Lebensdaten
1738 bis 1800
Geburtsort
Barr (Elsaß)
Beruf/Funktion
Naturforscher ; Mediziner
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 116738928 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermann, Johannes

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Zitierweise

Hermann, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116738928.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1704–72), Mag., Pfarrer, seit 1748 in St., S d. Johannes (1668–1710), Mag., Pfarrer in Zehnacker u. Gertwiler, dann in St., u. d. Anna Marg. Beyckert;
    M Maria Magd. (1719–70), T d. Apothekers Eisenmann in St.;
    B Joh. Friedrich (1743–1820), Prof. d. Rechte in St.;
    - N. N.;
    K, u. a. Joh. Friedrich (1768–94), Zoologe, Helfer s. Vaters, Vf. zoolog. Publ. (s. W, L), Friederike ( Frdr. Ludw. Hammer, 1762–1837, Begründer d. Zentralschule in Kolmar, Prof. d. Naturwiss. in St., s. L).

  • Leben

    Von 1753 an studierte H. in Straßburg Medizin, naturgeschichtl. Fächer, vor allem Botanik, und Philosophie. 1762 legte er eine Dissertation, „Cardamomi historia“, vor und vertrat 1763 als These eine Darstellung der Gattung Rosa. Nach seiner Promotion ging er nach Paris, um seine Kenntnisse zu vervollständigen. Von 1764 an hielt er in Straßburg naturhistorische Kurse ab. 1769 wurde er zum außerordentlich Professor in der Medizinischen Fakultät ernannt, 1778 zum ordentlich Professor in der Philosophischen Fakultät für Logik und Metaphysik und 1782 zum Professor für Pathologie. 1784 wurde er Nachfolger von R. Spielmann und las von da ab Botanik, Materia medica und Chemie. Nach Aufhebung der Universität Straßburg im Zuge der Französisch Revolution wurde H. 1794 Professor für Botanik und Medizin an der neu geschaffenen Ecole de santé (später École de médecino) und 1795 außerdem Professor für Naturgeschichte an der ebenfalls neuen Ecole centrale du Bas-Rhin. – H. gehörte zu den bedeutenden Naturhistorikern des 18. Jahrhundert, war Mitglied der großen wissenschaftlichen Gesellschaften und stand im Briefwechsel mit vielen hervorragenden Forschern. Von seinen Publikationen ist die „Tabula affinitatum animalium“ die wichtigste. Sie stellt einen der ersten Versuche dar, die im 18. Jahrhundert verbreitete Stufenleiter-Idee, eine einreihige Anordnung aller Phänomene der Natur, zu überwinden. Die verschiedenen Merkmalsgruppen durchgehend, zeigt H. je nach Berücksichtigung dieses oder jenes Merkmales sehr verschiedene Beziehungen zwischen den einzelnen Klassen und Ordnungen auf und entwirft als Form einer graphischen Darstellung eine netzförmige Anordnung der Tiergruppen. Laut Carus ist er „der erste nach Aristoteles, welcher die Beziehungen der einzelnen Merkmale zueinander ins Auge faßt“. Seine Darstellung wurde zur Grundlage des von Cuvier formulierten Korrelationsgesetzes der vergleichenden Anatomie. In den „Observationes zoologicae“ (1804, Porträt), die von seinem Schwiegersohn F. L. Hammer herausgegeben wurden, behandelt H. 400 Wirbeltierarten und teilt faunistische und ökologische Beobachtungen mit, sowie solche über Lebensweisen in der Gefangenschaft. Das Material für einen 2. Teil, Insekten, Würmer und Zoophyten, ist nicht mehr erschienen. Mehrere Tierarten wurden von ihm gültig benannt: Aegithalos caudatus europäus, Crocidura leucodon und Crocidura russula. Er lieferte auch Beiträge zu den unter Buffons Namen herausgegebenen Sammelwerken, sowie denen von Schreber (Säugetiere) und Bloch (Fische). H. erwarb sich ferner große Verdienste um das berühmte „Vogel-, Fisch- und Thierbuch“ des Straßburger Fischers Leonhard Baldner aus dem 17. Jahrhundert Kam eine geplante Herausgabe auch nicht zustande, so hat H. doch durch seine Bemühungen um die handschriftlichen Exemplare und durch Erwähnung in Wort und Schrift das Werk bekannt erhalten. Eine Textkopie der später (1870) durch einen Brand verlorenen Straßburger Handschrift wurde auf seine Veranlassung von seinem Sohn angefertigt. Ferner plante H. die kommentierte Herausgabe noch unveröffentlichter Zeichnungen von Reptilien und Amphibien Rösels von Rosenhof, mit dessen Tochter er deswegen korrespondierte. Auf botanischem Gebiet hat sich H. hauptsächlich mit der Flora des Elsaß beschäftigt. Seine Aufzeichnungen wurden von Kirschleger in der „Flora d'Alsace“ (1852-62) verwendet. Auch als Mineraloge und in der Erforschung der Lokalgeschichte Straßburgs war H. tätig. Eine groß angelegte Arbeit seines frühverstorbenen Sohnes über die Spinnen des Rheingebietes mit über 100 Tafeln brachte H. zum Abschluß. Das Manuskript fiel ebenfalls dem Brand der Straßburger Bibliothek zum Opfer.

  • Werke

    Weitere W u. a. De rosa, Straßburg 1762;
    Affinitatum animalium tabula brevi commentario illustrata, ebd. 1777;
    Tabula affinitatum animalium, olim academico speeimine edita, nunc uberiore commentario illustrata, cum annotationibus ad historiam naturalem animalium augendam facientibus, ebd. 1783. - Zu S Joh. Frdr.: Mémoire aptérologique, 1804.

  • Literatur

    Th. Lauth, Vita J. H., 1801 (W-Verz.);
    A. de Bary, Zur Gesch. d. Naturbeschreibung im Elsaß, 1872;
    J. V. Carus, Gesch. d. Zool., 1872, S. 543;
    F. Leydig, Herpetolog. Zeichnungen aus dem Nachlaß Rösel v. Rosenhofs, in: Verhh. d. naturhist. Ver. d. preuß. Rheinlande 35, 1878, S. 1-41;
    F. Wieger, Gesch. d. Med. u. ihrer Lehranstalten|in Straßburg, 1885;
    R. Lauterborn, Das Vogel-, Fisch- u. Thierbuch d. Straßburger Fischers Leonhard Baldner a. d. J. 1666, 1903 (auch f. S Joh. Frdr.);
    ders., Der Rhein, Naturgesch. e. dt. Stromes, 1 u. 2, in: Berr. d. Naturforsch. Ges. Freiburg (Brsg.) 30/33, 1930/34, 3 (selbst. ersch.), 1938;
    A. Thienemann, Die Stufenfolge d. Dinge, d. Versuch e. natürl. Systems d. Naturkörper aus d. 18. Jh., in: Zoolog. Ann. 3, 1909, S. 185-274. Nouv. Biogr.;
    Ersch-Gruber II, 6;
    BLÄ;
    Pogg. I. - Zu Schwieger-S F. L. Hammer: E. Reinsch, in: Ll. aus Franken II, 1922, S. 167-77 (W, L).

  • Portraits

    in: Dictionaire des sciences naturelle, Straßburg u. Paris 1816 ff., Bd. „Porträts“.

  • Autor/in

    Hans Querner
  • Empfohlene Zitierweise

    Querner, Hans, "Hermann, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 660 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116738928.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA