Lebensdaten
wohl um 1700 bis 1768
Geburtsort
vermutlich in Sachsen
Sterbeort
Merzig/Saar
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 119012170 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kretschmar, Christian
  • Gretschmar, Christian
  • Kretschmer, Christian
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Zitierweise

Kretschmar, Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119012170.html [28.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    Eltern u. Herkunft unbek.;
    B (?, jedenfalls ein Verwandter) Caspar ( 1739), Baumeister;
    - um 1740 Anna Maria (1706–83), T d. Lothar Friedrich Bonnevie, Vogtmeier in M.; kinderlos.

  • Leben

    Über K.s Lehrjahre ist nichts bekannt. Seine frühen Stilformen lassen an eine Ausbildung im sächs. Bauwesen denken: Einflüsse Pöppelmanns werden vielleicht über den stilistisch nahestehenden David Schaz (Schloß Burgscheidungen 1724–28) vermittelt. Böhmische und südostdeutsche Formen scheint er an Ort und Stelle kennengelernt zu haben. Die für 1725-28 angenommene Berufung nach Trier durch Kf. Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, seit 1683 zugleich Fürstbischof von Breslau, ist archivalisch nicht gesichert. Erst mit der Bestallungsurkunde zum Baumeister der Abtei 1727 wird K. in Mettlach erwähnt, wo er sich auch als Bildhauer betätigt hat. K.s Stil zeigt zwei Phasen: Mit seinem Hauptwerk, der Benediktiner-Abtei Mettlach, 1727-71 (die geplante Kirche wurde nie ausgeführt), führt er in das bereits stark franz.-klassizistisch bestimmte westrhein. Gebiet noch einmal den schweren, kräftig-belebten Barock des ostmitteldeutschen Raumes ein. Die starke Plastizität der Hauptfassade sowie die Keilsteinmasken-Zyklen erinnern an Pöppelmann; die großartige Hauptportalanlage übertrifft alle vergleichbaren Beispiele der von Borrominis Stil bestimmten hochbarocken Portale in Wien, Breslau, Dresden und Leipzig. Die zweite Stilphase setzt gegen Ende der 30er Jahre ein. Einen Übergang stellt K.s zweites Hauptwerk dar, die (neuerdings archivalisch für ihn gesicherte) Zisterzienser-Abtei-Kirche Himmerod in der Eifel, um 1740/41-1751, eine der größten Barockkirchen des Rheinlandes. Die turmlose Westfassade mit spannungsreich konkav vorschwingendem Mittelfeld und zweifachem Giebelauszug läßt an böhm. Vorbilder denken (Prag, St. Gallus; Haindorf). Vor allem mit seinen Trierer Bauten (Konventsgebäude von St. Irminen, 1739–44) gelangen K.s Bauten zu größerer Flächigkeit, wirken beruhigter, im Detail weniger plastisch und berühren sich damit stärker mit dem „modernen“ Zeitstil. In der eigenständigen Verarbeitung und Zusammenfassung selbst heterogener Stilelemente ist K. – darin ganz Kind seiner Zeit – ein Meister. Seine Wirkung ist beträchtlich: Der Grundriß von St. Paulin in Trier erscheint vergleichbar mit der geplanten Klosterkirche in Mettlach; daß K. der erste Planer von St. Paulin gewesen sei, muß|freilich Hypothese bleiben. Besonders hat er das ländliche Bauwesen im Bereich der unteren Saar und um Trier nachhaltig bis ins frühe 19. Jh. beeinflußt.

  • Werke

    Weitere W St. Gangolph, Pagodenburg 1745;
    Wiltingen, Mettlacher Hofhaus 1755. -
    Zuschreibungen in Trier: Abteigebäude v. St. Irminen 1739–44, Trierer Hof 1739, Franziskaner-Minoriten-Klostergebäude 1738–65, Haus Simeonstr. 45, um 1740, Benediktiner-Abteikirche St. Marien (im 19. Jh. abgebrochen);
    Merzig: Haus Poststraße 12 (für Familie Marx) um 1740, Umbau d. sog. Soeterschen Jagdschlosses;
    Schlößchen in Hilbringen um 1745;
    Orgelempore d. Benediktiner-Abteikirche Tholey um 1750;
    Schloß Münchweiler (zumindest Anregungen f. d. Portal) 1752;
    Zehnthaus in Besseringen um 1765.

  • Literatur

    K. Lohmeyer, Johannes Seiz, 1914, S. 176-82;
    G. Kentenich, Ch. K. u. d. Trierer Bauwesen d. 18. Jh., in: Trier. Chronik NF 15, 1918, S. 19-21;
    J. Koenen, Das Werk Ch. K.s im Kr. Merzig, in: Jb. d. Ver. f. Heimatkde. im Kr. Merzig 2, 1930, S. 7-28;
    ders., K.s Merziger Verwandtschaft, ebd. 3, 1933, S. 103-09;
    ders., Ch. K., Baumeister d. Benediktiner-Abtei Mettlach, in: Festschr. f. Karl Lohmeyer, 1954, S. 87-105;
    ders., Die Barockbauten d. Benediktiner-Abtei Mettlach u. verwandte Bauten, Diss. Köln 1958;
    ders., Die geplante Barockkirche d. Benediktiner-Abtei Mettlach u. d. verwandten Kirchenbauten, in: Saarbrücker Hh. 10, 1959, S. 38-51;
    ders., Das Hilbringer Schlößchen, in: Saarheimat 11, 1967, S. 200 f.;
    ders., Das barocke Bürgerhaus In Merzig, Poststr. 12 -ein Werk d. Baumeisters Ch. K., ebd. 12, 1968, S. 119-22;
    W. Zimmermann, Kloster Mettlach, in: Trier, Sonder-H. d. Rhein. Ver. f. Denkmalflege u. Heimatschutz 1952, S. 123-41;
    Edmund Müller, Ch. K., Zur Entdeckung d. Baumeisters d. Himmeroder Barockkirche, in: Unsere Liebe Frau v. Himmerod 31, 1961, S. 75-79;
    Ambrosius Schneider, Ch. K., d. Architekt d. Himmeroder Barockkirche, in: Rhein. Vjbll. 26, 1961, S. 323-28;
    M. Klewitz, Mettlach, 21966;
    ThB.

  • Autor/in

    Wolfgang Götz
  • Empfohlene Zitierweise

    Götz, Wolfgang A. W., "Kretschmar, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 13 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119012170.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA