Lebensdaten
1803 bis 1885
Geburtsort
Duckershof Kreis Dorpat
Sterbeort
Sankt Petersburg
Beruf/Funktion
Geologe ; Forschungsreisender
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116691174 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Helmersen, Gregor von
  • Gel'mersen, G. P.
  • Gel'mersen, Grigorii Petrovich
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Zitierweise

Helmersen, Gregor von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116691174.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (1776–1860), russ. Staatsrat, seit 1806 beim Livländ. Komitee d. Justizmin., Dir. d. kaiserl. Theater, S d. Otto Frdr. (1728–85), auf D., russ. Oberst, Statthalter v. Oesel, u. d. Anna Elis. v. Hagemeister;
    M Auguste (1779–1863), T d. Karl v. Sivers (1747–1806), poln. Oberstlt., Präs. d. Niederrechtspflege in Livland, u. d. Aug. Louise v. Fischbach;
    B Alexander (1797–1850), russ. Gen.-Lt., Dir. d. Kadettenkorps, Paul (1801–94), Gymnasialprof., Lehrer u. Beamter z. bes. Aufträgen d. Großfürsten Nikolai u. Michael Nikolajewitsch;
    Schw Anna ( Emil Lenz, 1865, Prof. d. Physik, Forschungsreisender);
    - vor 1837 Agrafina (1813–93), T d. Jakob Koschelew, russ. Gen., u. d. Charlotte v. Helmersen;
    2 S, 6 T (3 jung †), u. a. Wilhelm (1838–87), russ. Hofrat, Auguste ( Robert Lenz, 1903, Prof. d. Physik u. physikal. Geogr., 1889-99 Chef d. Expedition z. Anfertigung v. Staatspapieren, s. Pogg. III, IV), Marie ( Peter v. Molas, russ. Admiral); N (S d. Alexander) Peter (1838–77), russ. Oberst im Gen.stab, bereiste 1861-69 d. Amur- u. Ussurigebiet, d. Mandschurei u. Korea (s. Pogg. III), Ludwig (1843–1904), Wirkl. Staatsrat, Dir. d. Balt. Bahnges.

  • Leben

    In der Privatschule des Pastors der deutschen reformiert Gemeinde J. von Muralt in Petersburg seit 1811 und auf dem Gymnasium Dorpat seit 1818 erzogen, studierte H. 1821-25 in Dorpat zunächst Jura, bald aber Naturwissenschaften. Schüler von M. von Engelhardt, führte er 1824 Nivellierarbeiten für die Wolga- und Dnjepr-Quellen mit Germain Henri Heß (1802–50, s. Literatur) durch und unternahm mit Engelhardt 1826 eine geologische Expedition in den Ural. Seit 1827 Cand. philosophiae, wurde er 1828 mit seinem Freunde Ernst Hofmann beim Finanzminister Georg Graf von Cancrin angestellt und untersuchte 1828-29 den Südural mit Hofmann geologisch, zuletzt mit A. von Humboldt, C. G. Ehrenberg und G. Rose reisend. Auf Humboldts Empfehlung besuchten H. und Hofmann 1830-32 Berlin, Sachsen, Böhmen, Österreich, Oberitalien und die Schweiz; 1831/32 hörte H. in Bonn Petrefaktenkunde. 1833-36 erforschte er den Ural, die Kirgisensteppe und den Altai. 1838 zum Mitglied des wissenschaftlichen Komitees beim Bergressort berufen, wirkte er 1838-63 als Professor der Geologie am Berginstitut, wurde 1840 Inspektor desselben und 1849 Verwalter des Museums; 1865-72 war er als Generalleutnant des Bergkorps Direktor des|Berginstituts, das er zu einer freien akademischen Lehranstalt umgestaltete. 1843 wurde er in die Russisch Akademie der Wissenschaften gewählt (1844 Adjunkt, 1847 außerordentlich, 1850 ordentlich Mitglied).

    H. erforschte weite Gebiete Rußlands geologisch. Außer dem Ural, den er 1865 und 1870 zum Studium der Kohlen- und Eisenerzvorkommen im nördlichen Teile erneut bereiste, galt sein Hauptaugenmerk dem Nachweis von Brennstoffen im Moskauer Becken, das er 1838-41, 1860, 1867 und 1872 untersuchte, sowie im Donezbecken, wo er 1863 und 1872 die Kohlenversorgung der Eisenerzhütten studierte, und der Erschließung der Braunkohlenvorkommen in den Gouvernements Kiew und Cherson 1869, in Nordpolen und um Grodno 1872–76. In Kurland wandte er sich gleichzeitig diluvialen Torflagerstätten und der Bernsteinformation zu, nachdem er bereits 1838/39 die Brennschiefer Estlands erforscht hatte. Neben geologischen Arbeiten im Revier Olonez (1856–59), im Narwa- und Peipussee-Gebiet (1860–62) studierte er 1850 die Salzseen Bessarabiens und 1864 die Schlammvulkane und Erdölquellen von Kertsch und Taman sowie die Geologie des Samarabogens. Zur Vertiefung seiner Kenntnisse bereiste er 1845 Finnland und Skandinavien. Immer widmete er sein besonderes Interesse den Diluvialerscheinungen sowie Grundwasserfragen.

    Rußland verdankt H. nicht nur die erste geologische Karte des europäisch Teiles (1841), für die ihm die Akademie die Demidow-Prämie verlieh, sondern auch die Grundlagen der gesamten geologischen Erforschung und die Ausbildung vieler bedeutender Geologen. Zu H.s Ehren wurde 1878 die Helmersen-Prämie für geologische Arbeiten bei der Akademie der Wissenschaften gestiftet. Daneben war H. ein begeisterter Zeichner und Maler sowie ein beachtlicher Poet, der sich stets als Deutscher fühlte.

  • Werke

    u. a. Übersichtskarte d. Gebirgsformationen d. europ. Rußlands, 1841;
    Geolog. Karte v. Rußland, 1865, 21873;
    Geognost. Unterss. d. Süd-Uralgebirges, 1831 (mit E. Hofmann);
    Der Telezkische See u. d. Teleuten im östl. Altai, 1838;
    viele eigene Btrr. in d. v. H. mit K. E. v. Baer hrsg. Btrr. z. Kenntnis d. russ. Reiches u. d. angränzenden Länder Asiens 1-26, 1839-71, NF 1-9 (mit L. v. Schrenck), 1879-86.

  • Literatur

    A. Köppen, in: Russ. Revue 12, Petersburg 1878, S. 367-78 (W), auch in: Verhh. d. Russ. Mineralog. Ges., 2. Serie, Bd. 14 (P);
    Fr. Schmidt, in: Neues Jb. f. Mineral., 1885, II, S. 1-4;
    A. P. Karpinski, in: Izvestija Geolog. Komitee, 1885, Bd. 4, Nr. 3 (W);
    H. v. Samson-Himmelstjerna, in: Balt. Mschr. 45, Bd. 56, Riga 1903, H. 9, S. 165-202 (W, unvollst.; viele Gedichte
    , S. 167-82 Selbstbiogr. H.s bis 1825), auch in: Aus balt. Geistesarb. I, Riga 1908, H. 6;
    C. Schiffner, Aus d. Leben alter Freiberger Bergstudenten II, 1938, S. 26 f.;
    A. A. Zvorykin, Biografičeskij slovar' dejatelej estestvornanija i techniki I, Moskau 1958, S. 225;
    Pogg. I, III;
    Genealog. Hdb. d. balt. Ritterschaften, T. Livland, II, S. 826-28. - Zu G. H. Heß: H. M. Leicester, in: Journal of Chemical Education 28, New York 1951, S. 581-83 (P).

  • Portraits

    in: V. V. Tichomirov, Očerki po istorii geologičeskich znanij I, Moskau 1953, S. 51.

  • Autor/in

    Walther Fischer
  • Empfohlene Zitierweise

    Fischer, Walther, "Helmersen, Gregor von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 496 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116691174.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA