Lebensdaten
1828 bis 1889
Geburtsort
Lauchstädt bei Merseburg
Sterbeort
auf dem Semmering
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Theaterdirektor ; Schulmann
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116636157 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Förster, Johann August
  • Förster, August
  • Förster, Johann August

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Zitierweise

Förster, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116636157.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1787–1875), sächs. u. preuß. Genie-Offz., dann Kreisger.-Sekr. in Halle, S d. Ger.-dir. Joh. Frdr. in Kölleda u. d. Landrichters-T Maria Kath. Döring;
    M Charl. Friederike (1797–1851), T d. Pastors Reidemeister;
    Vt Richard (s. Gen. 3), Bernhard (s. Gen. 5);
    Halle 1851 Florentine Jarklowska (1826-1905, kath.), Schauspielerin, Wwe d. Schauspielers Jul. Jolly ( 1848), Adoptiv-T d. Theaterdir. H. Bredow;
    2 S, 3 T, u. a. Hans (1852-92, Emmy Mautner, * 1863, Schauspielerin), Schauspieler, Heinrich (1859–97), Schauspieler u. Regisseur.

  • Leben

    F. studierte Philologie in Halle und promovierte 1851 in Jena. Im gleichen Jahre debütierte er als Seckendorf in Gutzkows „Zopf und Schwert“' bei der Bredowschen Gesellschaft in Naumburg. 1853 verpflichtete ihn Franz Wallner für Posen und Bromberg; dieser nannte F. einen der besten Konversationsliebhaber. Nach Stettin, Danzig und Breslau gewann Heinrich Laube ihn 1858 dem Burgtheater, dem er bis 1875 als Schauspieler, seit 1870 als Regisseur und seit 1888 als Direktor bis zu seinem Tode angehörte. 1875-82 war er erfolgreich Direktor des Leipziger Stadttheaters, dem er Begabungen wie Josef Kainz, Josefine Wessely und Marie Geistinger gewann. Im Herbst 1883 trat er als Regisseur und stellvertretender Direktor an die Spitze des von S. Friedmann, L. Barnay und F. Haase gegründeten Deutschen Theaters in Berlin. Am Burgtheater trat F. das Erbe Anschütz' an und errang sich in dessen Rolle in „Kabale und Liebe“ (Musikus Miller) bei den Meisterspielen in München 1880 großen Beifall. Literarisch hoch gebildet, geleitet von einem richtigen Spürsinn für neue Talente, ist F. durchaus als Schüler Laubes zu bezeichnen. Seine geschickten Übersetzungen und Bühnenbearbeitungen französischer Gesellschaftsstücke behaupteten sich lange Zeit im Spielplan der deutschen Bühne.

  • Werke

    W u. a. Der Einfluß d. Lessingschen Dramaturgie auf d. Einführung Shakespeares in Dtld., Diss. Jena 1851.

  • Literatur

    ADB 48;
    R. Wallaschek, Die Theater Wiens IV, 1839, M. Martersteig, Das dt. Theater im 19. Jh., 1904, S. 687 ff. u. ö.;
    H. Laube, Das Burgtheater, 1909;
    A. v. Sonnenthal, Briefwechsel, 1912;
    F. Schulze, 100 J. Leipziger Stadttheater, 1917;
    L. Raeck, Das dt. Theater zu Berlin, 1918;
    E. Castle, Aus H. Thimigs Tagebüchern, in: Jb. d. Ges. f. Wiener Theatergesch., 1946/47, 1949;
    175 J. Burgtheater, hrsg. v. d. Österr. Bundesverwaltung, 1954;
    Eisenberg;
    Kosch, Theater-Lex. (auch f. S Hans u. Heinrich);
    ÖBL.

  • Portraits

    Lith. v. J. Kriehuber, 1863;
    Stahlstich v. A. Weger, 1869 (beides Wien, Nat.bibl.).

  • Autor/in

    Gertrud Doublier
  • Empfohlene Zitierweise

    Doublier, Gertrud, "Förster, August" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 271 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116636157.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Förster: August F., Schauspieler und Theaterdirector, wurde am 3. Juli 1828 zu Lauchstädt bei Merseburg als Sohn eines Gerichtsactuarius geboren. Er besuchte seit dem Frühjahr 1838 das Domgymnasium in Merseburg und kam schon im Herbste desselben Jahres auf die Klosterschule zu Donndorf in der goldenen|Aue. Zu Ostern 1841 wurde er Alumnus in Schulpforta. Unter den Lehrern, die in Schulpforta den größten Einfluß auf seine Bildung gewannen, nennt er selbst den bekannten Litterarhistoriker August Koberstein, dessen Famulus er wurde, Karl Steinhart und den Adjunctus Dr. Dietrich. Als er zu Ostern 1847 Schulpforta verließ, wollte er in Halle Theologie studiren, gab aber diesen Plan bald wieder auf und widmete sich unter den Professoren Bernhardy, Blanc, Leo, Prutz, Erdmann und Weinhold hauptsächlich philosophischen und historischen Studien. In Halle verkehrte er häufig mit dem dortigen Theaterdirector E. Bredow und seiner Familie. Dieser Umgang bestärkte ihn in dem Entschlusse, Schauspieler zu werden. Er machte in Naumburg a. d. S., wo die Bredow'sche Gesellschaft damals gerade Vorstellungen gab, seinen ersten theatralischen Versuch, indem er als Graf Seckendorf in Gutzkow's „Zopf und Schwert“ am 25. Mai 1851 auftrat. Während des Sommers 1851 promovirte er in Halle auf Grund einer Abhandlung über den Einfluß der Lessing'schen Dramaturgie auf die Einführung Shakespeare's in Deutschland. Dann trat er der Bredow'schen Gesellschaft, die damals in Halle spielte, bei, und debütirte am 2. September 1851 in der Rolle des Professors Otto Lambert in Benedix' „Hochzeitsreise“. Als Mitglied der Bredow'schen Gesellschaft spielte er an verschiedenen Plätzen der Provinz Sachsen. Er fand hierauf ein Engagement beim Director Franz Wallner in Posen, unter dessen Leitung er vom 4. September 1853 bis zum 1. April 1855 thätig war. Er hatte sich schon damals einen so guten Namen gemacht, daß ihn Heinrich Laube im Mai 1855 zu einem Gastspiel nach Wien einlud. Aber obwol Förster's Erfolge höchst ehrenvoll waren, konnte sich Laube nicht entschließen, ihn zu engagiren, weil sich seine Gestalt schon damals wegen ihrer Fülle für jugendliche Heldenrollen wenig eignete. Nach einem vorübergehenden Engagement in Stettin und in anderen pommerschen Städten spielte er unter der Direction von L'Arronge in Danzig und verschiedenen westpreußischen Städten. Von dem Stadttheater in Breslau aus, wo F. am 12. Mai 1857 als Konrad Bolz debütirt hatte, berief ihn Laube als Ersatzmann für die verstorbenen Künstler Jacob Loßberger und Karl Lucas an das Wiener Hofburgtheater, dessen Verband er vom 1. Januar 1858 bis zum 1. Juni 1876 angehörte. Im Anfang spielte er nur komische Rollen des älteren Faches und Aushülfsrollen im ernsten Schauspiel und in der Tragödie. Später aber, nach dem Austritt von Anschütz übernahm er dessen Rollen und zeichnete sich als Nathan und Musiker Miller in „Kabale und Liebe“ aus. Schon im J. 1866 wurde er Unterregisseur und stieg im J. 1870 zum wirklichen Regisseur auf. Laube rühmt ihm nach, daß er „durch große Arbeitskraft, durch alle Hülfsmittel höherer Bildung und durch treue Hingebung an seinen Beruf wie an die Interessen des Instituts dem Burgtheater eine werthvolle Stütze geworden sei. In dem weiten geistigen Bereiche der Direction habe er ihm unschätzbare Dienste geleistet, und in der Sorge und Arbeit für alles Wahrhaftige und Feinere unsrer Schauspielkunst sei er ihm ein Jahrzehnt hindurch treulich zur Seile gestanden, seinen eigenen Vortheil, wie oft! verleugnend, dem Verdienste Anderer immer das Wort redend, ein gründlich ausgerüsteter Regisseur heutiger Zeit“. Zum letzten Male trat F. in Wien am 25. Mai 1876 als Hans Lange in Paul Heyse's gleichnamigem Schauspiel auf und feierte an diesem Tage gleichzeitig sein 25jähriges Schauspielerjubiläum.

    F. wandte sich nun nach Leipzig, wo er am 1. Juli 1876 die Direction des Leipziger Stadttheaters übernahm, um sie bis zum 30. Juni 1882 weiterzuführen. Diese sechs Jahre brachten ihm mancherlei Unannehmlichkeiten und Kämpfe, da er und sein Operndirector Angelo Neumann einen Theil der|außerordentlich beliebten Opernmitglieder der vorangegangenen Haase'schen Truppe nicht wieder engagirt hatten. Es kam zu einer Reihe peinlicher Conflicte mit den Leipziger Theaterhabitués, und schließlich brach sich die Unzufriedenheit in einer am 17. Januar 1877 an den Rath zu Leipzig gerichteten Petition Bahn, in der dieser ersucht wurde, die Uebelstände der Förster'schen Theaterleitung abzustellen. Als der Rath die Petenten abfällig beschied, wuchs die Erbitterung von Tag zu Tag und erzeugte eine der gesunden Entwicklung der Leipziger Bühne keineswegs günstige Temperatur. Der „Verein der Theaterfreunde“ hatte es hauptsächlich auf den Sturz Angelo Neumann's abgesehen, obwol dieser durch die Aufführung des Nibelungenringes von Wagner, welche nach der Münchener die erste in Deutschland war, zu Anfang des Jahres 1879 seine Leistungsfähigkeit bewiesen hatte. Auch ergaben sich Streitigkeiten mit den Orchestermitgliedern, bei denen der „Verein der Theaterfreunde“ auf die Seite der letzteren trat. Endlich kam es am 24. Februar zu einem direct gegen die Person Förster's sich kehrenden Tumult. Als F. an diesem Tage als Nathan die Scene betrat, wurde er aus allen Theilen des Theaters mit lautem Pfeifen, Zischen und Schreien begrüßt, das über zwanzig Minuten anhielt. F. hielt jedoch diesem Angriff Stand; die Vorstellung konnte zu Ende geführt werden. Seitdem sing das F. feindlich gesinnte Publicum seine Leistungen weniger leidenschaftlich zu beurtheilen an. Es gelang F., in Frau Reicher-Kindermann und Frau Sachse-Hofmeister zwei hervorragende Sängerinnen zu gewinnen und auf diese Weise sein Opernensemble wieder auf ein einigermaßen genügendes Niveau zu bringen. Doch war der eintretende Aufschwung wol mehr das Werk Neumann's, als dasjenige Förster's, der sich am 29. Juni 1882 als Miller in „Kabale und Liebe“ vom Leipziger Publicum verabschiedete, um im Verein mit Friedmann, Barnay und Haase das Deutsche Theater in Berlin zu begründen, das am 29. September 1883 eröffnet wurde. F. wirkte an ihm hauptsächlich als Regisseur und als dramaturgischer Berather, wobei er sich nach beiden Richtungen hin große Verdienste um die Entwicklung der jungen Bühne erwarb. Als es sich nach dem Abgang Wilbrandt's darum handelte, einen Nachfolger für die Direction des Wiener Hofburgtheaters zu gewinnen, fiel die Wahl auf F., der am 25. October 1888 seine Ernennung erhielt. F. war bemüht, an die Ueberlieferungen seines Lehrers Laube wieder anzuknüpfen, indem er das französische Schauspiel und den leichten deutschen Schwank bevorzugte. Doch kam er nicht dazu, das Repertoire seinen Neigungen gemäß zu gestalten. Einmal hatte er zunächst genug mit der Regie zu thun, und dann machte sein plötzlich eintretender Tod, der ihn bei einem Ausflug auf den Semmering am 22. December 1889 aus dem Leben abrief, allen auf ihn gesetzten Hoffnungen ein vorzeitiges Ende. — F. zählte mit Recht zu den hervorragendsten Vertretern seines Berufes. Seine Hauptrollen waren außer den schon genannten der Richter von Zalamea, Odoardo, Dr. Klaus, Erbförster und Meister Anton in „Maria Magdalena“. Er übersetzte zahlreiche französische Stücke und machte eine Reihe älterer Dramen durch seine Neueinrichtung wieder bühnenfähig. Als Beispiel seiner schriftstellerischen Begabung kann die in dem Werke von Josef Lewinsky: Vor den Coulissen (Bd. 2, Berlin 1882, S. 172—181) abgedruckte Plauderei: „Ein Preislustspiel“ angeführt werden.

    • Literatur

      Illustr. Zeitung. Leipzig 1868. 51. Bd., S. 231; 1876. 67. Bd., S. 13. — Die Gartenlaube. Leipzig 1890, S. 28. — H. Laube, Das Burgtheater. Leipzig 1868, S. 356. —
      E. Wlassack, Chronik des k. k. Burgtheaters. Wien 1876, S. 259, 281. —
      Georg Herm. Müller, Das Stadt-Theater zu Leipzig. Leipzig 1887, S. 155—220. —
      Deutscher Bühnen-|Almanach. 55. Jahrg. Hrsg. von Th. Entsch. Berlin 1891, S. 307, 310. —
      Neuer Theater-Almanach. Hrsg. von d. Genossensch. Deutscher Bühnen-Angehöriger. 2. Jahrg. Berlin 1891, S. 97—99. —
      Spemanns goldenes Buch des Theaters. Berlin u. Stuttgart 1902, Nr. 252 und 259. — R. Lothar u. Julius Stern, 50 Jahre Hoftheater. Geschichte der beiden Wiener Hoftheater. Neue Ausgabe. Wien o. J. Register II, S. V. —
      L. Eisenberg, Großes Biogr. Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903, S. 268, 269. — R. Lothar, Das Wiener Burgtheater. Leipzig, Berlin und Wien 1899. (Register.)

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Förster, August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 652-655 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116636157.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA