Lebensdaten
um 1765 bis 1831
Geburtsort
Trachenberg (Schlesien)
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Sänger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11653978X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kynast, Anton (eigentlich)
  • Genast, Anton
  • Kynast, Anton (eigentlich)
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Genast, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11653978X.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Haushofmeister d. Fürsten v. Hatzfeld;
    N. N.;
    S Eduard (s. 2), T Christiane (um 1794–1839, 1813 Karl Wolfg. Unzelmann, 1786–1843, Schauspieler), Schauspielerin in Dresden, Wien, Berlin u. W.; Eltern d. Schwieger-S Karl Wilh. Ferd. Unzelmann (1753–1832), Schauspieler u. Regisseur, seit 1788 am Berliner Nat.theater, u. Friederike Flittner ( 1815), Schauspielerin (s. NDB II, S. 193) (Stief-T d. Schauspielers Gust. Frdr. Wilh. Großmann, 1796).

  • Leben

    G. sollte nach dem Besuch des Jesuitenkollegs in Krakau gegen seinen Willen Kaplan in seiner schlesischen Heimat werden. Die Aufführungen der Jesuitenschule hatten offenbar mehr die Liebe zum Theater als zur Kanzel geweckt. Er floh nach Breslau, um seine Neigung zu verwirklichen, fand aber erst in Bunzlau Unterschlupf bei einer Wandertruppe (wahrscheinlich J. G. Vogt, 1785/86). 1786 kam er mit dem Prinzipal Aloys von Hofmann nach Prag, wechselte dort 1787 zu der Gesellschaft von Karl Wahr und ließ sich 1791 von Goethes Beauftragtem nach Weimar verpflichten. Hier wirkte er als Tenorbuffo und Charakterkomiker, seit 1793 bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung am 1.4.1817 (Goethes Ausscheiden) auch als Regisseur und rechte Hand seines Theaterchefs Goethe, von diesem und Schiller gleichermaßen geschätzt. Umsicht, Eifer und Sparsamkeit erhielten ihm ununterbrochen dieses Amt, hinter das er mehr und mehr als Schauspieler zurücktrat. Gedrungener Wuchs, zunehmende Körperfülle und hohe Stimmlage machten ihn besonders geeignet für Rollen wie den Wirt in „Minna von Barnhelm“, Valentin in Ifflands „Hagestolzen“ und den Kapuziner in „Wallensteins Lager“, dessen erster Darsteller er war.

  • Literatur

    ADB VIII;
    [J. Fr. Schütze?], Einige Briefe üb. Schillers Maria Stuart … auf d. Weimar. Hoftheater, Jena 1800;
    Ed. Genast [S], Aus d. Tagebuch e. alten Schauspielers, 2 Bde., 1862/65 (P);
    W. G. Gotthardi, Weimar. Theaterbilder II, 1865;
    Bunzlauer Stadtbl. v. 1.10.1928;
    F. Reden-Esbeck, Dt. Bühnen-Lex., 1879;
    Eisenberg;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Enc. dello spettacolo V, Rom 1958.

  • Portraits

    Zeichnung v. J. J. Schmeller (Weimar, Goethe-Mus.), Abb. in: Erinnerungen d. K. Jagemann I, hrsg. v. E. v. Bamberg, 1926;
    Punktierstich v. Westermayr (Köln, Inst. f. Theaterwiss., Slg. Niessen).

  • Autor/in

    Günther Hansen
  • Empfohlene Zitierweise

    Hansen, Günther, "Genast, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 180 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11653978X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Genast: Anton G., war 1765 zu Trachenberg in Schlesien geboren, wo sein Vater beim Fürsten von Hatzfeld das Amt eines Haushofmeisters bekleidete und nicht Genast, sondern Kynast hieß. Er hatte noch eine Menge Geschwister und wurde als der befähigteste unter den Söhnen ganz gegen seinen Willen in|die Jesuitenschule nach Krakau geschickt und dem geistlichen Stande gewidmet. In seinem 20. Jahre kehrte er reich an wissenschaftlichen und Sprachkenntnissen in seine Heimath zurück, wo er nach dem Willen seines Vaters als Kaplan eintreten sollte; all' sein Widerstreben und seine Bitten halfen ihm nichts, und so faßte er sich ein Herz und verließ mit wenigen Thalern in der Tasche heimlich der Eltern Haus. Er wollte Schauspieler werden und ging zunächst nach Breslau; dort wurde er aber abgewiesen, worauf er sich nach Bunzlau wandte, wo eine reisende Comödiantentruppe ihr Wesen trieb und wo er nach einigen Proberollen mit wöchentlich einem Thaler Gage engagirt wurde. Auf dem geschriebenen Theaterzettel erschien sein Name dort zum ersten Male als Genast. Ueber vier Jahr trieb er sich nun bei solchen Gesellschaften herum, sang und spielte in allen möglichen Fächern, bis ihn im J. 1786 sein guter Stern nach Prag zu Wahr führte, der dort Director des deutschen Schauspiels war. Wahr, selbst ein tüchtiger Schauspieler, nahm sich seiner an und unterrichtete ihn in Plastik und Declamation. Da G. der italienischen Sprache mächtig war, machte er auch bald Bekanntschaften mit den Sängern der italienischen Oper unter Guardasoni; durch Bassi, für den der Don Juan geschrieben ist, lernte er sogar Mozart kennen. G. besaß eine sehr hübsche Tenorstimme, weshalb ihn Wahr hauptsächlich im deutschen Singspiel als Tenorbuffo, wozu er das meiste Talent mitbrachte, beschäftigte. Für dies Fach erhielt er auch im J. 1791 einen Antrag nach Weimar, vorher aber kehrte er noch einmal in seine Heimath zurück, um eine Versöhnung mit Vater und Mutter herbeizuführen, was ihm auch gelang. G. wurde hauptsächlich dadurch bekannt, daß er unter Goethe's Leitung von 1793—1817 als Regisseur (Wöchner) am Hoftheater zu Weimar wirkte. Die Verdienste, welche er sich auf diesem Posten erwarb, wurden von Goethe und Schiller sehr hoch angeschlagen und geschätzt. „In die Intentionen des Ersteren, dessen unbedingtes Vertrauen er besaß und sich unausgesetzt erhielt, hatte er sich so hineingedacht und eingelebt, daß er gewöhnlich errieth, was der Meister wollte und wünschte, noch ehe sein Mund es aussprach.“ (W. G. Gotthardi, Weimarische Theaterbilder aus Goethe's Zeit.) G. gehörte dem Weimaraner Hoftheater bis zu seiner Pensionirung am 1. April 1817 an, genau so lange als Goethe selbst. Er starb am 4. März 1831.

    • Literatur

      Eduard Genast, Aus dem Tagebuche eines alten Schauspielers. E. Pasqué, Goethe's Theaterleitung in Weimar.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Genast, Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 559-560 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11653978X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA