Lebensdaten
1813 bis 1885
Geburtsort
Kiel
Sterbeort
Dockenhuden bei Hamburg
Beruf/Funktion
Überseekaufmann ; Reeder
Konfession
französisch-reformiert
Normdaten
GND: 116695617 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Godeffroy, Johann Cesar (VI)
  • Godeffroy, Johann Cesar
  • Godeffroy, Johann Cesar (VI)
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Zitierweise

Godeffroy, Johann Cesar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116695617.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Hugenottenfam.;
    V Joh. Cesar (V) (1781–1845), seit 1806 in dem väterl. Handelshaus tätig, wich vor d. 2. Besetzung Hamburgs durch d. Franzosen nach Kiel aus u. rettete d. gesamten Lagerbestände, S d. Joh. Cesar (IV) (1742–1818), gründete 1766 in Hamburg d. Fa. G. (Handel mit schles. Leinen), erhielt als Großbürger d. Genehmigung zum Transithandel mit einschlägigen Waren, gelangte bereits zu großem Wohlstand, u. d. Antoinette Matthiesen;
    M Sophie (1786–1842), T d. Joh. Frdr. Meyer, Oberlandes-Ökonomie-Kommissar in Celle, u. d. Christina Victoria Brauns; Ur-Gvv César (1706–58), Weinhändler, kam 1737 v. Berlin n. Hamburg;
    B Adolph (1814–93), erst in d. väterl. Fa. tätig, gründete n. 1845 e. eigenes Unternehmen (1858 aufgelöst), 1847-78 Dir. d. v. den Godeffroys mitbegründeten Hapag, Gustav (1817–93), seit 1846 Teilhaber d. väterl. Fa., Abg. in d. Frankfurter Paulskirche, Senator, Aufsichtsratvorsitzender d. Norddt. Bank in Hamburg, an deren Gründung 1856 d. Haus Godeffroy vornehmlich beteiligt war, Alfred (1824–98), Leiter d. Niederlassung in San Francisco;
    Altona 1837 Emilie (1815–94), T d. Frederick Hanbury, Kaufm. in Hamburg, u. d. Anna Adelheid Cruse;
    3 S, 2 T, u. a. Joh. Cesar (VII) (s. 2), Charlotte (⚭ Matthias Schön, 1837–1922, Mitgl. d. Reichstags u. d. preuß. Abg.hauses).

  • Leben

    1837 trat G. als Teilhaber in die wieder in Hamburg arbeitende Firma (jetzt J. C. Godeffroy und Sohn) ein und war seit 1842 der eigentliche Leiter. G.s Ziel war der Ausbau ihrer Auslandsverbindungen und die Vergrößerung ihrer Reederei, die damals mit 7 Schiffen an dritter Stelle in Hamburg lag. Mit Hilfe seiner drei Brüder, treuer Mitarbeiter und guter Freunde, konnte er den größten Teil seiner Pläne ausführen. Gustav war bis 1846 an den Küsten Südamerikas für die Firma tätig (1839 vornehmlich in Brasilien, 1840 in Chile). 1837 errichtete Adolph die erste Niederlassung des Hauses in Havanna auf Cuba (J. C. Godeffroy & Co., 1845 liquidiert), 1845 folgte die zweite Gründung in Valparaiso, 1849 die dritte in San Francisco unter der Leitung von Alfred. In der Südsee faßte das Unternehmen Fuß, als ihr bester Mitarbeiter August Unshelm 1857 in Apia auf den Samoainseln die Flagge des Hamburger Hauses hißte. Das Stammhaus lieferte die draußen verlangten europäischen Waren nun auf eigenen Schiffen. Rückfrachten in Gestalt der Produkte der fernen Länder (Zucker und Kaffee aus Cuba, Kopra und Perlmutterschalen aus Samoa) waren in Hamburg zu guten Preisen absetzbar. 1845 besaß die G.sche Firma 12 Schiffe mit 5000 Tonnen Raumgehalt, 1856 27 Schiffe, von denen 9 auf eigener Werft (Reiherstieg) gebaut waren; sie war damit Hamburgs größte Reederei. Die Firma betrieb nun auch die Beförderung der Auswanderer in großem Stil, die nach Bekanntwerden der Goldfunde nach Amerika und Australien strömten. 1851 nahm sie einen regelmäßigen Liniendienst nach Australien und Californien auf (1857 wieder eingestellt). Trotz mancher Rückschläge und Verluste blühte ihr Geschäft. Durch die Wirtschaftskrise 1857 war G. gezwungen, verschiedene Geschäftszweige abzubauen. In die Werft wurde ein Mitinhaber aufgenommen (Reiherstieg Schiffswerfte & Kesselschmiede). Nur in Samoa wurde die Firma weiter ausgebaut, Kokospalmen- und Baumwollplantagen wurden erworben und angelegt.

    G. hatte stets seine Kapitäne angewiesen, alles zu sammeln, was auf den Südseeinseln von wissenschaftlichem Interesse sein konnte. Um 1860 beauftragte er den Zoologen Eduard Graeffe, das vorhandene Material zu ordnen und ein naturwissenschaftliches und völkerkundliches Museum, das „Museum Godeffroy“, zu bilden. 1861 wurde Graeffe nach Samoa geschickt, und im Laufe der Jahre folgten noch weitere Wissenschaftler (unter anderem Amalie Dietrich). Die Ergebnisse dieser Reisen wurden in den einschlägigen Fachzeitschriften veröffentlicht, bis ein eigenes „Journal des Museums Godeffroy“ herausgegeben|wurde (1873-1910 sind 17 Hefte erschienen). Nach Auflösung der Firma wurde der größte Teil der ethnographisch-anthropologischen Sammlungen von dem Leipziger Museum für Völkerkunde, der restliche Teil und das zoologische Material von dem Hamburger naturwissenschaftlichen Museum erworben.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Berliner anthropolog. Ges.Ehrenmitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg (1867), des Entomologischen Vereins zu Stettin (1868) und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (1875); korr. Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft zu Frankfurt am Main (1873); Ehrenpräsident des Vereins für naturwissenschaftliche Unterhaltung zu Hamburg (1875).

  • Portraits

    Ölgem. v. R. Schneider, 1847, Abb. in: Dt.GB 127Lithographie v. P. Grosenich, um 1865, nach Photographie v. E. Bieber, Abb. in: K. Schmack, J. C. Godeffroy & Sohn, Kaufleute zu Hamburg, 1938, S. 112..

  • Autor/in

    Käthe Molsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Molsen, Käthe, "Godeffroy, Johann Cesar" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 494 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116695617.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA