Lebensdaten
1824 bis 1876
Geburtsort
Hirschlanden (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Zoologe ; Forschungsreisender in Afrika
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116782226 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heuglin, Theodor (bis 1855)
  • Heuglin, Theodor von
  • Heuglin, Theodor (bis 1855)
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Zitierweise

Heuglin, Theodor von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116782226.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludw. Frdr. (1797–1846), Pfarrer in Eßlingen, seit 1822 in H., S d. Amts- und Stadtschreibers Jakob Frdr. in Ludwigsburg u. d. Karoline Charl. Müller;
    M Wilhelmine (1801–60), verw. Mayer, T d. Pfarrers Joh. Aug. Gg. Hildebrand u. d. Maria Agnes Hiller;
    Ur-Gvm Joh. Chrstn. Hiller (1734–1820), Prof. in Maulbronn u. Prälat zu Anhausen;
    Tante-v Sophie ( Aug. v. Weckherlin, 1794–1868, Dir. d. Landwirtsch. Inst. in Hohenheim, s. ADB 41); - ledig.

  • Leben

    H. besuchte 1839-42 die Bildungsanstalt der Brüder Paulus auf dem Salon in Ludwigsburg, wo er unter den Einfluß des späteren Naturforschers Ch. L. Landbeck und seines Mitschülers, des nachmaligen Sammlers und Reiseschriftstellers J. W. von Müller (1824–66, siehe ADB XII und Literatur), kam und im Großelternhaus als Gast den Geschäftsmann, Mäzen des Stuttgarter Naturalienkabinetts und Förderer des kulturellen Lebens in Kapstadt Karl Freiherr von Ludwig (1784–1847, siehe Literatur) aus Sulz am Neckar kennenlernte. 1842-43 studierte H. Berg- und Hüttenfach auf dem Polytechnikum Stuttgart und war anschließend als Praktikant beziehungsweise Hüttenamts-Assistent in Königsbronn, 1845 in Ludwigstal (Tuttlingen) und 1846-48 in der Fürstenbergischen Amalienhütte tätig. Angeregt durch J. W. von Müller, der mit Alfred Brehm Nordafrika bereist hatte, wandte sich H. 1850 nach Wien, wo er unter anderem Beziehungen zur Akademie der Wissenschaften anknüpfte, ging nach Kairo und von dort aus zusammen mit Brehm nach dem Sinai, ferner 1852 nach Nubien. 1852-53 unternahm er als Sekretär des österreichischen Konsulats in Khartum mit dem Konsul seine erste Abessinienreise (Tanasee, Hoch-Semyen). Beide erkrankten schwer, der Konsul starb. Nach einem Besuch der Heimat 1855 kehrte H. 1856 über Griechenland und Kleinasien zurück nach dem Sudan; sodann bereiste er 1857-58 im Auftrage des Erzherzog Ferdinand Max von Österreich die Westküste des Roten Meeres, zog von Kairo aus zunächst nilaufwärts, dann nach Kosseir und Massaua, zur Somaliküste und zur Insel Sokotra. Einem Heimataufenthalt 1858, auf welchem er unter anderem in Wien seine dienstlichen Verpflichtungen zum Auswärtigen Ministerium aufgab, folgte eine 3. Reise 1861-62 mit dem bald aufgegebenen Ziel, den auf der Suche nach Heinrich Barth verschollenen Eduard Vogel aufzufinden: H. durchquerte von Massaua aus das nördliche Abessinien westwärts wiederum bis Semyen und Tanasee. In Fendja traf er den Missionar J. M. Flad; im Gallagebiet wurde er von Negus Theodor II. empfangen.

    Die 4. Reise 1862-64 führte H. als Begleiter zweier Holländerinnen zum Weißen Nil, wo es die westlichen Zuflüsse zu erforschen galt, und brachte trotz Krankheit, Tod mehrerer Teilnehmer und Strapazen wieder reiche zoologische Ergebnisse. 1865-70 weilte er zu deren Aufarbeitung in der schwäbischen Heimat. Eine 5. Reise 1870 hatte Spitzbergen und andere Inseln des Polarmeeres zum Ziel, die 6. Reise 1871 Nowaja Semlja. Die 7. Reise 1875 erstreckte sich auf die Westküste des Roten Meeres und den Grenzraum Eritrea-Sudan. – H. brachte große Sammlungen besonders an Vögeln und Säugetieren zusammen, die sich teils im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart, teils im Naturhistorischen Museum Wien befinden. Darüber hinaus trug er wesentlich zur Kenntnis bis dahin kaum oder nicht erforschter Gebiete, besonders Äthiopiens, bei, ferner zur Kenntnis der Vogelwelt Afrikas überhaupt, wobei ihm ein ausgesprochenes Talent im Zeichnen und Malen zustatten kam. Bis auf bescheidene Zuwendungen erhielt H. keine staatliche Unterstützung, erst recht in Deutschland keine ihm gemäße Stelle. Er lebte vom Ertrag seiner Schriften, und trotz vielfacher Ehrungen kam er aus wirtschaftlichen Sorgen nicht heraus.|

  • Auszeichnungen

    Württ. Kronenorden, Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien u. d. Senckenberg. Naturforsch. Ges.

  • Werke

    u. a. Reisen in Nord-Ost-Afrika, 1857;
    Reise in d. Gebiet d. Weißen Nil u. s. westl. Zuflüsse, 1869;
    Ornithol. Nordost-Afrikas …, 2 Bde., 1869-74;
    Reisen nach d. Nordpolarmeer, 3 Bde., 1872-74;
    Reise nach Abessinien, d. Gala-Ländern, Ost-Sudan u. Chartum, 1874;
    Reise in Nordost-Afrika, 2 Bde., 1877;
    über 100 Publ. in Zss.

  • Literatur

    ADB XII;
    R. Frhr. v. König-Warthausen, in: Journal f. Ornithol. 25, 1877;
    W. Bacmeister, in: Lb. Schwabengeändert aus: Schwäb. Lb. [d. Red.] V, 1950 (W-Verz., L, Qu., P: Lith. v. C. Pfann);
    O. Paret, Der Afrikaforscher Th. v. H. u. s. Ludwigsburger Vorfahren, in: Hie gut Württemberg (Ludwigsburg), 1962, Nr. 8/9;
    L. Gebhardt, Die Ornithologen Mitteleuropas, 1964 (auch f. Ch. L. Landbeck, J. W. v. Müller u. K. Frhr. v. Ludwig);
    Pogg. III. -
    Zu K. Frhr. v. Ludwig: F. R. Bradlow, Baron v. Ludwig and The Ludwigsburg Garden, A chronicle of the Cape from 1806 to 1848 with an appendix showing some of the horticultural introductions of Baron v. Ludwig, 1965;
    Heyd II.

  • Autor/in

    Emst Schüz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schüz, Ernst, "Heuglin, Theodor von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 42 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116782226.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heuglin: Theodor v. H., Afrikareisender und Naturforscher, wurde am 20. März 1824 zu Hirschlanden in Würtemberg als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Seinen ersten Unterricht genoß er in der Erziehungsanstalt zu Stetten im Remsthal; vom 12. Jahre an wurde er zu Hause von seinem Vater unterrichtet. Nach der Confirmation sollte er sich dem Baufache widmen, und zunächst unter Anleitung des Baurath Gaab sich mit der Praxis bekannt machen, und nebenbei das Gymnasium besuchen. Es zeigte sich jedoch bald, daß dieser Weg nicht der richtige sei, und der junge H. wurde nun im fünfzehnten Jahre der Paulus'schen Erziehungsanstalt auf dem Salon bei Ludwigsburg übergeben, und einige Jahre später trat er in die polytechnische Schule zu Stuttgart ein, um sich für das Berg- und Hüttenfach auszubilden. Nach zweijährigem Cursus wurde er auf der fürstlich Fürstenbergischen Amalienhütte anderthalb Jahre lang als Assistent verwendet. Doch fesselte ihn dieser Beruf in die Länge nicht,|denn er strebte in die weite Welt, fremde Länder und ihre Pflanzen und Thiere zu sehen war das Ziel seiner Sehnsucht. Als im Jahre 1849 der Naturforscher J. W. v. Müller von seiner nordafrikanischen Reise nach Stuttgart zurückkehrte, und eine reiche zoologische Sammlung mitbrachte, half er ihm dieselbe ordnen, und Müller veranlaßté ihn nach Afrika zu reisen. Ende 1850 begab er sich nach Egypten. Als er nach Alexandrien kam, fand er dort bei dem österreichischen Generalconsul Huber Unterstützung zu einer Reise nach Nubien und ins peträische Arabien, und 1852 wurde er dem österreichischen Consulat in Chartum als Secretär beigegeben. Bald darauf machte er mit dem Consul Dr. Reitz eine Reise nach Abessynien, und als letzterer auf der Rückkehr den Strapatzen der Reise erlag, wurde H. der Nachfolger seines Chefs. Die zahlreichen wissenschaftlichen Aufzeichnungen, welche H. bis jetzt gemacht hatte, veröffentlichte er 1857 im Verlag von J. Perthes in Gotha unter dem Titel „Reisen in Nordafrika“. Kaum hatte er in Chartum einige Monate ausgeruht, so machte er sich wieder auf die Fahrt, um das Gebiet des unteren weißen Nils zu untersuchen. Von dieser Reise brachte er eine Menge interessanter Thiere, sowol lebende als ausgestopfte, mit nach Europa, und machte dieselben theils dem Thiergarten in Schönbrunn bei Wien, theils dem Naturaliencabinet zu Stuttgart zum Geschenk. Als Anerkennung für letztere Schenkung wurde ihm 1855 der würtembergische Kronorden und damit der persönliche Adel verliehen. Im Frühjahr 1856 begab er sich wieder auf die Reise, wandte sich nach Griechenland, Kleinasien und Egypten, und betheiligte sich bei einer Erpedition an die Westküste des rothen Meeres und die Somaliküste, worüber er im Jahrgang 1860 und 61 von Petermann's Mittheilungen ausführlichen Bericht erstattet hat. Da er sich bei seinen beständigen Reisen den Functionen des österreichischen Consulats in Chartum nicht widmen konnte, wurde er 1858 dieser Stelle enthoben und kehrte im October des genannten Jahres nach Stuttgart zurück, wo er nun bis zum Frühjahr 1861 blieb. Dort traf ihn die Aufforderung Dr. Petermann's in Gotha, sich an die Spitze einer Expedition zur Auffindung des verschollenen Afrikareisenden Eduard Vogel zu stellen. Im Mai 1861 trat H. in Begleitung von einer Anzahl tüchtiger Männer von Egypten aus die Reise an und wandte sich zunächst den nördlich von Abessynien gelegenen Landschaften zu, wo sich die Expedition mit naturwissenschaftlichen und geographischen Untersuchungen bis zum October aufhielt. Um diese Zeit trennte sich ein Theil der Gesellschaft unter Anführung von Munzinger und Kinzelbach von ihm, da sie dem ursprünglichen Zweck des Unternehmens in einer anderen Richtung besser dienen zu können glaubten, während H. von Anfang an Abessynien als Ziel seiner Reise vor Augen gehabt hatte. Dorthin setzte er nun mit den Uebrigen seinen Weg fort und wurde im April 1862 von dem Kaiser Theodor sehr freundlich aufgenommen. Unter vielen Entbehrungen und Drangsalen bewerkstelligte er die Rückreise und kam im Juli 1862 in Chartum an, wo er einige Monate ausruhte. Im Anfang des folgenden Jahres finden wir ihn schon wieder in Bewegung: er hatte sich nämlich der bekannten holländischen Reisenden Fräulein Tinne zu einer Expedition nach den westlichen Zuflüssen des weißen Nil angeschlossen, und kam mit ihr im Juli 1863 an die Wer des Kasangaflusses. Die Reise nahm noch das folgende Jahr in Anspruch, und zu Anfang des Jahres 1865 kehrte er nach Europa zurück, um sich der Verarbeitung des reichen wissenschaftlichen Materials zu widmen, das er gesammelt hatte. Diese Arbeit veranlaßte ihn aber wieder zu neuen Reisen nach Frankreich, Holland und Norddeutschland, um in den dortigen Sammlungen vergleichende Studien zu machen. Außerdem folgte er 1870 der Aufforderung des Grafen Waldburg-Zeil, ihn auf einer Reise in das nördliche Eismeer,|namentlich auf die Insel Spitzbergen zu begleiten, und im folgenden Jahr machte er beinahe denselben Weg auf einem Dampfer des Kaufherrn Rosenthal, mit dem er Nowaja-Semlja besuchte. 1875 ging er in Folge einer Aufforderung des Khedive von Egypten, der ihm lockende Anerbietungen gemacht hatte, wieder nach Afrika. Da sich aber die Aussichten nicht erfüllten, so kehrte er im selben Jahr wieder nach Stuttgart zurück. Schon wieder mit neuen Reiseplänen beschäftigt, erkrankte er dort an einer Lungenentzündung und starb nach wenigen Tagen am 5. November 1876. Die Wissenschaft verlor an ihm einen rüstigen Vorkämpfer, der sich um die Erschließung Afrika's und die Kenntniß der dortigen Thierwelt sehr verdient gemacht hat. Außer dem oben genannten ersten Werke veröffentlichte er folgende Arbeiten: „Systematische Uebersicht der Vögel Nordostafrika's" (1856). „Systematische Uebersicht der Säugethiere Nordostafrika's". (1867). „Reise nach Abessynien, den Galaländern, Ostsudan und Chartum in den Jahren 1861 und 1862." (1868.) „Reise in das Gebiet des weißen Nil und seiner westlichen Zuflüsse in den Jahren 1862—64." (1869.) „Ornithologie Nordostafrika's, der Nilquellen und Küstengebiete des rothen Meeres etc." 2 Bde. mit Abbildgen. (1869—73.) „Reisen nach dem Nordpolmeer in den Jahren 1870 und 71.“ 3 Bde. (1872—74.) „Reise in Nordostafrika. Schilderungen aus dem Gebiete Beni Amer und Habab nebst zoologischen Skizzen.“ (1877.) Kl.

    Außerdem hat H. in den deutschen geographischen Zeitschriften, vorzüglich in den „Geogr. Mittheilungen“ zahlreiche Mittheilungen veröffentlicht (die Bände der letztern von 1861—62 enthalten die Originalberichte über die Vogel-Expedition) und eine Anzahl von Arbeiten naturgeschichtlichen, vorwiegend faunistischen Charakters geliefert, von denen die „Ornithologie Nordost-Afrika's“ (3 Bde. Cassel 1869—73) die umfassendste ist. — H. ist, wie sein vielbewegter Lebenslauf zeigt, einer der rastlosesten Reisenden unseres Jahrhunderts gewesen und seine Werke beweisen, daß er auch ein sehr gut vorgebildeter war. Er hat keine der größten geographischen Ausgaben gelöst, die seine Zeitgenossen in Spannung erhielten, noch auf einer seiner Reisen ein sehr hervorragendes Ziel erreicht, aber er hat zu genauer Kenntniß kleinerer oder sonst als minder anziehend vernachlässigter Gebiete Bedeutendes geleistet und wird vorzüglich von den Thiergeographen mit Dankbarkeit genannt. Er war einer der besten unter Denen, die Größeren oder Glücklicheren die Wege vorbereiteten. H. war kein Meister des Styles weder in der Reiseerzählung, noch in der Schilderung, seine Bücher gehören daher nicht zu derjenigen Classe der Reisebeschreibungen, die durch formelle Vorzüge sich als Bereicherung der allgemeinen Litteratur darstellt. Aber er war ein sehr nützlicher wissenschaftlicher Reisender. R.

    • Literatur

      Geographische Mittheilungen 1877.

  • Autor/in

    Klüpfel. — Friedr. Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Klüpfel, Karl; Ratzel, Friedrich, "Heuglin, Theodor von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 325-327 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116782226.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA