Lebensdaten
1851 bis 1919
Geburtsort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116718846 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Creizenach, Wilhelm Michael Anton
  • Creizenach, Wilhelm
  • Creizenach, Wilhelm Michael Anton

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Zitierweise

Creizenach, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116718846.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Familie stammt aus Mainz, wo sie schon 1733 (als eines der ersten jüdischen Geschlechter mit festem Familiennamen) erwähnt wird;
    V Theodor (1818–77, seit 1854 ev.), Dichter, Literarhistoriker, Hrsg. des Briefwechsels zw. Goethe u. Marianne v. Willemer, 1877, Neubearbeiter v. Schlossers Weltgeschichte, 1870 ff. (s. ADB XLVII], S des Michael (1789–1842), Mathematiker, Rabbiner, Vorkämpfer für eine Reform des Judentums im Sinne Mendelssohns (s. ADB XLVII), u. der Marianne Haas aus alter jüdischer Kaufm.fam. in Frankfurt/Main;
    M Luise, T des Frankfurter Bankiers Moses Lob (dann Moritz) Flersheim (1787–1853) u. der Henriette (Jetta) Oppenheim;
    Om Karl Ludw. Bernays ( 1876), Journalist (s. NDB II): 1886 Aletta Braun.

  • Leben

    C. habilitierte sich 1875 in Leipzig. 1883 folgte er einem Rufe als Professor der deutschen Literatur nach Krakau und wirkte hier bis 1912. Daß bei der fachmännischen Tüchtigkeit und ungewöhnlichen Gelehrsamkeit, wofür zahlreiche Veröffentlichungen Zeugnis ablegten, keine Berufung an eine deutsche Universität - trotz des Glaubenswechsels - erfolgte, dürfte seinen Grund in einem Rassenressentiment der damaligen Zeit haben. 1912 siedelte C. nach Dresden über, um sich ganz der Vollendung seines Hauptwerkes, der „Geschichte des neueren Dramas“ (5 Bände 1893-1916, Band 1-3 21911-23) zu widmen. Sein Werk blieb unvollendet. Es umschließt die Zeit von den mittelalterlichen Mysterienspielen bis zu den Dramen Shakespeares. C. bewältigt die Fülle des zum Teil langatmigen und künstlerisch wenig wertvollen Stoffes durch eine chronologisch und inhaltlich bedingte Anordnung, weniger durch eine ästhetische Theorie, die größere Kulturzusammenhänge deutlich machte. Es galt zu zeigen, daß Humanismus und Renaissance der mittelalterlichen Kirchendisziplin gegenüber eine neue Ethik anbahnten, nach welcher die Versöhnung von Gott und Mensch nicht mehr allein von der Gnade Gottes erwartet wurde, sondern von der eignen Arbeit des menschlichen Geistes abhing. Dieser Aufgabe ist C. nicht voll gerecht geworden. Ich möchte den Grund dafür in der Konversion erblicken. Dem der Reform geneigten Juden wäre es Herzenssache gewesen, dem ethischen Gehalt religiöser Vorstellungen den Vorrang vor der dogmatischen Form zu geben. Ihm mußte die neue humanistische Ethik, in der Luther wegen ihres pelagianischen Geistes einen unversöhnlichen Gegner erblickte, sympathisch sein. Der Lutheraner C. scheute wohl davor zurück, sich mit dem Problem der Erbsünde in antilutherischem Sinn zu befassen. Es war durch die veränderte geistige Struktur der neuen Zeit zugunsten der Autonomie zurückgedrängt worden.

    Trotz dieser Einwendungen bleibt die Geschichte des neueren Dramas ein epochales Werk von internationaler Bedeutung. Sie enthält Angaben über Quellen, Aufbau und wechselseitige Beeinflussung vieler Tausender von Dramen aus allen Ländern Europas.

  • Werke

    Weitere W Judas Ischarioth in Legende u. Sage d. MA, Diss. Halle 1875;
    Versuch e. Gesch. d. Volksschauspiels vom Doktor Faust, 1878;
    Zur Entstehungsgesch. d. neuen dt. Lustspiels. (Habil.) 1879;
    Die Bühnengesch. d. Goetheschen Faust, 1881;
    Der älteste Faustprolog, Krakau 1887;
    Die Schauspiele d. engl. Komödianten, 1889;
    Lessing u. d. Parabel v. d. drei Ringen, in: Neue Jbb., 1917.

  • Literatur

    W. Petersen, in: Neue Bll. f. Kunst u. Lit., 1919;
    E. Groß, in: Frankfurter Ztg., 1919, Nr. 382;
    O. Walzet, in: Jb. d. dt. Shakespeare-Ges., 56. Jg., 1920. S. 108-11;
    DBJ II (Tl. 1919, L). - Zu V u. Groß-V: Enc. Jud. V.

  • Portraits

    in: Gesch. d. dt. Philol. in Bildern, 1927, S. 61.

  • Autor/in

    Gustav Falter
  • Empfohlene Zitierweise

    Falter, Gustav, "Creizenach, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 406 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116718846.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA