Lebensdaten
1870 bis 1953
Geburtsort
Neuenburg (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Psychiater ; Neurologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116468696 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gaupp, Robert Eugen
  • Gaupp, Robert
  • Gaupp, Robert Eugen

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Zitierweise

Gaupp, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116468696.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert v. G. (württ. Personaladel, 1836–1908), Dr. iur., württ. Staatsrat, Präs. d. Zentralstelle f. Handel u. Gewerbe in St. (s. BJ XIII, Tl. 1908, L), S d. Pfarrers Carl Gottlob u. d. Luise Baur (Schw d. Ferd. Chrstn. B., 1860, ev. Theol., s. NDB I);
    M Julia (1842–82), T d. KR Karl Aug. Frdr. Faber in St. u. d. Amalie Louise Christiane Eberhardine Bender;
    Breslau 1901 Oktavia, T d. Carl Hasse (1841–1928), Prof. d. Anatomie in Breslau;
    2 S, 3 T.

  • Leben

    G. studierte von 1888 an in Tübingen, Genf und Straßburg Medizin (Staatsexamen Tübingen 1893/94, doctor medicinae 1894). 1894-99 arbeitete er bei dem Psychiater K. Wernicke in Breslau und ließ sich dann als Nervenarzt in Breslau nieder. Durch seine selbständigen Aufsätze und Kritiken im „Zentralblatt für Nervenheilkunde und Psychiatrie“ wurde Kraepelin auf ihn aufmerksam und holte ihn nach Heidelberg, wo G. sich habilitierte. 1901 wurde G. mit seiner Arbeit „Die Dipsomanie“ bereits Privatdozent. 1904 ging er mit Kraepelin nach München, folgte aber 1906 einem Ruf nach Tübingen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1936 als einer der führenden deutschen Neurologen und Psychiater|tätig war. G. arbeitete über die progressive Paralyse, über die Depression, den Selbst- und den Massenmord, die Paranoia, die Hysterie und die Homosexualität, und es gab wohl kein Gebiet, auf dem er nicht Neues und Entscheidendes zu sagen wußte. In seiner wissenschaftlichen Entwicklung hat er einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht. Er kam von Wernicke, also aus einer Schule, die die Geisteskrankheiten in erster Linie als Gehirnerkrankungen ansah, und wurde durch Kraepelin dann in eine Richtung geführt, die auch die Persönlichkeit des Kranken berücksichtigte. So gehörte er zu denjenigen Psychiatern, die ihr Gebiet am umfassendsten beherrschten. Das erklärt, warum er zum Mittelpunkt einer der größten psychiatrischen Schulen wurde und warum aus seiner Klinik neue und ausgedehnte Forschungszweige, wie die Konstitutionsforschung und die klinische Psychotherapie, hervorgegangen sind.

  • Literatur

    F. Mautz, in: Große Nervenärzte II, hrsg. v. K. Kolle, 1959, S. 139-49 (W-Verz., P);
    E. Kretschmer, in: Dt. med. Wschr. 78, 1953, S. 1713;
    K. Kolle, in: Med. Klin. 48, 1953, S. 1893;
    Kueppers, in: Med. Mschr. 7, 1953, S. 822;
    Fischer (P);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Wilhelm Katner
  • Empfohlene Zitierweise

    Katner, Wilhelm, "Gaupp, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 100-101 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116468696.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA