Lebensdaten
1870 bis 1939
Geburtsort
Bruck/Leitha (Niederösterreich)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116525916 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kretschmayr, Heinrich

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kretschmayr, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116525916.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold (1835–1915), Dr. iur., Notar, S d. Leopold, Richter d. Stifts Seitenstetten;
    M Flora (1847–79), T d. Florentin v. Kaler (1819–81), Dir. d. Dampfsägewerke in Admont, Bes. d. Schlosses Hautzenbichl, u. d. Rosine Batsmegyey;
    1898 Anna Hamann (ev.);
    1 T Hildegard (* 1905), Opernsängerin.

  • Leben

    Nach privatem Elementarunterricht besuchte K. 1880-88 das Stiftsgymnasium in Seitenstetten. Nach dem Studium an der Phil. Fakultät der Univ. Wien, wo er sich besonders für Geschichte und Antike Kunstgeschichte interessierte, trat er, 1892 zum Dr. phil. promoviert, im folgenden Jahr in das Institut für österr. Geschichtsforschung ein, dem er als o. Mitglied angehörte. 1895 legte er an diesem Institut die Staatsprüfung ab. Hatte K., von seinem Lehrer Alphons Huber angeregt, seine Dissertation dem Venezianer Ludovico Gritti gewidmet, so kam er durch seine von Heinrich von Zeißberg initiierte Instituts-Hausarbeit: „Reichsvizekanzler Georg Sigmund Seld“ zur Behandlung eines behördengeschichtlichen Themas. Mit beiden Themenkreisen beschäftigte er sich auch in Zukunft. 1896 trat er als Praktikant in das Archiv des Ministeriums des Innern ein und wurde im folgenden Jahr zum Konzipisten ernannt. Zunächst wurde er u. a. mit der Durchsicht der gedruckten Texte sowie der noch nicht veröffentlichten Urkunden zu den „Regesta Habsburgica“ betraut. 1904 folgte er Thomas Fellner als Direktor im Archiv nach und übernahm von ihm 1907 auch die Herausgabe des profunden Werkes über die Geschichte der österr. Zentralverwaltung. Besonders verdienstvoll ist seine „Geschichte von Venedig“, die er in drei Bänden (1905/20/34, Nachdr. 1964) vorlegen konnte. 1898 hatte sich K. an der Wiener Universität für Mittlere und Neuere Geschichte habilitiert, 1907 wurde er tit. ao. Professor und 1925 tit. o. Professor. Er hielt auch Vorlesungen an der Akademie der bildenden Künste und an der Akademie für Musik und darstellende Kunst und engagierte sich in der Erwachsenenbildung und beim Rundfunk. 1908 berief man ihn in den aus Vertretern von Archiven und der historischen Wissenschaft beim Innenministerium 1894 eingerichteten Archivrat. K. ist die erfolgreiche Durchsetzung des Provenienzprinzips zu danken, das bei den nach 1918 notwendig gewordenen Verhandlungen über die Aufteilung des Archivguts auf die Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns den Großteil der Wiener staatlichen Archive vor einer Auslieferung bewahrte. Seit 1920 Ministerialrat, wurde er Leiter des neu geschaffenen österr. Archivamts, 1928 Vorsitzender des Archivbeirats, der dem Amt als beratendes Organ zur Seite stand. 1923 wurden die Agenden dem Referat „Oberste Archivleitung“ übertragen; auch hier erhielt K. die Leitung. Bis zu seiner 1925 erfolgten Pensionierung erwarb er sich auf den Gebieten des Archivalienschutzes und der Besserstellung der Archivare große Verdienste. – Korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1921).

  • Werke

    Weitere W Ludovico Gritti, in: AÖG 83, 1897, S. 1 ff.;
    Das dt. Reichsvicekanzleramt, ebd. 84, 1898, S. 381 ff.;
    Gesch. d. österr. Zentralverwaltung, Abt. 1, 3 Bde., 1907 (mit Th. Fellner), Abt. 2, Bde. 1/1, 2, 3, 1925-38 (mit J. Kallbrunner, F. Walter u. M. Winkler);
    Maria Theresia, 1925, Neue Ausg. 1938;
    Gesch. v. Österreich, 1936, 21937;
    Die Türken vor Wien, Stimmen u. Berr. a. d. J. 1683, 1938.

  • Literatur

    P. Herre, Die alte Republik Venedig im Spiegel der jüngsten Gesch.schreibung, in: Preuß. Jb. 1934;
    L. Bittner, Gesamtinventar d. Wiener Haus-, Hof- u. Staatsarchivs, 1936-40;
    MIÖG 53, 1939, S. 236 ff.;
    Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien, 1941;
    L. Santifaller, Das Inst. f. österr. Gesch.forschung, 1950;
    A. Lhotsky, Gesch. d. Inst. f. österr. Gesch.forschung 1854-1954, 1954;
    Wiener Ztg. v. 15.7.1955;
    Die Presse v. 17.7.1955;
    Kürschner, Gel.-Kal., 1935;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    Wi. 1935;
    ÖBL.

  • Portraits

    Wien, Nat.bibl.

  • Autor/in

    Lorenz Mikoletzky
  • Empfohlene Zitierweise

    Mikoletzky, Lorenz, "Kretschmayr, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 14 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116525916.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA