• Genealogie

    V Joh. Lazarus (1702–80) aus Treviso, Offz. u. Quartiermeister d. kurköln. Trabanten-Leibgarde;
    M Anna Cath. Komerscheid ( 1784);
    Wien 1784 Franziska (1763–1832), T d. Joh. Rr. v. Passel (1724–1801), k.k. Hofrat u. nd.österr. Landstand;
    7 S, 3 T, u. a. Franz (1787–1861), k.k. Gubernialrat, Dir. d. Innerberger Hauptgewerkschaft, Jos. (1794–1870), k.k. Oberbergrat u. Min.-Rat.

  • Leben

    Weniger schöpferische Kraft als ein früh entwickeltes ärztliches Organisationstalent drängten F. als Feldscher eines pfälzischen Kavallerieregimentes (1771–75), seine zunftmäßige Wundarztausbildung in Bonn (1767–70) durch eine akademische auf den hohen Schulen zu Heidelberg, Straßburg und Wien (1775–77) zu vervollständigen, um in der Kaiserstadt rasch vom Assistenten am Parzmayerschen Spital zum Mitarbeiter des österreichischen Protomedicus A. von Stoerck aufzusteigen. 1785 rückte F. in sein ureigenstes Arbeitsfeld, in das des sanitären Verwaltungsdienstes ein, zunächst als Sanitätsmagister von Wien. Aber schon 1793 war er Sanitätsreferent der niederösterreichischen Landesregierung im Rang eines Regierungsrates. Als solcher machte er Niederösterreich trotz der Kriegszeiten zur sanitär bestorganisierten Provinz des Reiches, indem er die Ablöse des ständischen durch das staatliche Physikatswesen vorantrieb, für die Errichtung eines Rettungsdienstes, die Durchführung eines geordneten Bestattungswesens und anderes sorgte. Von der Vielfalt seiner organisatorischen Arbeit legt die „Sammlung aller Sanitätsverordnungen in dem Erzherzogthum unter der Enns“ (2 Bände, 1798/1807) beredtes Zeugnis ab. Diese Verordnungen wurden vielfach beispielgebend für die übrigen Provinzen des Reiches, insbesondere sein Impfreglement von 1802. Aufgeschlossen allem Neuen in der Medizin, führte F. nicht nur 1780 die Kaltwasserbehandlung und später die Sauerstoffbehandlung in Wien ein, er war auch der erste in Wien, der am 8. oder 30.4.1799 die Jennersche Kuhpockenimpfung durchführte und in der Folge zum Pionier der Vakzination in Österreich wurde. Kaum ein Jahr (1808/09) übte er das Vizedirektorat des medizinisch-chirurgischen Studiums aus. Nach der Schlacht von Wagram (6.7.1809) mit der sanitären Liquidierung des Schlachtfeldes betraut, holte er sich den Typhus, dem er erlag. – Mitglied der Leopoldina.

  • Werke

    Weitere W u. a. Vom Gebrauche d. kalten Bäder, Wien 1781, 21790;
    Einrichtung d. med. Fac. zu Wien, ebd. 1785;
    Nähere Unters. d. Pestansteckung, ebd. 1787;
    Ueber d. Wirkungen d. Lebensluft, ebd. 1795;
    Ueber d. Nutzen d. Kuhpocken-Einimpfung, 1802; weitere W
    s. W. Engelmann, Bibl. medico-chirurgica, 61848, S. 160 f.

  • Literatur

    ADB VI;
    M. Neuburger, Das 100j. Jubiläum d. ersten Impfung in Wien, in: H. Adler, Ein halbes Jahrtausend, Festschr. anläßl. d. 500j. Bestandes d. Acta facultatis medicae Vindobonensis, 1899, S. 139-47;
    ders., Das 100j. Jubiläum …, in: Wiener klin. Wschr. 20, 1907, Nr. 45;
    M. Stransky, Dr. P. J. v. F., der Begründer d. Wasserheilkde. in Oesterreich, in: Wiener Med. Presse 43, 1902, S. 853-57;
    ders., Btrr. z. Gesch. d. Kuhpockenimpfung in Wien, = Wiener med.gesch. Btrr. 3, 1937;
    R. Bassenge, Dr. P. J. F., e. Hydrotherapeut d. XVIII. Jh., in: Berliner klin. Wschr. 42, 1905, S. 599-602;
    O. Steinhaus, Dr. P. J. F., in: Btr. z. Gesch. d. Med. II, 1912, S. 31-54;
    Wurzbach IV;
    H. E. Sigerist, Letters of Jean de Carro to Alexandre Marcet, 1794-1817, in: Bull, of the history of medicine 24, Baltimore 1950, H. 12;
    BLÄ.

  • Quellen

    Qu.: Akten d. Archivs d. Landes Nd.-österr.

  • Portraits

    Schattenriß (Wien, Österr. Nat.Bibl.).

  • Autor/in

    Erna Lesky
  • Empfohlene Zitierweise

    Lesky, Erna, "Ferro, Pasqual von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 100 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116472944.html#ndbcontent

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  • Leben

    Ferro: Pascal v. F., Arzt, 1753 in Bonn geboren, studirte zuerst in Köln, später in Wien Medicin, erlangte hier 1777 den Doctorgrad und habilitirte sich daselbst als Arzt; seine Bestrebungen um Förderung der öffentlichen und privaten Gesundheitspflege, so namentlich um die Einführung der Vaccination ("Ueber den Nutzen der Kuhpockenimpfung“, 1802), um die Reform der Pestquarantaine ("Von der Ansteckung der epidemischen Krankheiten und besonders der Pest", 1782, und „Nähere Untersuchung der Pestansteckung etc.", 1787), um die Verallgemeinerung des Gebrauches der kalten Bäder zur Kräftigung des Körpers und als Heilmittel ("Vom Gebrauche des kalten Bades", 1781, 2. Aufl. 1790), um Aufklärung über den Werth reiner, sauerstoffreicher Lust ("Versuche mit neuen Arzneimitteln“, 1793, und „Ueber die Wirkungen der Lebenslust“,|1795, wo Sauerstoffinhalationen als Heilmittel bei Erkrankungen der Lungen empfohlen werden) und trockener Wohnungen ("Anzeige der Mittel, die Ungesundheit derjenigen Wohnungen zu verändern, welche Ueberschwemmungen ausgesetzt gewesen“, 1787) u. a., verschafften ihm die Anerkennung der höchsten Behörden, so daß er 1793 zum Staats- und Medicinalrath, später zum Vicedirector des medicinischen Unterrichtes ernannt und 1805 geadelt wurde; er starb in Wien den 21. August 1809. F. war Enthusiast für seine Ueberzeugung; dies verleitete ihn zu Uebertreibungen und man kann bei aller Anerkennung, die man seinen Bestrebungen zollen muß, nicht in Abrede stellen, daß er nicht selten über das Ziel hinausgeschossen hat. Ein Verzeichniß seiner Schriften findet sich in Engelmann, Bibl. med.-chir., p. 160.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Ferro, Pasqual von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 720-721 unter Ferro, Pascal von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116472944.html#adbcontent

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