Lebensdaten
1593 bis 1656
Geburtsort
Sondershausen (Thüringen)
Sterbeort
Gotha
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116654406 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Glaß, Salomo
  • Glaß, Salomon
  • Glassius, Salomo
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Zitierweise

Glassius, Salomo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116654406.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Balthasar (1560–1635), schwarzburg. Rentschreiber in Grüningen u. S., dann Amtsschosser in Gehren, S d. Bauern Georg in Grüningen u. d. Barbara Hoffmann;
    M Anna Maria (1570–1630), T d. braunschweig. Hofmeisters u. Rats Lic. iur. Heinr. Müller u. d. Anna Milwitz aus Erfurt;
    B Balthasar (1596–1666), Dr. med., Hof- und Leibmedikus in Arnstadt, dann in G.;
    1) Jena 19.11.1621 Elisabeth (1595–1638), T d. Tobias Steinmann (um 1556–1631), Buchdrucker u. Ratsherr in Jena, u. d. Buchdruckers-T Anna Rebart, 2) Gotha 16.11.1640 Cath. Maria (1609–43), Wwe d. Dr. iur. Gg. Mylius (1586–1637), mansfeld. Rat u. Hofger.advokat in Jena, T d. Jons. Denhart, eisenach. Kanzler, u. d. Bgm.-T Catharina Braun aus Naumburg, 3) Gotha 16.7.1647 Maria, Wwe d. Ratsverwandten u. Handelsmanns Frdr. Mattenberg, T d. Gg. Cotta (1571–1626), Kaufm. u. Ratsherr in Eisenach, u. d. Catharine Vogel;
    3 S (jung †), 3 T aus 1), u. a. Clara Elis. (⚭ Joh. Hattenbach, 1624–1700, Sup. in Waltershausen), 1 T aus 2). - Nicht verwandt: Caspar Glatius (Glatz, 1551), 1524-37 Prof. d. Theol. in Wittenberg, dann Pfarrer in Orlamünde (s. ADB IX).

  • Leben

    G. studierte in Jena, Wittenberg und wieder in Jena, wo er Lieblingsschüler und Tischgenosse Johann Gerhards war. Hier 1617 zum Magister promoviert, wurde er 1619 Adjunkt der philosophischen Fakultät und 1621 Professor der hebräischen und griechischen Sprache. 1625 wurde er zum Superintendenten in Sondershausen ernannt. 1626 promovierte ihn die theologische Fakultät in Jena zum Doktor und berief ihn 1638 zum Nachfolger Gerhards. Schon 1640 holte ihn Ernst der Fromme in das neu begründete Herzogtum Sachsen-Gotha, wo G. als Generalsuperintendent, Oberhofprediger, Konsistorialassessor und Ephorus des Gymnasiums entscheidend am Aufbau des durch den 30jährigen Krieg völlig zerrütteten Kirchen- und Schulwesens beteiligt war. Hier führte er 3 große Kirchenvisitationen durch, nahm 1644 auch an der Visitation der Universität Jena teil, in der er 1625 und 1639 das Amt des Rektors bekleidet hatte. Seine alt- und neutestament|lichen Schriften, Vorlesungen und Disputationen bedeuten einen Markstein in der Entwicklung der biblischen Hermeneutik. Seine „Philologia Sacra…“ (5 Bände, 1623–36, 101776-96) erweist ihn als überragenden Kenner der hebräischen Sprache und der rabbinischen Literatur. In Gotha verfaßte er die für die Erneuerung des Kirchen- und Schulwesens erforderliche katechetische, exegetisch - homiletische und agendarische Literatur, leitete nach Gerhards Tod die Bearbeitung der „Ernestinischen“ oder „Weimarischen Bibel“, einer für die Hausandacht kommentierten Ausgabe, und schrieb eine Anzahl von Traktaten für die „Hauskirche“. In dem von ihm maßgeblich beeinflußten „Synodalschluß“ (1645), der fortan den 1. Teil der „Ernestinischen Verordnungen“ bildete, verwertete er die Erfahrungen der Visitation. – G. war ein an der heiligen Schrift sich orientierender und auf praktische|Frömmigkeit dringender Theologe, abhold jeder Streittheologie – die „reine Lehre“ soll zur Reform des Lebens, der „Kirchenbrauch“ zur religiösen Belehrung und sittlichen Erziehung dienen –, darin geistlicher Vater des in Gotha heranwachsenden August Hermann Francke.

  • Werke

    Weitere W u. a. Meditationes sacrae…, Jena 1636;
    Prophet. Spruch-Postill…, 4 T., Nürnberg 1642/47/54;
    Enchiridion sacrae scripturae practicum od. Bibl. Handbüchlein, Gotha 1651;
    Christl. Anfechtungsschule…, ebd. 1652, 31669;
    Adnotationes in compendium Hutteri in usum gymnasii et aliarum scholarum principis Gothani…, ebd. 1656, 31670;
    …Bedenken üb. d. unter etlichen…Chursächs. u. helmstaedt. Theologen entstandenen Streitigkeiten…(anonym), o. O. 1662, 21731 v. A. L. Müller mit Vita u. Werken „autoris Glassii“;
    Betbüchlein nach Ordnung d. catechismi Lutheri, Gotha 1664;
    Christl. Haus-Postill…, Jena 1668;
    Glassii opuscula, Leiden 1700 (P).

  • Literatur

    ADB IX;
    A. Beck, Ernst d. Fromme, 2 Bde., 1865;
    F. Waas, Die Generalvisitation 1641–45, in: Zs. d. Ver. f. thür. Gesch. u. Altertumskde. NF 19-22, 1909-15;
    W. Dilthey, Ges. Werke II, 1923, S. 120-29;
    R. Herrmann, Thüring. KG II, 1947;
    PRE;
    RGG.

  • Portraits

    in: P. Freherus, Theatrum virorum eruditorum et clarorum, Nürnberg 1688, S. 584;
    Kupf. v. C. G. Liebe, J. C. Böcklin, P. Troschel u. a. (Dresden, Kupf.kab., u. Veste Coburg).

  • Autor/in

    Reinhold Jauernig
  • Empfohlene Zitierweise

    Jauernig, Reinhold, "Glassius, Salomo" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 434-435 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116654406.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Glaß: Salomon G., evangelischer Theologe, geboren am 20. Mai 1593 zu Sondershausen, am 27. Juli 1656. Sein Vater Balthasar war gräflich schwarzburgischer Registrator zu Sondershausen, später Rentmeister und Kanzleisecretär im Amte Gehren. G. kam 1608 auf die Schule zu Arnstadt, 1610 auf das Gymnasium zu Gotha. Als er 1612 die Universität Jena bezogen hatte, trieb er zunächst die philosophischen Vorstudien, und gedachte sich hernach, unter dem Einflusse Johann Gryphiander's, der Jurisprudenz zu widmen. Er änderte jedoch in der Folge seinen Entschluß, ging 1615 nach Wittenberg und studirte hier unter Hutter, Balduin, Frantz und Meisner Theologie, kehrte aber 1616 wieder nach Jena, wo er sich besonders dem berühmten Verfasser der „Loci communes theologici“ Johann Gerhard anschloß, zurück. Daselbst wurde er 1617 Magister der Philosophie, 1629 Adjunct der theologischen Facultät und 1621 an Balthasar Walther's Stelle Professor der griechischen und hebräischen Sprache. In dieser Stellung blieb er nicht lange, sondern folgte 1625 einer Berufung nach Sondershausen als Superintendent. 1626 erlangte er die theologische Doctorwürde von der Universität Jena, 1638 aber daselbst die durch Gerhard's Tod erledigte Professur der Theologie, für welche ihn dieser noch bei seinen Lebzeiten warm empfohlen hatte. Endlich gab er auch diese Stellung au, als ihn 1640 Herzog Ernst der Fromme als Generalsuperintendenten nach Gotha berief, und blieb, indem er die Bestrebungen des Herzogs in der Verbesserung der kirchlichen und Schulverhältnisse nach Kräften unterstützte, bis zu seinem Tode in diesem Amte. G. hat sich als praktischer Theologe und Bibelforscher namhafte Verdienste erworben. Er war ein Mann von milder, versöhnlicher Gesinnung, der Johann Arndt'schen Richtung ergeben, und suchte seinen Hauptberuf mehr in der Erweckung wahrer Gottesfurcht und christlichen Geistes, als in dogmatischen Controversen, an welchen seine Zeit reich war. An diesen betheiligte er sich darum wenig, suchte sie wo möglich auszugleichen, und trat nur gegen solche, welche er als offenbare Irrlehrer und Fanatiker erkannte, wie die Weigelianer und Stifelianer, gelegentlich mit einem entschiedenen Worte auf. Besonders regten in jener Zeit die Calixtinischen Streitigkeiten die Gemüther auf. Der Helmstädter Theologe Georg Calixt hatte einige Schriften herausgegeben, welche ihm den Vorwurf des Kryptopapismus und Synkretismus zuzogen. Ihm schlossen sich außer seinen Helmstädter Collegen auch die Königsberger Theologen an, während als Gegner die kursächsischen Theologen, unter ihnen namentlich Calov und Hülsemann, auftraten. G. verhielt sich in diesem Streite neutral und vermittelnd. Ohne auf die Seite der Helmstädter zu treten, mißbilligte er doch in hohem Grade das feindselige und absprechende Verfahren der Gegner. Auf den besonderen Wunsch Herzog Ernsts des Frommen verfaßte er über diese Frage ein Gutachten, welches, wiewol es den Streit nicht zu einem befriedigenden Abschlusse brachte, seiner milden, versöhnlichen Gesinnung und seiner dogmatischen Ausführungen wegen als das Muster einer billigen Kritik gelten konnte. Es führt den Titel: „Bescheidenes, unvorgreiffliches und gründliches Bedencken über die unter etlichen Chursächsischen und Helmstädtischen Theologen entstandenen Strittigkeiten“. Es wurde erst nach seinem Tode 1662 herausgegeben (von neuem abgedruckt und herausgegeben von Ad. Lebr. Müller, 1731), erregte großes Aussehen, und, da es anonym erschien, auch noch einen lebhaften Streit über seine Autorschaft; denn bei dem großen Ansehen, welches G. in allen Kreisen genoß, war es namentlich der extremen orthodoxen Partei unbequem, ihn nicht zu den Ihrigen zählen zu können. G. hatte nämlich, ohne Calixt's Sätze überall zu billigen, ihn doch als einen wohlmeinenden Theologen entschieden gegen die maßlosen Angriffe seiner Gegner in Schutz genommen, und die Uebereinstimmung mancher seiner Behauptungen mit den evangelischen Grundlehren nachgewiesen. (Vgl. über diese Streitigkeiten und Glaß' Betheiligung an denselben: Walch, Einleitung in die Religionsstreitigkeiten der evangelischlutherischen Kirche, 2. Aufl. I. 371 ff. IV. 889 ff.) Von seinen sonstigen Schriften sind in erster Linie die biblisch-philologischen zu nennen. Wenige Werke auf diesem Gebiete haben eine so weitgreifende Bedeutung gehabt, wie seine „Philologia sacra“ (zuerst libri 2 1623, dann liber 3 et 4 1634, liber 5 1636), mit welcher er sich seinen grundlegenden Vorgängern Reuchlin, Seb. Münster, Buxtorf würdig anreihte, und wesentlich zur Weiterbildung der hebräischen Sprachwissenschaft beitrug. Eine reichhaltige Encyklopädie der biblischen Philologie des alten und neuen Testaments darstellend, hat sie ihren Werth namentlich in der von den früheren Lehrbüchern sehr vernachlässigten syntaktischen Behandlung der hebräischen Sprache, sowie in der Darlegung des Einflusses derselben auf das neutestamentliche Idiom. Das Werk ist oft wieder aufgelegt, u. a. auch 1705 zusammen mit Glaß' „Logica sacra“ von Gf. Olearius, 1713 von J. Fr. Buddeus und zuletzt 1776—96 theilweise umgearbeitet ("his temporibus accommodata") von J. A. Dathe und G. L. Bauer. Von seinen sonstigen auf die biblische Auslegung bezüglichen Schriften erwähnen wir: „Onomatologia Messiae prophetica", 1624. „Christologia Davidica ex Psalmo 110“, 1638. „Christologia Mosaica ex prioribus Geneseos capitibus“, 1649, welche drei Werke 1678 unter dem Titel „Glassii opuscula“ zusammengefaßt, 1700 auch von Th. Crenius herausgegeben wurden. Ferner: „Institutiones grammaticae Hebraeae“, 1623. Außerdem noch viele Schriften zur Exegese einzelner Stellen des alten und neuen Testaments, sowie homiletischen und ascetischen Charakters, von denen hervorzuheben sind: „Prophetischer Spruchpostill 1.—4. Theil“, 1642—54. „Exegesis evangelicorum et epistolicorum textuum“, 1647. „Enchiridion scripturae sacrae practicum oder Biblisches Handbüchlein“, 1651. Auch war er bei der Herausgabe des Weimarischen Bibelwerkes als Director betheiligt, und hat in demselben besonders die poetischen Bücher ausgearbeitet.

    • Literatur

      Vgl. Freherus, Theatr. erudit. claror., p. 590. Zeumer, Vitae profess. Jenens., p. 141. Witten, Memoriae theologor. dec. IX. Vockerodt, B. Gualtherus, S. Glassius, Jo. Chr. Gotterus, 1725. Ad. Lebr. Müller in dem Vorworte zur zweiten Auflage von Glaß' oben erwähntem „Bedencken“.

  • Autor/in

    Redslob.
  • Empfohlene Zitierweise

    Redslob, Gustav Moritz, "Glassius, Salomo" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 218-219 unter Glaß [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116654406.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA