Lebensdaten
1837 bis 1902
Geburtsort
Münster (Westfalen)
Sterbeort
Greifswald
Beruf/Funktion
Physiologe
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 116678046 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Landois, Leonard
  • Landois, C. C. A. Leonard
  • Landois, Christian Clemens August Leonard
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Zitierweise

Landois, Leonard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116678046.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Hermann (s. 1);
    - 1867 Clara Helene (1848-n. 1912), T d. Theodor Marsson (1816–92), Apotheker, Botaniker (s. ADB 52), u. d. Auguste Kellmann; Schwager Richard Marsson (1855|-1928), Senatspräs. am Kammerger. in Berlin;
    2 S, 1 T, u. a. Max (1873–1935), Reichsgerichtsrat, Felix (1879–1945), Prof. d. Med., Chirurg.

  • Leben

    L. begann nach dem Abitur am Gymnasium Paulinum in Münster 1857 das Studium der Medizin in Greifswald (Dr. med. 1861 mit Diss. über einen Hautparasiten „De Macrogastere Hominis“; erweitert „Über den Haarbalgparasiten des Menschen“, 1863). 1862 legte er das medizinische Staatsexamen ab und wurde nach einem halben Jahr praktischer Arzttätigkeit in Münster Assistent am anatomisch-physiologischen Institut in Greifswald (Habilitation für Anatomie und Physiologie 1863). In den ersten Jahren arbeitete er über eine Reihe von Hautparasiten (Bettwanze, Hundefloh) und Darmparasiten (Botriocephalus latus) des Menschen, ferner über Verknöcherungsvorgänge in Knorpel, Sehnen und Bindegewebe. Im Juli 1868 wurde er zum ao. Professor der Anatomie und Physiologie in Greifswald ernannt. Bei der Abtrennung der Physiologie als eines selbständigen Faches von der Anatomie in Greifswald wurde L. 1872 zum o. Professor der Physiologie und Direktor des Physiologischen Instituts ernannt; es gelang ihm, den Bau eines neuen Instituts durchzusetzen. Nachdem L. zunächst mehr histologisch gearbeitet und dabei 1865 eine neue Metallsalzimprägnierungsmethode mit Quecksilberchromat empfohlen hatte, begann ihn die experimentelle Physiologie stärker zu interessieren. Er untersuchte im Anschluß an Arbeiten seines Lehrers Julius Budge die Erscheinungen des Herzstillstandes bei elektrischer Reizung des Nervus vagus. An den Kriegen 1866 und 1870/71 nahm er als Feldstabsarzt teil. Ihn fesselte dann für lange Jahre die Physiologie des Blutgefäßsystems, die Herzaktion, die Pulsbewegung und die Vorgänge, die sich während des Kreisweges des Blutes im Blute selbst abspielen. 1872 erschien seine Monographie „Die Lehre vom Arterienpuls nach eigenen Versuchen und Beobachtungen dargestellt“. – Wesentliche Entdeckungen gelangen L. hinsichtlich der Probleme der Bluttransfusion, die sich damals oft als ein gefährliches Verfahren erwies. Er stellte die Existenz von Haemolysinen, von Blutzellen auflösenden Substanzen gegenüber einem Fremdblut, fest. Außerdem erkannte er die Gefahren der Tierblutübertragung auf den Menschen und deren Ursachen (Die Transfusion des Blutes, Versuch einer physiologischen Begründung nach eigenen Experimental-Untersuchungen mit Berücksichtigung der Geschichte, der Indicationen, der operativen Technik und der Statistik, mit 4 Tafeln, 1875). Andere Themen betrafen die Folgen experimenteller Reizung am Nervensystem und am Gehirn, ferner Vorschläge zur physiologischen Versuchstechnik, besonders zu den graphischen Verfahren (Angiograph, Gassphygmoskop) und schließlich Untersuchungen über die Harnvergiftung (Die Urämie, 1890, 21891).

    Die bedeutendste Leistung von L. war wohl sein durch A. Eulenburg angeregtes „Lehrbuch der Physiologie des Menschen, einschließlich der Histologie und mikroskopischen Anatomie, Mit besonderer Berücksichtigung der praktischen Medicin“ (1880; 281960). Dieses 2bändige Werk galt bis zum Ende des 2. Weltkrieges als das beste Lehrbuch. Seit 1905 gaben L.s Schüler, der Münstersche Physiologe Rudolf Rosemann und seit 1955 dessen Sohn Hans-Ulrich unter Mitwirkung zahlreicher Fachkollegen die Neuauflagen heraus. Das Erfolgsgeheimnis des Buches besteht in der didaktisch geschickten Darstellung komplizierter Zusammenhänge, in der vorzüglichen Stoffgliederung, der Verwendung verschiedener Drucktypen, der Einführung von Randmarginalien, der Verwendung gut ausgewählter Bilder (Holzschnitte), der Hervorhebung aller für die praktische Medizin wichtigen Methoden mit der Erklärung ihres Zwecks und ihrer Wirkungsweise, schließlich der Einbeziehung der Histologie. Das Buch wurde schon 1882 ins Russische, 1885 ins Englische übersetzt, 1893 ins Französische und Italienische, 1894 ins Spanische, dann auch ins Japanische. L. hatte einen ausgesprochen historischen Sinn. Jedes Kapitel bekam einen historischen Teil, außerdem eine sehr genaue Bibliographie, – Mitgl. d. Leopoldina (1866).

  • Literatur

    Peiper, in: Dt. Med. Wschr. 28, 1902, S. 891 f.;
    Virchows Jber. 1, 1902, S. 419;
    R. Rosemann, in: Westfäl. Lb. I, 1930, S. 451-76 (W-Verz., P);
    K. Rothschuh, Gesch. d. Physiol., 1953;
    BJ VII;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Karl E. Rothschuh
  • Empfohlene Zitierweise

    Rothschuh, Karl E., "Landois, Leonard" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 506 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116678046.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA