Lebensdaten
1862 bis 1918
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Psychologe ; Philosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116460083 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Elsenhans, Theodor

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Zitierweise

Elsenhans, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116460083.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Aug. Frdr. (1827–83), Turnlehrer der Realschule in Stuttgart, S des Johannes (1777–1841), Schuhmachermeister, 1811-41 Schultheiß in Feuerbach b. Stuttgart;
    M Pauline, T des Schlossermeisters Chr. Heß;
    Ov Joh. Michael (1803–82), Pfarrer, Revolutionär v. 1848/49, Ernst (1815–49), Journalist, Revolutionär v. 1848/49;
    1895 Berta, T des Oberamtsarztes Häberlein in Riedlingen;
    1 S.

  • Leben

    Nach Besuch der evangelisch-theologischen Seminare in Schöntal und Urach studierte E. Theologie in Tübingen. Während dieser Zeit widmete er sich bereits eingehend philosophischen Studien (Dr. phil. 1885), die er während seiner Tätigkeit als Seelsorger, seit 1891 als Stadtpfarrer in Riedlingen, vertiefte. 1902 entschloß er sich zur Habilitation in Heidelberg mit einer Arbeit über „Das Kant-Friesische Problem“, die 1906, wesentlich erweitert, unter dem Titel „Fries und Kant“ erschien. 1908 nahm er einen Ruf als ordentlicher Professor für Philosophie und Pädagogik an die TH Dresden an. E., der als erster die Lehre von J. F. Fries zusammenhängend und kritisch-objektiv untersuchte, will extremen Relativismus einerseits und erfahrungsfremden Apriorismus andererseits dadurch überwinden, daß er die empirische Gewinnung der Erkenntnisprinzipien mit der Überzeugung von ihrer unbedingten Gültigkeit vereint. Seine Untersuchungen führen zu einer Grundlegung der Erkenntnistheorie als Ergebnis einer Auseinandersetzung mit Kant vom Standpunkt der Friesschen Problemstellung. Für Kants Erkenntnistheorie, wie für jede Erkenntnistheorie überhaupt, gilt nach E., daß psychologische Voraussetzungen unentbehrlich sind. Gegen Fries, der die psychologische Untersuchung für die Methode der Erkenntnistheorie hält, sieht sie E. in der wissenschaftlichen (erkenntnistheoretischen) Untersuchung des Erkennens, welche die Voraussetzung der objektiven Gültigkeit der als unmittelbar evident erscheinenden Erkenntnisse überhaupt mit der induktiven Aufsuchung und Begründung der Erkenntnisprinzipien verbindet. Das empirische Material für die Erkenntnisformen liefert weder die Psychologie noch die Geschichte, sondern das tatsächliche Erkennen, also das Erlebnis des Individuums. Insofern leistet die Psychologie Vorarbeit für die Erkenntnistheorie. Während jene aber auf dem Standpunkt des naiven Realismus stehen bleibt, beginnt diese dann, wenn die Beziehung unseres Denkens auf den transzendenten Gegenstand auftritt und geprüft wird. Der Erkenntnisprozeß ist gekennzeichnet durch Mathematisierung (Raum und Zeit), Klassifikation (Substanz), Kausalerklärung (Kausalitätsgesetz).

    Als Psychologe ist E. Gegner der Aktualitätstheorie. Er bemühte sich um den Ausbau der dem Experiment nicht unterworfenen Gebiete. Sein „Lehrbuch der Psychologie“ (1912, 31939) gibt eine objektive Zusammenfassung des damaligen Standes der psychologischen Forschung. Ebenso wie E. den Wert der Psychologie für die Philosophie betont, möchte er ihn für Theologie und Ethik aufzeigen, sind doch deren Zentralbegriffe, Glauben und Gewissen, psychologische Tatsachen. Das Gewissen, das „sittliche Bewußtsein in der Anwendung auf sein eigenes Subjekt“, das sich aus einer Anlage des höheren Geisteslebens entwickelt (gegen P. Rée), ist kein eigenes Seelenvermögen, sondern im ethischen Urteil sind alle Seelenvermögen beteiligt. Es gibt Gewissen ohne religiösen Bezug, jedoch steigert und differenziert die Religion das sittliche Gefühl. Die Forderung, das Gute um des Guten willen zu tun, ist, psychologisch, ein Unding. Nur durch Gefühle kann der Mensch veranlaßt werden, die höheren geistigen Güter hervorzubringen, durch deren Mehrung ein „idealer“ Zustand herbeigeführt oder vorbereitet werden kann. Ob Ethik und Metaphysik allein imstande sind, zu einem solchen Ideal hinzuführen, ist fraglich. Geschichtlich dargeboten wird es im christlichen Begriff des Reiches Gottes.

  • Werke

    u. a. Das Wesen d. Schönen, 1888; Psychol. u. Logik, 1890, 71936;
    Wesen u. Entstehen d. Gewissens, 1894;
    Selbstbeobachtung u. Experiment i. d. Psychol., 1897;
    Psychol., 1897;
    Kants Rassentheorie, 1904;
    Fries u. Kant, 1906;
    Charakterbildung, 1908, 31920; Die Voraussetzungen d. voraussetzungslosen Wiss., 1909.

  • Literatur

    H. Bertele, Paul Rées Lehre vom Gewissen u. d. Kritik ders. b. Th. E., 1927;
    Überweg;
    DBJ II (Tl. 1918, L);
    Paul Elsenhans, in: Württ. Nekr. f. d. J. 1918/19, 1922, S. 6-14. – Zu Ov Ernst:
    F. Burkhardt, in: Lb. Schwaben VI, 1957, S. 350-66 (auch f. Ov Joh. Michael; L).

  • Autor/in

    Edith Selow
  • Empfohlene Zitierweise

    Selow, Edith, "Elsenhans, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 464 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116460083.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA