Lebensdaten
1601 bis 1673
Geburtsort
Esbeck Kreis Alfeld
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Generalsuperintendent
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11659554X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gesenius, Justus
  • Fridlibius, Timotheus
  • Friedleben, Timotheus von
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Zitierweise

Gesenius, Justus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11659554X.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joachim (1564–1652), Pastor in E., zuletzt in Oldendorf, S d. Weißgerbermeisters Heinr. Gese in Gronau u. d. Margarethe Pollmann;
    M Anna, T d. Ratsherrn Jobst Vilters in Hameln;
    B Barward (1616–73), Sup. in Hann.-Münden;
    Braunschweig 21.9.1631 Margarethe Sus. ( 1692), T d. Joh. Kaufmann (1566–1616), aus Nürnberg, 1597 braunschweig. Koadjutor, 1604 Sup. in Sulbürg, 1611 in Schweinfurt, u. d. Elisabeth Schiele;
    2 S (1 jung †), 5 T (1 jung †), u. a. Joachim, Kanoniker d. Alexanderstifts in Einbeck, Elisabeth (⚭ Balthasar Cellarius, 1614–71, Prof. d. Theol. u. Gen.sup. in Helmstedt, Abt v. Marienthal, trat in d. v. den Helmstedter Theologen geführten Polemik gegen d. kath. Kirche hervor, s. ADB IV), Margarethe (⚭ Joh. Phil. Müller, 1630–76, braunschweig. Gen.kriegskommissar), Magdalena (⚭ Herm. Barkhaus, 1694, ev. Theol., s. NDB I);
    E Justus Cellarius (1649–89), Prof. d. Philos. in Helmstedt, Gen.sup. in Wolfenbüttel, Oberhofprediger; Nachkomme d. B Barward ist Wilhelm (s. 2).

  • Leben

    G. besuchte das Gymnasium (Andreanum) in Hildesheim und bezog 1618 die Universität Helmstedt. Er wurde Schüler des protestantischen Aristotelikers Konrad Hornejus und des großen Unionstheologen G. Calixt. In Jena, wo der lutherische Dogmatiker Johann Gerhard nicht ohne Wirkung auf ihn blieb, promovierte er 1628 zum Magister der Philosophie. Nach kurzer akademischer Lehrtätigkeit in Helmstedt wurde er 1629 Pastor an Sankt Magni in Braunschweig. Der durch die freundliche Aufnahme seiner „Catechismus-Schule“ (1631/35) Ausgezeichnete wurde 1636 als 2. Hofprediger und Konsistorialassessor (nach Hildesheim) und 1642 als 1. Hofprediger, Konsistorialrat und Generalissimus (in Hannover auf Grund der Verlegung der Regierung des Fürstentums Calenberg-Göttingen) berufen. Die Ordnung der durch den 30jährigen Krieg verwahrlosten Kirche half er durch Visitationen (1646 und 1652) wiederherstellen. 1639 wurde der Gebrauch seiner „Catechismusfragen“ verbindlich gemacht, wodurch das kirchliche Leben des Hannoverlandes im Sinne eines auf die Praxis bezogenen, dogmatisch milden Luthertums für lange Zeit beeinflußt wurde. 1643 promovierte G. in Helmstedt unter dem Vorsitz Calixts mit einer Dissertation „De Igne purgatorio…“ zum Dr. theol.. Mit dem juristischen Konsistorialrat David Denicke gab er 1646 ein zunächst für den Privatgebrauch bestimmtes Gesangbuch heraus, das in der Ausgabe von 1657 dann für den Gottesdienst bestimmt war. Bemerkenswert ist die Modernisierung alter Lieder nach den Regeln der Opitzschen Verskunst. Bedeutung für den Religionsunterricht gewannen auch seine „Biblischen Historien Alten und Neuen Testaments“ (Braunschweig 1656). Zahlreiche gedruckte Predigtsammlungen zeigen ihn als bedeutenden Homileten; seine „Zwölf Regentenpredigten“ (ebenda 1654) lassen das Verhalten eines verantwortlichen Theologen erkennen. Unter der Regierung des konvertierten Herzogs Johann Friedrich schrieb er sein umfangreiches Werk: Warum willst Du nicht katholisch werden? Gegenüber den Vorwürfen krypto-katholischer Neigungen bei den Calixtschülern legt G. darin ein eindeutiges Zeugnis für seinen evangelischen Glauben ab, wobei er den strukturellen Unterschied zwischen evangelischer und katholischer Theologie aufzuzeigen versucht.

  • Werke

    Weitere W Kleine Catechismus-Schule, das ist kurzer Unterricht, wie d. Catechismuslehre b. d. Jugend u. d. Einfältigen zu treiben, 1631 (anonym), 1635 (mit Vf.angabe), Hannover 1706 (P), spätere Überarbeitung: Kleine [in späteren Drucken hierfür „kurze“] Catechismusfragen üb. d. kleinen Catechismum D. M. Lutheri, Lüneburg 1639 u. ö.;
    Erörterung d. Frage: Warumb wilt du nicht Röm.-Cath. werden, wie Deine Vorfahren waren?, 4 T., Hannover 1669-74 (unter d. Ps. Timotheus Friedlieb).

  • Literatur

    L ADB IX;
    E. Bratke, J. G., sein Leben u. s. Einfluß auf d. Hannov. Landeskirche, 1883 (L);
    [Karl] Kayser, Die Generalvisitation d. D. G. im Fürstentum Göttingen 1646 u. 1652, in: Zs. d. Ges. f. Nd.sächs. KG 11, 1906, S. 147-207;
    R. Steinmetz, Die Gen.superintendenten v. Calenberg, ebd. 13, 1908, S. 93-107;
    PRE (L);
    RGG.

  • Portraits

    Gem. (Hannover, Neustädter Kirche).

  • Autor/in

    Hans-Walter Krumwiede
  • Empfohlene Zitierweise

    Krumwiede, Hans-Walter, "Gesenius, Justus" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 339 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11659554X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gesenius: Justus G., ein hochverdienter Kirchenmann, wurde am 6. Juli 1601 zu Esbeck im Kalenbergischen geboren. Von dem Gymnasium zu Hildesheim ging er auf die Universität Helmstädt über, wo er sich namentlich an Calixt anschloß und von wo aus er dann noch im J. 1626 zur Fortsetzung seiner theologischen und philosophischen Studien die Universität Jena bezog. Schon im J. 1629 zum Pastor an der Magnuskirche in Braunschweig gewählt, wirkte er auf dieser Stelle sieben Jahre lang mit großem Segen. Schon jetzt als hervorragender Theolog und Prediger anerkannt, wurde er im Herbst 1636 mit der Stelle eines zweiten Hofpredigers und Assessors im Consistorium zu Hildesheim betraut. Vier Jahre später zog er mit den übrigen Mitgliedern der Regierung nach Hannover über, wo er kurz nachher zum ersten Hofprediger, Consistorialrath und Generalsuperintendenten ernannt wurde. Am 8. März 1643 erwarb er sich dazu noch in Helmstädt (in einer rite vollzogenen Promotion) die Würde eines Doctors der Theologie. In dieser hohen und einflußreichen Stellung arbeitete nun G., trotz vielfacher Kämpfe, in die er hineingezogen ward, unverdrossen für das Gedeihen des Kirchen- und Schulwesens, bis er am 18. Septbr. 1673 starb. — Unter seinen Schriften nimmt eine besondere und bleibende Bedeutung in der Geschichte der Katechetik seine „Kleine Katechismusschule“ ein, die er zur Förderung des katechetischen Unterrichts 1631 anonym erscheinen ließ. Das Schriftchen fand jedoch so allgemeinen Beifall, daß er es neu bearbeitet 1635 nochmals und zwar jetzt unter seinem Namen erscheinen ließ; worauf er dann noch im Auftrage der braunschweig-lüneburgischen Regierung aus demselben unter dem Titel „Neue Kinderlehre oder Katechismusfragen über den kleinen Katechismus Lutheri“, einen Auszug veranstaltete. In dieser Gestalt kam der Katechismus des G. fast in allen lutherischen Kirchen Norddeutschlands auf lange Zeit zur Einführung. Indessen regte die milde, unionistische Gesinnung, welche der Verfasser in dem Büchlein kundgab, den Zorn aller lutherischen Eiferer gegen ihn auf, namentlich des Pastors Statius Buscher in Hannover, der ihm sogar Kryptopapismus zum Vorwurf machte. G. vertheidigte sich in einer Schrift: „Apologia oder Ablehnung der Verleumdungen Statii Buscheri"; allein aus dieser Polemik entwickelte sich ein Streit zwischen den theologischen Fakultäten zu Helmstädt und Wittenberg, der sich bis tief in das 18. Jahrhundert hinein fortzog. — Außer dem Katechismus gab G. eine Reihe von Sammlungen werthvoller Predigten heraus. Beachtenswerther jedoch als diese sind seine Leistungen als Dichter geistlicher Lieder. Vierzehn derselben nahm er selbst in das von ihm 1648 im Auftrag der Landesregierung herausgegebene hannöversche Gesangbuch auf. Mit einer eigentlich wissenschaftlichen Arbeit trat G. gegen das Ende seines Lebens (anläßlich des Uebertritts seines Landesherrn, des Herzogs Johann Friedrich, zur katholischen Kirche) unter dem erdichteten Namen Thimotheus Fridlibius hervor. Die (vier Bände umfassende) Schrift erschien unter dem Titel: „Warum willst Du nicht römisch-katholisch werden, wie Deine Vorfahren waren?“ (Hannover 1669, 71, 72 in 4°).

    • Literatur

      Vgl. Rehtmaier, Braunschw. Kirchengesch. IV. S. 458. Walch's Einleitung in die Streitigkeiten der luth. Kirche III. S. 249. Schlegel, Kirchengesch. Norddeutschlands II. u. III. u. Baring's Hannöversche Kirchenhistorie I. S. 90.

  • Autor/in

    Heppe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heppe, Heinrich, "Gesenius, Justus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 87-88 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11659554X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA