Lebensdaten
1773 bis 1859
Geburtsort
Brünninghausen bei Dortmund
Sterbeort
Brünninghausen bei Dortmund
Beruf/Funktion
Bergwerksunternehmer
Konfession
reformiert,katholisch
Normdaten
GND: 116605715 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Romberg, Giesbert Christian Friedrich von
  • Romberg, Gisbert von
  • Romberg, Giesbert Christian Friedrich von
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Zitierweise

Romberg, Gisbert von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116605715.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. Anfang d. 14. Jh. in d. Gfsch. Mark nachweisbarer Adelsfam.;
    V Caspar Adolf (1721–95), auf B., preuß. Landständedir., S d. Stephan (1691–1755), auf B., Bladenhorst etc., Drost zu Hörde u. Lünen, Dir. d. Märk. Rr.schaft, u. d. Mechtild Maria Christine v. Botlenberg gen. Kessel a. d. H. Kasparbruch (1700–71);
    M Luise Friederike Elisabeth (Eleonore) v. Diepenbrock ( 1773), Erbin v. Buldern;
    Ov Johann Moritz Friedrich Wilhelm (1724–92), preuß. Gen.lt., Kdt. v. Wesel. (s. Priesdorff II, S. 198 f., Nr. 713), Friedrich Gisbert Wilhelm (1729–1809), auf Brunne, Rohrbeck (Osthavelland) u. Silmersdorf (Ostprignitz), preuß. Gen.lt. 1799 Gouverneur v. Stettin (s. Priesdorff II, S. 249 f., Nr. 743); 4 ältere Geschw;
    1796 Caroline Freiin v. Boeselager a. d. H. Heeßen ( 1857);
    9 K, u. a. Clemens (1803–69), auf B., Buldern usw., Pauline (* 1805, Franz Gf. v. Fürstenberg-Stammheim, 1797–1859, kons. Pol., Mitgl. d. preuß. Herrenhauses, s. ADB VIII; NDB V*);
    E Gisbert (1839–97, Frhr. 1875), auf B., Buldern, Ermelinghoven, Rüdinghausen etc., gen. „der tolle Romberg“.

  • Leben

    R. besuchte fünf Jahre die Klosterschule in Berge bei Magdeburg, bevor er sich seit 1790 dem Jurastudium in Halle widmete. Nach drei Semestern nach Brünninghausen zurückgekehrt, erhielt er 1793 die Kammerherrenwürde. Mit dem Tod des Vaters 1795 übernahm er die Verantwortung für die ererbten Besitzungen in Brünninghausen, Bladenhorst bei Castrop und Buldern bei Dülmen; 1798 erwarb er den repräsentativen Romberger Hof in Münster. Die reichen Kohlevorkommen auf seinem Besitz nutzend, wurde R. zu einem der Pioniere des frühen Bergbaus an der Ruhr. Er besaß die Zechen „Glückauf Tiefbau“ und „Glückauf Segen“. Zur ersteren, die 1871 von der Strousberg'schen Verwaltung in Berlin übernommen wurde, gehörten die Steinkohlenzeche „Glückauf Erbstollen“ sowie die Steinkohlen- und Eisensteinzeche „Glückauf, beide Brünninghausen, mit dem Beilehen „Humboldt“ und der Steinkohlenzeche „Pauline“ in Kirchhörde bei Dortmund. 1799 bis zum Verkauf 1856 war R. Hauptgewerke der Zeche „Vollmond“ bei Langendreer (Bochum). Dort ließ er von Franz Dinnendahl (1775–1826) die erste Dampfmaschine im Ruhrbergbau aufstellen. Sie wurde 1803 zur Wasserhaltung in Betrieb genommen und ermöglichte es, die Kohle in größerer Tiefe abzubauen. Auch während und nach seiner Tätigkeit in öffentlichen Ämtern widmete sich R. der Ausdehnung seines Bergwerksbesitzes, u. a. der Grube „Friederike“ bei Bochum und der Zeche „Gewalt“ bei Essen, wo die erste Fahrkunst des Reviers in Betrieb ging. Auf „Glückauf Tiefbau“ wurde mit 240 m Teufe der seinerzeit tiefste Förderschacht im märk. Kohlenbezirk abgeteuft. 1855 arbeiteten auf den R.schen Bergwerken 850 Personen.

    Seit 1803 vertrat R. die Interessen seines Standes in der märk. Ritterschaft. 1809 wurde er im neu geschaffenen Kgr. Westphalen zum Präfekten des Ruhrdepartements mit Sitz in Dortmund ernannt, mit Zuständigkeit für die allgemeine Verwaltung, die Finanzen und das Kriegswesen. R. klagte 1811 erfolgreich öffentlich vor Napoleon über zu großen Steuerdruck. Finanzielle Engpässe setzten seinen Bestrebungen zur Förderung des Schulwesens Grenzen. 1843 gründete er mit Friedrich Harkort (1793–1880) den Verein für die dt. Volksschule. In der Frage der Leibeigenschaft und der Abschaffung der Feudalrechte privat betroffen, verhielt er sich eher restriktiv. Als 1813 Unruhen im Bergischen ausbrachen, gelang es R., das Ruhrdepartement ruhig zu halten. Auch nach der Übernahme durch Preußen blieb R. bis 1816 Landesdirektor.

    R., befreundet mit dem Reichsfreiherrn Karl vom Stein, Ludwig Frhr. v. Vincke und zahlreichen westfäl. Adeligen, setzte sich vergeblich für das Wiederaufleben der ständischen Verfassung ein. 1822 gehörte er zu den nach Berlin berufenen westfäl. Adeligen, die über die Zusammensetzung der provinzialständischen Versammlungen berieten. Das ihm von Stein angetragene Amt des Regierungspräsidenten von Arnsberg lehnte er ab. 1826-32 gehörte er als Vertreter der alten Stände dem westfäl. Provinziallandtag an. Hier leitete er den Ausschuß für ständische Verfassung und zeitweise den für Handel und Gewerbe.

  • Literatur

    Bergbauind. v. 3.10.1953;
    Ruhrnachrr. v. 31.1.1963;
    H. Richtering, in: Westfäl. Lb. IX, 1962, S. 90-107 (Qu, L. P);
    L. Gf. v. Westphalen. Die Tagebücher d. Oberpräs. Ludwig Frhr. v. Vincke, 1813–1818, 1980, S. 729;
    O. Dascher (Hg.), Das Westfäl. Wirtsch.archiv u. seine Bestände, 1990, S. 43, S. 383;
    Biogrr. Bed. Biographien Dortmunder I, 1994;
    zur Fam.:
    F. v. Klocke, Der Ursprung d. Herren v. Rodenberg (R.), in: Westfäl. Adelsbl. 3, 1926, S. 244-61;
    O. Schnettler, Gut Brünninghausen b. Hörde u. d. Herren v. R., 1972;
    GHdA Freiherrl. Häuser A X, 1977, S. 309-15;
    GHdA Adelslex. XII, 2001, S. 9 f.

  • Portraits

    Ölgem. v. Gérard, 1806 (Fam.bes.).

  • Autor/in

    Barbara Gerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerstein, Barbara, "Romberg, Gisbert von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 20-21 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116605715.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA