Lebensdaten
1822 bis 1905
Geburtsort
Rhoden (Kurhessen-Waldeck)
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116578440 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rocholl, Rudolf

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Zitierweise

Rocholl, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116578440.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl, Dr. med., Kreisphysikus in R.;
    M Marianne Steinmetz;
    3 Geschw;
    N.N., T d. Oberamtmanns N. N. Görg in Hüninghausen;
    S Theodor (1854–1933), Maler, Schüler d. Julius Schnorr v. Carolsfeld;
    E Theodor (1897–1978), Schausp.

  • Leben

    Nach dem Theologiestudium in Jena (1841–43) und Berlin (1843/44) war R. im privaten Schuldienst in Pyrmont und Mengeringhausen sowie als Hauslehrer in Wien tätig. 1850 wurde er Pfarrer in Sachsenberg (Waldeck). Aufgrund seines dezidiert luth. Standpunkts lehnte er die Einführung der allgemeinen Beichte und der Absolution nach der Predigt ab. 1861 brach er mit der unierten kurhess. Landeskirche und wechselte in die luth. Landeskirche Hannovers (1862 Pfarramt in Brese [Lüneburger Heide], 1867 Superintendent an St. Johannis in Göttingen). Wegen der rechtlichen und kirchenpolitischen Auswirkungen des Kulturkampfes (Einf. d. obligatorischen Zivilehe, Abendmahlsgemeinschaft mit d. unierten Landeskirchen), die er nicht zu akzeptieren bereit war, kam es erneut zum Konflikt. R. trat zur altluth. Kirchengemeinschaft über, die seit den 1830er Jahren alle Unionsbestrebungen ablehnte, und übernahm nach der hann. Separation 1878 eine Pfarrstelle in Radevormwald (Rheinland). 1885-91 war er Superintendent an St. Katharina in Breslau und gehörte der Leitung der luth. Kirche in Preußen an.

    R. legte nach seinem Erstlingswerk „Über Eichendorff und die romantische Dichterschule“ (1849) eine Vielzahl von Publikationen zu geistes- und kirchengeschichtlichen Themen vor. Von Bedeutung sind v. a. seine „Geschichte der ev. Kirche in Deutschland“ (1900), daneben Studien zu „J. G. Hamann“ (1869), „Rupert von Deutz“ (1886) und Adolf Stöcker (Das prot. Elend u. Stöcker, 1892), in denen R. ein konsequent luth.-orthodoxes Glaubensverständnis vertrat. Anknüpfend an Philipp Nicolai und Friedrich Christoph Oetinger hielt er an einem biblizistisch begründeten, objektiv-personalen Gottesbegriff fest (Der christl. Gottesbegriff, 1900). Auch seine Auffassung von den göttlichen Heilstaten war von einem biblischen Realismus gekennzeichnet. Das Abendmahl deutete er als Vorgang materialer Wandlung (Die Realpräsenz, 1875). Besonderes Interesse fand sein religionsphilosophisches Hauptwerk, die „Philosophie der Geschichte“ (2 Bde., 1878/93). Hier formulierte er einen Geschichtsbegriff, der, angelehnt an Joh. 1, in Jesus Christus, dem Logos Gottes, das Vernunftprinzip der weltgeschichtlichen Entwicklung sah. Zugleich verband R. mit einer christologisch fundierten Aufwertung der Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen eine kritische Revision der bisherigen Geschichtsphilosophie aus theol. Sicht.|

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Erlangen 1893).

  • Werke

    Weitere W Christophorus, Altes u. Neues aus Wald u. Heide, 1862, 21896;
    Des Pfarrers Sonntag, 1872, 18962;
    Der letzte Tag, 1881, 19102;
    Einsame Wege, 2|Bde., 1881/98 (Autobiogr.);
    Weltgesch. – Gottes Werk, 1905;
    Predigten, auf Wunsch veröff. durch B. Schubert, 1911.

  • Literatur

    H. Hübner, R. R., 1910;
    ders., in: Allg. Ev.-Luth. Kirchenztg. 55, 1922, S. 808-13, 824-29;
    ders., in: Gesch.bll. f. Waldeck 23, 1926, S. 52-73;
    W. Elert, R. R.s Philos. d. Gesch., 1910;
    ders., Der Kampf um d. Christentum, 1921, S. 248-53;
    K. Kindt, Somnium Rochollianum, in: Die Leibhaftigkeit d. Wortes, FS f. A. Köberle, 1958, S. 135-44;
    Lb. Kurhessen VI, 1958, S. 286-93 (P);
    K. U. Überhorst, Die Theol. R. R.s, Eine Unters. z. Universalismus d. göttl. Heilsveranstaltung, 1963 (W, L);
    RE3;
    RGG;
    Ziegenfuß;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    BBKL.

  • Autor/in

    Matthias Wolfes
  • Empfohlene Zitierweise

    Wolfes, Matthias, "Rocholl, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 682-683 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116578440.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA