Lebensdaten
1620 bis 1684
Geburtsort
Vinstingen (Lothringen)
Sterbeort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
brandenburgischer Statthalter von Pommern und Preußen ; letzter evangelischer Bischof von Kammin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116741880 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Croÿ, Ernst Bogislaw Herzog von
  • Aarschot, Ernst Bogislaus von
  • Arschot, Ernst Bogislav von
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Zitierweise

Croÿ, Ernst Bogislaw Herzog von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116741880.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst, Hzg. v. C. u. Aerschot ( 1620, kath.), kaiserlicher Gen. (s. ADB IV), S des Karl Phil. v. C., Marquis v. Havré (1549–1613), u. der Diana, T des Wilh. v. Dommartin, Baron v. Fontenoy, Wwe des Joh. Phil. Gf. v. Salm;
    M Anna (1590–1660, ev., s. ADB IV), T des Bogislaw XIII., Hzg. v. Pommern-Wolgast ( 1606, s. NDB II);
    Om Bogislaw XIV., Hzg. v. Pommern ( 1637, s. NDB II); natürlicher S Ernst, vom Kf. v. Brandenburg legitimiert u. als v. Croyengreiff geadelt, vom Vater 1681 wegen Konversion enterbt; Verwandter Ferd. Jos. v. C., Hzg. v. Havré (1644–94), Erbe C.s, kaiserlicher FM.

  • Leben

    C. verlebte seine Jugend am Hofe seines Oheims Herzog Bogislaw XIV. zu Stettin, wohin er mit seiner Mutter, die nach dem Tode ihres Gatten wegen der Bedrängnis durch dessen katholische Verwandtschaft ihr Leibgedinge zu Vinstingen verlassen hatte, von Straßburg aus 1622 übergesiedelt war. Da ihm sein väterliches Erbe vorenthalten wurde, sicherte ihm Bogislaw XIV. die Eventualnachfolge im Bistum Cammin (1623). 1633 erfolgte mit Zustimmung des Kurfürsten von Brandenburg, der Erbansprüche auf Pommern besaß, und mit Zustimmung der Schweden, die das Land besetzt hielten, seine Wahl zum designierten Bischof durch das Camminer Domkapitel. Unter den Bedingungen, die 1633 für die spätere Übernahme des Amtes festgelegt|wurden, wird die evangelische und geistige Erziehung besonders erwähnt. 1634 begann er sein Studium an der Universität Greifswald, zu deren Rector magnificentissimus er 1634 erhoben wurde. Nach dem Tode Bogislaws XIV. schritt das Camminer Kapitel 1637, dem Wunsche der pommerischen Landstände sowie dem des neuen Patrons, Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg, folgend, zur Wahl C.s zum Bischof. Da Schweden Einspruch erhob, konnte dieser das Amt nicht antreten. Er hat sich - wenn er nicht auf Reisen war - meist in Stolp, dem Leibgedinge seiner Mutter, aufgehalten und die Durchsetzung seiner Ansprüche betrieben. Im Westfälischen Frieden kam Hinterpommern mit dem Stift Cammin an Brandenburg. Kurfürst Friedrich Wilhelm, nicht gewillt, sich des Camminer Bistums zu begeben, erreichte schließlich in dem Vergleich zu Berlin (16./26.11.1650) den Verzicht C.s auf alle seine Rechte zugunsten Brandenburgs. Als Abstandssumme wurden ihm 100 000 Reichstaler zugesagt, für die ihm verschiedene Ämter in Hinterpommern verpfändet wurden; außerdem erlangte er die Anwartschaft auf Naugard und Massow, das Lehen der Grafen von Eberstein, auf das Leibgedinge seiner Mutter und auf das Amt und die Einnahmen des Präpositus von Cammin, wozu er 1661 gewählt wurde. Er trat dann in die Dienste des Kurfürsten, der ihm 1665 die Statthalterschaft über Hinterpommern und das Fürstentum Cammin übertrug, auf die er später zugunsten des Generalfeldmarschalls von Derfflinger verzichtete. 1670 wurde er zum Statthalter in Preußen ernannt. Trotz vieler Widrigkeiten hat er dieses Amt bis zu seinem Tode bekleidet. - Das Schicksal C.s ist von seiner kriegerischen und für Pommern schweren Zeit geprägt worden. Er selber war nicht nur ein tüchtiger Verwaltungsmann, sondern eine kenntnisreiche, gelehrte Persönlichkeit, den Künsten und der Wissenschaft zugetan, von tiefem Glauben erfüllt. Von den vielen Kunstschätzen der pommerischen Herzöge kam das meiste an den Kurfürsten von Brandenburg und an Glieder seiner Familie. Der pommerischen Landesuniversität vermachte er neben wertvollen Büchern den Siegelring Bogislaws XIV. und eine goldene Kette mit dem Doppelbildnis seiner Eltern, sowie den „Croyteppich“, ein wohl 1554 von Peter Heymans gefertigtes Kunstwerk, das die Reformatoren mit den pommerischen und sächsischen Fürsten darstellt. Diese Stücke aus dem pommerischen Herzogserbe, in deren Besitz die Universität erst 1707 gelangte, gehören zu ihren größten Kostbarkeiten. Ring und Kette sind bis heute Insignien des Rektors. Der Croyteppich soll alle 10 Jahre am Todestag der Herzogin Anna bei der Gedächtnisfeier, die C. am 10.3.1680 gestiftet hatte und die er in seinem Testament 1681 fundierte, gezeigt werden. Von 1680 bis 1930 ist die „Croyfeier“ in treuem Gedächtnis an die Stifter und an das pommerische Herzogshaus von der Universität Greifswald begangen worden.

  • Werke

    2 lat. Reden, am 5.7.1661 u. am 23.5.1665 vor d. Kamminer Domkapitel gehalten, abgedr. in: Balt. Stud., NF 17, 1913, S. 51-58;
    Tagebücher üb. d. Tätigkeit als Statthalter in Preußen, 1670 bis 1672, 5 Bde., in Dt. Zentralarchiv II Merseburg;
    „Poetische Gedichte“ (über die lt. Testament sein Rat Gneomar v. Zitzewitz u. s. Geheimsekretär Jac. Statius Kleffmann verfügen sollen).

  • Literatur

    ADB IV;
    L. v. Orlich, Gesch. d. Preuß. Staates im 17. Jh. I, 1838, S. 251-56, 265-68 (m. Ausz. a. d. Briefwechsel C.s m. d. brandenburg. Minister u. Oberpräs. O. v. Schwerin 1674-79);
    Urkk. u. Aktenstücke z. Gesch. d. Kf. Frdr. Wilh. v. Brandenburg, Bd. IV, VI, VIII, XII, XVI (Reg. f. XV u. XVI, m. Ausz. a. d. Tagebüchern), XVII-XX, XXII, 1867-1926;
    E. Friedlaender, Aeltere Univ.-Matrikeln, II. Greifswald, 1. Bd., 1893, S. 545-47;
    A. Hofmeister, Der Kampf um d. Ostsee v. 9. b. 12. Jh. (Croy-Rede 1930), 21942, S. 3-5, 23-25 (L);
    M. Wehrmann, Genealogie d. pomm. Herzogshauses, 1937, S. 129 (Nr. 135). Über Croyfest u. Croyteppich: Vitae Pomeranorum, vol. 119 (Univ.-Bibl. Greifsw., Ob 569 f.);
    V. Schultze, Gesch.- u. Kunstdenkmäler d. Univ. Greifsw., 1906, S. 39-54 (P);
    ders., Neues v. C.teppich, in: Pomm. Mbll. 48, 1934, S. 24 f.;
    H. Bethe, Die Kunst am Hofe d. pomm. Herzöge, 1937, S. 39-42, 124-26 (Abb. Nr. 24, 25).

  • Portraits

    Ölbild (Univ. Greifsw.);
    Bildnis unter d. v. C. 1669 gestifteten Orgel im Dom zu Cammin, Abb. in: R. Spuhrmann, Der Camminer Dom, 41922, S. 24 f.;
    eine freie Marmorfigur C.s an s. 1682 errichteten Epitaph in d. Schloßkirche zu Stolp, Abb. in: R. Hardow, Alte u. neue Grabdenkmäler im Stadt- u. Landkreis Stolp, 1930, S. 42 (u. S. 18 f.), vgl. L. Böttger, Die Bau- u. Kunstdenkmäler d. Reg.bez. Köslin, II, 1: Stolp, 1894, S. 83-90;
    Portraitmedaille (1667) v. Joh. Höhn d. J. aus Danzig, Abb. in: T. Hoffmann, Die Gnadenpfennige u. Schaugroschen d. pomm. Herzogshauses, 1933, Taf. X, Nr. 62 (u. S. 93).

  • Autor/in

    Roderich Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Roderich, "Croÿ, Ernst Bogislaw Herzog von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 426 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116741880.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA