Lebensdaten
1638 bis 1707
Geburtsort
Schmalkalden
Sterbeort
Halle/Saale
Beruf/Funktion
Historiker ; Geograph ; Philologe ; Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116479914 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keller, Christoph
  • Cellarius, Christoph
  • Keller, Christoph

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Cellarius, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479914.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die verwandtschaftliche Beziehung zu dem Augsburger Prädikanten Michael C. läßt sich nicht eindeutig nachweisen. Vorfahre Joh., gab vermehrt den Thesaurus Ciceronianus des Nizolius heraus.
    V Christoph (1599–1641), Mag., Superintendent in Schmalkalden, S des Christoph (1565–1625), Mag., Rektor der Gymnasiums in Lauingen, S des Jak. (1542–1605), Mag., Lehrer in Lauingen;
    M Maria (1605–79), T des Joachim Zehner (1566–1612), D., Generalsuperintendent in Schleusingen;
    1669 Hedw. Eleonore ( 1719), T des gothaischen Ing.-Offz. u. Festungsbaumeisters Gg. Frdr. v. Berg;
    3 S, 4 T, u. a. Christoph ( 1742), preußischer GR, 1. Kammerdirektor zu Magdeburg, verfasste 1697 „Origines et successiones comitum Wettinensium“, 1741 „Nachr. v. dem Stapelrecht der alten Stadt Magdeburg“, Salomon (1676–1700), Lic. med., verfasste „Origines et antiquitates medicae“, Jena 1701, Hedw. Sophie ( 1708, Joh. Friedemann Schneider [1669-1733], Prof. der Philosophie in Halle), Maria Elis. (⚭ Jacob Frdr. Ludovici [1671–1723], Hofrat, Prof. der Rechte in Halle u. Gießen).

  • Leben

    Nach dem Studium der klassischen und semitischen Sprachen, der Geschichte, Theologie und Mathematik in Jena (1656-59, 61-63, 66) und Gießen (1659–61) wurde C. als Lehrer in Weißenfels (1667), als Rektor in Weimar (1673), Zeitz (1676) und an der Merseburger Domschule (1688) wegen seiner pädagogischen Verdienste und vielseitigen, nicht tiefgehenden, aber produktiven Gelehrsam keit berühmt. 1693 als Professor der Beredsamkeit und (bis 1703) der Geschichte an die neue Universität Halle berufen, arbeitete er die Statuten der Philosophischen Fakultät aus, verwaltete die Universitätsbibliothek und leitete - neben dem Franckeschen Seminarium Praeceptorum - seit 1697 sittenstreng, aber ziemlich erfolglos, das erste deutsche philologische Seminar. Er war der 4. Prorektor der Universität (1697–98).

    Seine zahlreichen, oft durch Karten erläuterten Ausgaben vieler, auch spätantiker lateinischer und weniger griechischer Autoren, sowie seine Lern- und Lehrbücher der alten und der orientalischen Sprachen wurden häufig aufgelegt. Vornehmlich Philologen dienten in reinem Latein geschriebene, stoffreiche, aber meist unkritische Werke über römische Altertumskunde, über antike und neuzeitliche Geograhie, die C. als Lehrfach einführte, und seine historischen Handbücher. Diese beschränkten sich auf eine knappe Darstellung der wesentlichen Ereignisse, fügten aber Kirchen- und Literaturgeschichte der politischen hinzu. Vor allem jedoch setzte C. die schon vor ihm teilweise vertretene Periodisierung der Universalgeschichte in Altertum (bis Konstantin), Mittelalter (bis zur Eroberung Konstantinopels) und Neuzeit gegen den Widerspruch besonders der Theologen durch, die an der herkömmlichen Lehre von der Abfolge der vier Weltreiche festhielten. Die auflagenreiche einbändige Ausgabe dieser „Historia universalis“ durch seinen Schüler B. G. Struve (1671–1738) verbreitete die Lehre C. vollends.

  • Werke

    u. a. Antibarbarus, Zeitz 1677, Jena 61733;
    Curae posteriores de barbarismis et idiotismis, Zeitz 1680, Jena 51733;
    Neubearb. d. Thesaurus d. Basilius Faber v. 1571, Zeitz 1686 u. ö.;
    Historia antiqua, ebenda 1685, Historia medii aevi. ebenda 1688, Hist. nova, Halle 1696, (ins Dt. übers.), zus. als Historia universalis, Jena 1709. 71727;
    Geographia antiqua, Zeitz 1686 u. ö., Geographia nova, ebenda 1687 u. ö. (dt. Jena 1709). zus. aufgel. bis 1779 (die Geographia medii aevi blieb unvoll.);
    Hist. inaugurationis Acad. Fridericianae Halensis, Halle 1698;
    Notitia orbis antiqui, 2 Bde., Leipzig 1701-06 (Hauptwerk, bis 1776 oft aufgel.);
    Orthographia lat. ex vetustis monumentis, h. e. nummis, marmoribus tabulis … excerpta, Halle 1700, 81768;
    Antiquitates Romanae, ebenda 1710 u. ö. bis 1774;
    Diss. acad., hrsg. v. J. G. Walch, Leipzig 1712;
    Orationes academicae, ebenda 1714;
    Epistolae, ebenda 1715.

  • Literatur

    ADB IV;
    J. G. Walch, Diss. de vita et scriptis Chr. C., in dessen Diss. acad. (s. o.);
    H. Keil, Oratio de Chr. C. vita et studiis, in: Index scholarum in univ. Halensis, 1875/76;
    C. Bursian, Gesch. d. class. Philol. in Dtld., 1883, S. 349 ff.;
    F. X. Wegele, Gesch. d. dt. Historiogr. seit d. Auftreten d. Humanismus, 1885, S. 484 ff.;
    W. Schrader,|Gesch. d. Frdr.-Wilh.-Univ. zu Halle I, 1894, S. 59 f.;
    F. Paulsen, Gesch. d. gelehrten Unterrichts I, 31919, S. 544 ff.;
    E. Cl. Scherer, Gesch. u. KG an d. dt. Universitäten, 1927;
    H. R. v. Srbik, Geist u. Gesch. v. dt. Humanismus bis z. Gegenwart I, 1950, S. 93. - Über die Nachkommen vgl. außer Walch: Acta Borussica, Die Behördenorganisation u. d. allg. Staatsverwaltung Preußens im 18. Jh., 1894 ff., bes. VI, 1, 1901, S. 407 f.

  • Autor/in

    Joachim Leuschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Leuschner, Joachim, "Cellarius, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 180-181 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479914.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Cellarius: Christoph C. (Keller), geb. am 22. November 1638 in Schmalkalden, am 4. Juni 1707 in Halle. Auf dem Lyceum seiner Vaterstadt, wo sein Vater Superintendent war, zu akademischen Studien wohl vorbereitet, bezog er 1656 die Universität Jena. Hier hörte er mit besonderem Fleiße die Vorträge des Professors der Geschichte Johann Andreas Bose (1626 1674). Johann Frischmuth (1619 1687) war sein Lehrer in der griechischen und in den orientalischen Sprachen, in der Theologie und Philosophie zog ihn Friedemann Bechmann (1628 1703) an. Im Jahre 1659 begab er sich nach Gießen. Hier schloß er sich vornehmlich an den ersten Professor der Theologie Peter Haberkorn an. Am 25. Januar 1661 disputirte er öffentlich „De infinito valore meriti Christi“. Er ging wieder nach Jena und studirte unter der Leitung des berühmten Professors Dr. Ehrhard Weigel (1625 1699) Mathematik. Nach Beendigung seiner Studien kehrte er 1663 nach Schmalkalden zurück, hielt sich später einige Zeit in Gotha und Halle auf und erlangte 1666 in Jena Ehren und Privilegien eines Magisters der Philosophie. Schon im J. 1667 wurde er von dem Herzog August von Weißenfels als Professor der hebräischen Sprache und der Ethik an dem Gymnasium in Weißenfels angestellt. Durch gelehrte Abhandlungen „De Gloria", „De serpente aeneo", „De Christi crucifixi typo“, „De libertate humana“ etc. und durch seine geschickte Art des Unterrichts, die ganz dem Vorbilde eines Melanchthon, Camerarius und Sturm folgte, hatte er die Aufmerksamkeit derer, die für Hebung der Schulen sorgten, auf sich gezogen. So kam es, daß er 1673 als Rector des Gymnasiums nach Weimar berufen wurde, doch schon 1676 übernahm er auf Empfehlung Veits v. Seckendorff, der ihn sehr hoch schätzte, die Leitung der Stiftsschule in Zeitz, die sich unter seiner Leitung eines besonderen Ansehns erfreute. 1688 wurde er Rector der Merseburger Domschule. Als im Jahre 1693 der Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg in Halle eine Universität gründete, wurde C. als Professor der Beredsamkeit und der Geschichte berufen. Hier hat er eine große Thätigkeit entwickelt, er nahm sich aller, die für die von ihm vertretene Wissenschaft Interesse zeigten, mit großem Eifer an. Die Leitung des auf Betrieb des Prorectors der Universität Professor Hoffmann errichteten collegii politioris doctrinae sive elegantium meliorumque litterarum wurde C. übertragen. Es blieb|ihm, da in jener Zeit der Zudrang zu den philologischen Collegien nicht eben groß war, Muße genug, um durch eine schriftstellerische weitgreifende Wirksamkeit sich Verdienste zu erwerben. Ciceronis epistolae, Ciceronis nobilissimae orationes, Julii Caesaris commentarii, Cornelius Nepos, Vellejus Paterculus, Q. Curtii Rufi de rebus Alexandri historia, Plinii epistolae, Eutropii breviarium historiae Romanae, Sexti Rufi sive Rufi Festi breviarium de victoriis et provinciis populi Romani, Silii Italici consularis poetae libr. XVII de bello punico II, Lactantii Firmiani opera, Aurelii Prudentii Clementis opera omnia und andere lateinische Schriftsteller sind von ihm bearbeitet worden. Auch eine Ausgabe des griechischen Geschichtschreibers Zosimus (Cizae 1679) besorgte C. Zu dem „Thesaurus“ Faber's lieferte er in den von ihm bearbeiteten Ausgaben wichtige Beiträge (1686, 1692, 1696, 1700). Auch durch den „Liber memorialis“, der in geschickter Weise angelegt und später ebenso wie „Fabri Thesaurus“, von dem hochverdienten Johann Matth. Gesner öfter wieder aufgelegt worden ist, hat er das Studium der lateinischen Sprache sehr gefördert. In gleicher Weise wurde „Christoph C. erleichterte lateinische Grammatik von neuem ausgefertigt und an vielen Orten vermehrt von Herrn Johann Matth. Gesner hochberühmten öffentlichen Lehrer zu Göttingen“, 1763. Die „Curae posteriores de barbarismis et idiotismis sermonis latini“ haben in vielen auch nach dem Tode des Verfassers erschienenen Ausgaben weite Verbreitung gefunden und Anregungen gegeben. Ebenso wurde die „Orthographia latina ex vetustis monumentis etc.“ mit Beifall aufgenommen, es liegt mir die 7. Auflage 1747 vor. Nach seinem Tode gab Johann Georg Walch die „Dissertationes Cellarii“ (1712), die „Epistolae C. (1715), heraus, M. Jo. Ernest. Imman. Walchius veröffentlichte „Christophori Cellarii compendium antiquitatum Romanorum“, 1748. Groß sind auch des C. Verdienste um die hebräische, arabische, syrische Sprache. Das Studium der Geschichte und Geographie ist wesentlich durch C. eingeführt worden (Bernhardy, Encyklop. der Phil. S. 414). Die „Notitia orbis antiqui sive Geographia plenior etc.“ ist von L. Jo. Conradus Schwartz 1731 wieder aufgelegt; blieb lange für die Gelehrten eine wichtige Fundstätte. Auch die „Historia antiqua", „Historia medii aevi etc“, „Historia nova“ waren beliebte und öfter wieder aufgelegte Handbücher. Das Verzeichniß seiner zahlreichen Dissertationen findet man vollständig in der von Joh. Georg Walch der Ausgabe der „Dissertationes academicae“ voraufgeschickten „Vita Cellarii“. Wenn man auch an den zahlreichen und mannigfaltigen Arbeiten des trefflichen Mannes Schärfe des Urtheils vermißt und noch nicht eine wissenschaftliche Methode bei der Behandlung und Erklärung alter Schriftsteller zur Anwendung gebracht sieht, wie sie heute nach mustergültigen Vorgängern geübt wird, so muß man doch zugestehen, daß C. mit Einsicht und Ausdauer auf sächsischen Schulen und der neu gestifteten Universität Halle gelehrt, durch praktische Lehrbücher, durch Hebung der lateinischen Form und populäre Handausgaben sich verdient gemacht hat (Bernhardy, Röm. Litt.-Gesch. 4. Aufl. S. 160).

    • Literatur

      Außer der oben erwähnten Lebensbeschreibung J. G. Walch's vgl. De viri celeberrimi atque amplissimi Christophori Cellarii etc. obitu universo erudito orbi maxime luctuoso opistola ad v. Burc. Gotthelf Struvium, Juris utriusque doctorem et historiarum in Acad. Jenensi professorem dignissimum exarata a Jacobo Burckhard Sultzb. Palat. 1707. Index Scholarum in univers. litter. Fridericiana Halensi etc. Inest Henrici Keilii oratio de Christophori Cellarii vita et studiis d. XXII. m. Martii a. 1875 habita. Halae Formis Hendeliis.

  • Autor/in

    Lotholz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lotholz, "Cellarius, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 80-81 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479914.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA