Lebensdaten
1854 bis 1937
Geburtsort
Fellheim bei Memmingen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Antiquar ; Buchhändler
Konfession
-
Normdaten
GND: 116625910 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosenthal, Jacque
  • Rosenthal, Jakob
  • Rosenthal, Jacque

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Zitierweise

Rosenthal, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116625910.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Ludwig (s. 1);
    1886 Emma Guggenheimer (1857–1941), aus München;
    S Erwin (1889–1981), Dr. phil., Kunsthist. u. Antiquar (s. Gen. 3);
    E Gabriella (1913–75, s. L, 1935 Fritz Rosenthal [Schalom Ben-Chorin], 1913-99, Rel.philos., s. Munzinger; Kürschner, Lit.-Kal. 1998, S. 68; BBKL 21), Albi (s. 3), Nicoletta (1915–88), Felix (* 1917), Architekt in San Francisco, Bernard M. (* 1920, s. L), alle Buchhändler u. Antiquare.

  • Leben

    R., der von den Brüdern die beste Ausbildung erhalten hatte, wurde 1878 nach Paris geschickt, wo er Repräsentant der Firma in Frankreich wurde. Er lernte den franz. Markt kennen und traf Sammler, Kollegen und v. a. Bibliothekare, so Leopold Delisle, den Direktor der Nationalbibliothek, der ihn zu seinen Seminaren über mittelalterliche Handschriften einlud. R. kaufte für die Münchener Firma einige der frühesten franz. Inkunabeln sowie Literatur zu Ludwig XIV, insbes. Architekturbücher. Fast alles erwarb anschließend Kg. Ludwig II. von Bayern, um seine Kenntnisse für den Bau der Schlösser zu erweitern.

    1895 trennten sich die drei Brüder; jeder bekam ein Drittel des Lagerbestandes; alle drei Firmen blieben in München (R. in der Karlstraße 10). Noch immer verfügten viele der wiederbelebten bayer. und der österr. Klöster über immense Buch- und Handschriftenbestände, nicht jedoch über genügend Mittel, die sie für die Instandhaltung ihrer Bauten benötigten. So konnten die Rosenthals aus den Klosterbeständen günstig Bücher und Handschriften erwerben. Der finanzielle Erfolg ermöglichte R. 1911 den Bau eines Palais in München (Briennerstraße 47) für die Familie und die Firma sowie die Einstellung besonders fähiger Mitarbeiter (Fritz Finkenstaedt, Adolf Seebass, Helmuth Domizlaff, Ernst Schulz, Arthur Spaeth, Waldemar Lessing, Hans Koch) und die Herausgabe einer eigenen Haus-Zeitschrift, der „Beiträge zur Forschung“.

    Um 1890 lernte R. den aus dem ostpreuß. Johannisburg stammenden und nun in Florenz|lebenden Buchhändler Leo S. Olschki (1861–1940) kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband, die durch die Eheschließung der Kinder noch vertieft wurde. R.s Sohn Erwin eröffnete 1920 in Lugano (Schweiz) die Firma „L'Art Ancien“, die nach 1933 viele Bücher aus den Rosenthalschen Firmen übernehmen konnte.

    R.s Enkel Albi emigrierte 1936 nach England und begründete zunächst in London, 1941 in Oxford eine eigene Firma, Felix leitete seit 1972 die Firma „L'Art Ancien SA“ in Zürich, Bernard gründete 1953 ein bedeutendes Antiquariat in New York, das 1970 nach San Francisco/Berkeley übersiedelte, wo es heute noch existiert.

    Seit der „Arisierung“ der Firma 1935 war Hans Koch (1897–1978), ein langjähriger Mitarbeiter und Vertrauter R.s, offizieller Inhaber des „Antiquariats Jacques Rosenthal“, unterstützt von seinem Prokuristen Bernhard Wendt (* 1902), der nach dem Krieg die Historische Kommission des Börsenblattes für den dt. Buchhandel in Frankfurt/M. leitete und die Beilagen „Aus dem Antiquariat“ und das „Archiv für die Geschichte des Buchwesens“ herausgab. Kurz vor seinem Tod 1978 verkaufte Koch die Restbestände der Firma Jacques Rosenthal, v. a. die wertvolle Handbibliothek, an den Augsburger Kunsthändler Klaus Simon, der alles versteigern ließ.

  • Quellen

    Qu Bibliographia Catalogorum, quos ediderunt Monachii Bavariae Bibliopolae Jacques Rosenthal et Hans Koch ab anno MDCCCVC usque ad MCMXL p. Chr. n., Amico igni spectato Hans Koch ad diem natalem L. composuerunt Horst Kliemann et Bernhard Wendt, 1947 (Privatdr., Zus.stellung d. mehr als 125 Kat., 1895-1947); – Stadtarchiv München.

  • Literatur

    Gabriella Rosenthal, in: Jüd. Pressezentrale Zürich, Nr. 968, v. 26.11.1937;
    G. Scheppler, Hans Koch u. Bernhard Wendt zu Ehren, Rückschau auf 1948, in: Aus d. Antiquariat, Beil. z. Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausg. Nr. 24, v. 25.3.1977, S. A 118-A 122;
    K. H. Pressler, Ein Gespräch mit d. Antiquar Hans Koch, ebd., S. A 122-A 127;
    Bernard M. Rosenthal, Cartel, Clan, or Dynasty? The Olschkis and the Rosenthals, 1859-1976, in: Harvard Library Bull. XXXV, Nr. 4 (Oct. 1977), S. 381-98;
    F. de Marez Oyens, Hist. of the incunabula trade, Including an analysis of J. R. „Incunabula typographica“, Unpublished lecture delivered at the Library of Congress symposium on incunabula, Washington DC, 1-2 April 1987;
    Albi Rosenthal, in: The Book Collector 44, 1995, S. 574 f.;
    Bernard M. Rosenthal, The hist. of incunabula collections in the US, in: Aus d. Antiquariat, Mai 2000;
    München, Hauptstadt d. Bewegung, Ausst.kat. München 1993, S. 406-09 (auch zu Ludwig);
    E. Angermair, J. Koch, A. Löffelmeier, E. Ohlen u. I. Schwab, Die Rosenthals, Der Aufstieg e. jüd. Antiquarsfam.Antiquarsfamilie zu Weltruhm, 2002 (Qu. L, P);
    Mitt. v. Bernard M. Rosenthal (Berkeley, Calif., USA) u. Edith Petten-Rosenthal (Leidschendam).

  • Portraits

    Gem. v. F. v. Lenbach, 1904 (Privatbes., Berkeley, USA).

  • Autor/in

    Sigrid Krämer
  • Empfohlene Zitierweise

    Krämer, Sigrid, "Rosenthal, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 77-78 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116625910.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA