurde der Einfluß des Paläobotanikers H. Potonié; G. gelang es bereits, nach späteren eigenen Angaben, in seiner von Potonié angeregten Dissertation, das System der mikroskopischen Diagnostik der fossilen Koniferenhölzer auf eine neue Basis zu stellen. Schon ab 1903 arbeitete er als unbesoldeter Assistent an der Preußischen Geologischen Landesanstalt, wurde dort 1910 Assistent, nach Potoniés Tod 1913 Sammlungskustos, 1927 Bezirksgeologe, 1929 Landesgeologe und 1938 Abteilungsleiter (ab 1919 Titularprofessor). Umfangreich war auch seine Lehrtätigkeit. So wirkte er nach seiner Habilitation (1908) als Privatdozent an der Berliner Bergakademie, die 1914 als „Fachabteilung für Bergbau“ mit der Technischen Hochschule verbunden wurde. G. lehrte dort weiterhin ab 1915 als Dozent und wurde 1926 nichtbeamteter außerordentlicher Professor. Die Universität Berlin ernannte ihn 1927 zum Honorarprofessor und 1947 zum Professor mit vollem Lehrauftrag für Paläobotanik. Seiner Wahl zum ordentlichen Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften (1949) folgte dort 1951 die Gründung einer „Arbeitsstelle für Paläobotanik“; diese übernahm auch die wertvolle Sammlung der Geologischen Landesanstalt, deren Aufbau im wesentlichen G.s Verdienst war. – Die enge Verbindung mit praktisch-geologischen Belangen bestimmte G.s Wirken, so daß der Ausbau einer vergleichenden Stratigraphie, besonders des Karbon und Perm, im Mittelpunkt seines Schaffens stand. Die Entdeckung des von ihm so bezeichneten „Florensprungs“ im oberschlesischen Steinkohlenbecken (1913) erwies sich als wichtiges geologisches Hilfsmittel, wenngleich seine Allgemeingültigkeit noch umstritten ist. Aus G.s Anregungen entstanden auch die internationalen Kongresse zur Klärung der Karbonstratigraphie in Heerlen (1927, 1935, 1951), die eine einheitliche Nomenklatur der Steinkohlenschichten und ihre paläontologische Abgrenzung erarbeiteten. Das Schwergewicht von G.s paläobotanischer Forschung lag auf der morphologisch-systematischen Beschreibung der Steinkohlenflora, während stammesgeschichtliche Fragen vorwiegend in populärwissenschaftlichen Schriften behandelt wurden. Die Tertiärflora berücksichtigte G. vor allem im Hinblick auf Bildung und Klassifikation der Braunkohle und wurde durch Erweiterung der Methodik zum Begründer einer wissenschaftlich fundierten „Kohlenpetrographie“. Durch Neubearbeitung des „Lehrbuchs der Paläobotanik“ von H. Potonié (1921, 31954) und als Verfasser der Artikel „Paläobotanik“ in Just's Botanischem Jahresbericht, dem Handwörterbuch der Naturwissenschaften und den Fortschritten der Paläontologie weist sich G. als Autorität seines Fachgebietes aus.|

  • Auszeichnungen

    Leopold-v.-Buth-Plakette (1948), Orville Derby Medal (1951) u. Medaille d. Société Botanique de France (1954).

  • Werke

    Weitere W u. a. Zur Anatomie lebender u. fossiler Gymnospermen-Hölzer, in: Abhh. d. Kgl. Preuß. Geol. Lardesanstalt NF 44, 1905 (Diss.);
    Die oberschles. Steinkohlenflora, ebd. 75, 1913;
    Die unterliassische („rhät.“) Flora d. Umgebung v. Nürnberg, in: Abhh. d. Naturhist. Ges. Nürnberg 19, 1914, S. 89-186;
    Die Steinkohlenflora d. westl. paralischen Carbonreviere Dtld.s, Lfg. 1-3: Arbb. a. d. Inst. f. Paläobotanik u. Petrographie d. Brennsteine 1929, 1931, 1935, Lfg. 4: Abhh. d. Reichsstelle f. Bodenforschung NF 196, 1941, Lfg. 5: Beih. Geol. Jb. 10, 1953;
    Die Gesch. d. Paläobotanik an d. Preuß. Geolog. Landesanstalt, in: Jb. d. Preuß. Geolog. Landesanstalt 54, SB 16, 1933;
    Botan.-geolog. Spaziergänge in d. Umgebung v. Berlin, 1934;
    Die Probleme d. Paläobotanik u. ihre geschichtl. Entwicklung, = Probleme d. Wiss. in Vergangenheit u. Gegenwart Nr. 10, 1948;
    Die Unterkarbon-Flora d. Dobrilugker Tiefbohrungen, in: Abhh. d. Geolog. Landesanstalt Berlin, NF 217, 1949;
    Die Gesch. d. Paläobotanik u. ihrer Ausweitungen in Berlin, = Dt. Ak. d. Wiss. Berlin, Vorträge u. Schrr. 42, 1951 (mit autobiogr. Mitt.);
    Die Heerlener Karbonkongresse, in: SB d. Dt. Ak. d. Wiss. Berlin, math.-nat. Kl. 4, 1952.

  • Literatur

    T. G. Halle, in: Paläontographica 91, Abt. B., 1951, S. 93-108 (W, P);
    U. Horst, in: Geologie 3, 1954, S. 492-501 (W, 2 P);
    ders., ebd. 4, 1955. S. 119 f. (P);
    K. Mägdefrau, in: FF 28, 1954, S. 252;
    F. Thiergart, in: Wiss. Ann. 3, 1954, S. 557 f. (P); Nachrufe:
    G. Dunken, ebd. 4, 1955, S. 119 f.;
    Mau, in: Bergbautechnik Berlin 5, 1955, S. 162;
    R. Potonié, in: Geolog. Jb. 70, 1955, S. XXVII-LIII (W, P);
    S. v. Bubnoff, in: Jb. d. Dt. Ak. d. Wiss. Berlin 1954, 1956, S. 351-69 (W);
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    Ilse Jahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Jahn, Ilse, "Gothan, Walther" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 654 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116788305.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA