Lebensdaten
1897 bis 1958
Geburtsort
Kaufbeuren
Sterbeort
Kriens bei Luzern
Beruf/Funktion
Publizist ; Agent
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116595817 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arbiter (Pseudonym)
  • Hermes, R. A.
  • gfff
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Zitierweise

Rößler, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116595817.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg, bayer. Forstbeamter;
    M Sophie Kleemann;
    Olga Hofmann (* 1905), kehrte nach R.s Tod nach Dtld. zurück u. lebte in Augsburg.

  • Leben

    R. war nach Absolvierung des Gymnasiums in Augsburg und dem Kriegsdienst 1916-18 als Journalist tätig, u. a. bei der „Augsburger Postzeitung“ und der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“, und gründete 1922 die „Augsburger Literarische Gesellschaft“. 1928 wurde er Leiter des „Dt. Bühnenvolksbundes“ in Berlin. Er gab die Zeitschriften „Form und Sinn“ und „Dt. Bühnenblätter“ heraus und war Mitherausgeber des „Nationaltheaters“. 1930 veröffentlichte er unter Beteiligung weiterer Theaterfachleute – wie Oskar Fischel, Walther v. Holländer und Theodor Däubler – das Sammelwerk „Thespis“. Im Mai 1934 emigrierte R. mit seiner Frau in die Schweiz; das NS-Regime entzog ihm 1937 die dt. Staatsbürgerschaft.

    Noch von Berlin aus hatte R. im Jan. 1934 zusammen mit dem Buchhändler Josef Stocker (1900–85) und der Geldgeberin Henriette Racine (1889–1956) den Vita-Nova-Verlag in Luzern gegründet. Er wirkte in der Folge als Geschäftsführer dieses wichtigen Exilverlags, der auf christlich-humanistischer Basis antinationalsozialistische Literatur sowie Werke bask. und russ. Emigranten veröffentlichte. R. publizierte selber unter dem Pseudonym „R. A. Hermes“ und begann einen Nachrichtendienst aufzubauen. Mit Otto Karrer (1888–1976) gehörte er zum Kreis um die Zeitschrift „Entscheidung“, die 1936-39 von seinem Freund Xaver Schnieper (1910–92) und andern jungen „Linkskatholiken“ herausgegeben wurde. Hier publizierte er Beiträge unter dem Pseudonym „Arbiter“.

    1939 von Schnieper für den Schweiz, militärischen Nachrichtendienst angeworben, lieferte R. bis 1944 für sein Gastland und die Alliierten wertvolle Informationen über Deutschland und die besetzten Gebiete. Unter dem Decknamen „Lucy“ war R. zuerst eine indirekte, seit Mitte 1942 eine direkte Quelle für den vom ungar. Emigranten und Kominternagenten Alexander Radó (1899–1981) koordinierten sowjet. Nachrichtendienst in der Schweiz. Am 19.5.1944 wurde R. verhaftet, nachdem Deutschland die Schweiz zur Unterbindung der nachrichtendienstlichen Aktivitäten gedrängt hatte. Im Okt. 1945 wurde er schuldig gesprochen, ging wegen seiner Verdienste für die Schweiz aber straflos aus. Nach dem Weltkrieg in beengten wirtschaftlichen Verhältnissen, war R. als freier Mitarbeiter für die „Freie Innerschweiz“ und 1950-52 auch für die „Luzerner Neuesten Nachrichten“ tätig. 1953 wurde er zusammen mit Schnieper wegen seiner seit 1947 betriebenen nachrichtendienstlichen Tätigkeit für die Tschechoslowakei erneut verhaftet und vom Bundesstrafgericht zu 21 Monaten Gefängnis, abzüglich der Untersuchungshaft, verurteilt. Die Verhaftung löste in der Schweiz des Kalten Kriegs zunächst eine weitgehende gesellschaftliche Ächtung der beiden Freunde aus, die erst allmählich einer differenzierteren Sichtweise wich. Die letzten Jahre verbrachte R. zurückgezogen in Kriens. In seinen ungezeichneten Beiträgen in der „Freien Innerschweiz“ kämpfte er weiterhin gegen eine Remilitarisierung Deutschlands und für internationale Solidarität.

  • Literatur

    A. Foote, Hdb. f. Spione, 1954;
    F. W. Flicke, Agenten funken nach Moskau, 1954;
    D. J. Dallin, Die Sowjetspionage, Prinzipien u. Praktiken, 1956;
    P. Accoce u. P. Quet, La guerre a été gagnée en Suisse, L'affaire Roessler, 1966;
    H. Halfmann, Bibliogrr. u. Verlage d. dt.sprachigen Exillit., 1933–1945. 1969;
    E. Bonjour, Gesch. d. schweizer. Neutralität, V, 1970, S. 97-103;
    M. Durzak (Hg.), Die dt. Exillit. 1933-1945, 1973;
    W. Rings, Die Schweiz im Krieg 1933-1945, 1974, S. 351-74;
    V. Conzemius, Im Dienst d. Humanismus, Zum 100. Geb.tag v. R. R., in: NZZ v. 22.11.1997;
    ders., Schweizer Katholizismus 1933-1945, 2001, S. 400-02, 424;
    BHdE I;
    Munzinger. |

  • Quellen

    Qu Archiv f. Zeitgesch. d. ETH Zürich (Nachlaß: Strafprozesse, Dok.); StA Luzern (PA 215: Ztg.art. in d. „Freien Innerschweiz“; PA Nachlaß Xaver Schnieper; A 1044/12269: Handelsregisterbelege Vita Nova Verlag).

  • Autor/in

    Max Huber
  • Empfohlene Zitierweise

    Huber, Max, "Rößler, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 751-752 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116595817.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA