Lebensdaten
1802 bis 1845
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Winnental
Beruf/Funktion
Verlagsbuchhändler
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116698462 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Franckh, Friedrich Gottlob
  • Franckh, Gottlob
  • Franckh, Friedrich Gottlob
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Zitierweise

Franckh, Gottlob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116698462.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Frdr. (s. 1).

  • Leben

    Nach kaufmännischer Lehrzeit in Holland eröffnete Friedrich F. 1822 in Stuttgart eine Buchhandlung, in die er bald darauf seinen Bruder Gottlob als Teilhaber aufnahm. Die Firma umfaßte Verlag, Sortiment, Druckerei, Leihbibliothek und versuchte wiederholt, auch Tageszeitungen und Wochenschriften herauszugeben, die aber stets nach kurzer Zeit wieder eingingen. Erfolgreicher waren die Veröffentlichungen junger schwäbischer Dichter wie F. Waiblinger, W. Hauff – namentlich dessen „Lichtenstein“ –, Karl Spindler und später Hermann Kurz. Aufgeschlossenheit für neue Ideen und kaufmännischer Unternehmungsgeist zeichneten beide Brüder aus; sie beteiligten sich mehrfach an anderen Firmen und gründeten Zweigbetriebe. Vor allem aber bedienten sie sich der neuen Schnellpressen, um durch billige Massenauflagen breitere Leserkreise zu gewinnen. Es gab noch kein internationales Urheberrecht, und so erzielten sie mit einer deutschen Taschenausgabe der Werke Walter Scotts großen Erfolg. 1827-29 setzten sie 3 000 000 Hefte von je 8 Bogen ab; der Einzelpreis von 2½ Silbergroschen war damals unerhört billig. Im März 1830 siedelte Gottlob F. nach München über und verlegte dort 4 Tagesblätter. In Paris, wohin ihn 1831 der Plan einer französischen Zeitung führte, begeisterte er sich für revolutionäre Ideen. Nach dem Hambacher Fest von 1832 ließ er sich in eine Verschwörung gegen die württembergische Monarchie ein und wurde wegen Hochverrat zu 9 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er auf der Festung Hohenasperg verbüßte. Hier faßte er den Plan, in stärkerem Maße fremdes Kapital für den Buchhandel zu interessieren. Er gründete 1836 – noch während seiner Haftzeit – den Verlag der Klassiker, der nach französischem Vorbild in erster Linie illustrierte Prachtwerke von Cervantes, Le Sage und Swift herausbrachte. Sein Bruder Friedrich F. führte inzwischen das Stuttgarter Geschäft weiter. Auf Grund der ihm verbliebenen Konzession konnte nach Gottlobs Amnestierung 1842 die Verlagshandlung Gebrüder F. neu begründet werden. Neben anderen Verlagswerken erschien unter dem Titel „Das belletristische Ausland“ eine Kabinettsbibliothek klassischer Romane aller Nationen in Heften, die nur 20 Pfennige kosteten, mithin billiger waren als die Gebühr einer Leihbibliothek, und gleichsam die Idee der späteren Universalbibliothek Reclams vorwegnahmen. Verbreitet wurden insbesondere die Schriften der beiden Dumas, ferner Eugen Sue, George Sand, Alfred de Vigny, Dickens, Thackeray, Beecher-Stowe, Manzoni, Andersen und Conscience. Die Zahl der Subskribenten erreichte 15 000. Nach dem Tod Gottlobs begann Friedrich F. noch das große Lieferungswerk „Neue Encyclopädie der Wissenschaften und Künste“, an dem bedeutende Fachgelehrte mitarbeiteten. Trotz des guten Absatzes zeigten sich schließlich doch die Nachteile der von den Gebrüdern F. begründeten, sogenannten „speculativen Richtung“ des Stuttgarter Buchhandels; die fremden Geldgeber erzwangen einen 12jährigen Schuldentilgungsplan, der weitere verlegerische Pläne verhinderte. So konnte auch Friedrich F. nicht die Früchte seiner Lebensarbeit ernten. – Die F.sche Verlagshandlung wurde zunächst von Gustav Leins und Carl Conradi übernommen und ging 1893 in den Besitz von Walther Keller und Euchar Nehmann über.

  • Literatur

    M. Biffart, Gesch. d. württ. Feste Hohenasperg, 1858, S. 126-36;
    R. Schmidt, Dt. Buchhändler, dt. Buchdrucker, 1902/08;
    A. Druckenmüller, Der Buchhandel in Stuttgart, 1908;
    T. Kellen, in: Bücher d. F.schen Verlagshandlung, Verlagsverz., 1936, S. 1-23 (P);
    H. E. Binder, Gesch. e. alten Stuttgarter Fa., in: Verlagsverz., 1953 (P).

  • Quellen

    Qu.: Stuttgart, Stadtarchiv u. Württ. Hauptstaatsarchiv; Geschäftsrundschreiben im Archiv d. Dt. Bibl., Leipzig.

  • Portraits

    P zu Gottlob F.: Ölgem. v. J. H. Winterhalter, Abb. in d. Verlagsverz. 1936, 1953 u. 1957.

  • Autor/in

    Walther Matthey
  • Empfohlene Zitierweise

    Matthey, Walther, "Franckh, Gottlob" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 331 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116698462.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA