Lebensdaten
1896 bis 1971
Geburtsort
Witkowitz (Kreis Mährisch-Ostrau)
Sterbeort
Katharinenhof bei Backnang (Württemberg)
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
-
Normdaten
GND: 116452862 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reusch, Karl Hermann
  • Reusch, Hermann
  • Reusch, Karl Hermann

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Zitierweise

Reusch, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116452862.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (s. 1);
    M Gertrud Zimmer;
    1927 Anita (1903–75), T d. Anton Hübbe (1872–1942), Dir. d. Dresdner Bank in Hamburg, Vorstandsvors. d. Dt.-Südamerik. Bank, Präs. d. Handelskammer Hamburg (s. Rhdb.; Wenzel; NDB IX Fam.art.), u. d. Anna de Chapeaurouge, 2 S u. a. Paul Jürgen (* 1941), Industr., 2 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Oberhausen (Abitur 1914) und dem Dienst als Offizier im 1. Weltkrieg begann R. 1918 ein durch ein kurzes Intermezzo als Freikorpsführer unterbrochenes Studium (Germanistik, Montanwiss.) in Tübingen, Berlin und Aachen, das er 1922 mit der Promotion zum Dr. phil. in Gießen beendete. Die folgende, mit längeren Studienreisen ins Ausland verbundene praktische Ausbildung schloß er 1925 mit dem Bergassessorexamen ab und arbeitete anschließend in einem Bergwerk in Jenkins (Kentucky, USA). Seit 1927 Betriebsdirektor der zum Hoesch-Konzern zählenden Zeche „Fürst Leopold I.“ und weiterer Zechen des Konzerns, wechselte er 1934 zur „Gutehoffnungshütte AG“ (GHH), seit 1937 gehörte er dem Vorstand an. Wie sein Vater politisch unter Druck gesetzt, legte er dieses Amt 1942 nieder und war bis 1945 Generalinspekteur des Kohlebergbaus in Serbien. Im Dez. 1945 kehrte R. zunächst als Vertreter des von den Besatzungsbehörden inhaftierten Generaldirektors zur GHH zurück, 1947 übernahm er den Vorstandsvorsitz. Seine Hauptaufgabe sah er anfangs darin, den Konzern ungeachtet der alliierten Entflechtungspläne zusammenzuhalten. Dessen Aufgliederung in die Bereiche Eisen- und Stahlproduktion („Hüttenwerk Oberhausen“), Kohlenförderung („Bergbau-AG Neue Hoffnung“), Verarbeitung („Gutehoffnungshütte Aktienver.“) und Kohlenhandel („Beteiligungs AG Ruhrort“) konnte er jedoch nicht verhindern. R. bekleidete bis zu seinem Rückzug aus dem aktiven Wirtschaftsleben 1966 das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Holdinggesellschaft „GHH Aktienverein“ und gehörte als Vorsitzender den Aufsichtsräten einiger ihrer Tochtergesellschaften wie der MAN, der „Dt. Werft“, der „Ferrostaal AG“ und der „Schloemann AG“ an. Die von ihm als Niederlage empfundene Entflechtung und die dadurch erzwungene Konzentration auf die Weiterverarbeitung erwiesen sich angesichts der krisenhaften Entwicklungen im Kohlenbergbau und in der Stahlindustrie seit den späten 50er bzw. den frühen 70er Jahren im Rückblick eher als Glücksfall.

    Öffentliche Aufmerksamkeit erregte R. nicht nur als Widerpart der Besatzungsbehörden und als Konzernstratege, sondern auch als Verfechter einer konservativ-autoritären Sozialpolitik. Ähnlich wie sein Vater pflegte er einen patriarchalischen Umgang mit den Firmenangehörigen und ein „klassenkämpferisches“ Verhältnis zu den Gewerkschaften. Die 1951 gesetzlich verankerte paritätische Mitbestimmung in der Montanindustrie lehnte er entschieden ab. Eher skeptisch beurteilte er auch die mit der „Europ. Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ beginnende wirtschaftliche Integration Europas. Als Verbandspolitiker folgte R. ebenfalls dem Vorbild seines Vaters, ohne allerdings dessen herausragende Position zu erreichen. Einen Namen machte er sich überdies als Förderer der Künste und der Wissenschaften. Er stand 1951-67 an der Spitze des „Kulturkreises im Bundesverband der Dt. Industrie“, der in dieser Zeit abstrakte Kunst besonders förderte, und gehörte den Vorständen des „Stifterverbands für die Dt. Wissenschaft“ und des „Dt. Museums“ an.

    R. zählte zu den prägenden Unternehmern der Wiederaufbau- und Konsolidierungsphase der westdt. Wirtschaft. Begünstigt durch die alliierte Entflechtungspolitik, wandelte sich die GHH unter seiner Ägide zu einem der führenden dt. und europ. Maschinen- und Anlagenbaukonzerne.|

  • Auszeichnungen

    zahlr. Aufsichtsratsmandate; E. K. I u. II; Kgl. Hausorden v. Hohenzollern IV. Kl. mit Schwertern; Präs. d. Wirtsch.vereinigung Eisen- u. Stahlind. (1946); Präsidiumsmitgl. d. BDI (1949), d. Dt. Gruppe sowie d. d. Verw.rats d. Internat. Handelskammer (1948/49); Senator d. MPG (1951); Gr. BVK mit Stern (1956); Ehrensenator d. Univ. Tübingen (1956); Ehrenmitgl. d. Ver. Dt. Eisenhüttenleute (1956), d. VDI (1962) u. d. BDI (1968); Ehrenring (1956) u. Ehrenmitgl. (1959) d. Dt. Mus. München; Komturkreuz d. Silvesterordens (1960); Ehrenbürger v. Bad Mergentheim (1957), Ottobeuren (1957), Strümpfelbach (1960) u. Königsbronn (1965); Glückauf-Medaille d. Stadt Oberhausen (1962); Dr.-Ing. E. h. (RWTH Aachen, 1962); Ehrenring d. Stifterverbandes f. d. Dt. Wiss. (1965).

  • Literatur

    W. Salewski, in: Stahl u. Eisen, 1972, S. 276;
    D. W. v. Menges, Unternehmensentscheide, Ein Leben f. d. Wirtsch., 1976;
    B. Gerstein, in: Lb. aus d. Rhein.-Westfäl. Ind.gebiet, Jg. 1968-1972, 1980, S. 124-27 (P);
    H.-J. Joest, Pionier im Ruhrrevier, 1982;
    W. Bührer, Ruhrstahl u. Europa, Die|Wirtsch.vereinigung Eisen- u. Stahlind. u. d. Anfänge d. europ. Integration, 1986;
    ders., Der Kulturkreis im Bundesverband d. Dt. Ind. u. d. „kulturelle Modernisiserung“ d. Bundesrep. in d. 50er J., in: A. Schildt u. A. Sywottek (Hg.), Modernisierung im Wiederaufbau, Die westdt. Ges. d. 50er J., 1993, S. 583-95;
    C. Rauh-Kühne, Zw. „verantwortl. Wirkungskreis“ u. „häusl. Glanz“, Zur Innenansicht wirtsch.bürgerl. Familien im 20. Jh., in: D. Ziegler (Hg.), Großbürger u. Unternehmer, Die dt. Wirtsch.-elite im 20. Jh., 2000, S. 215-48;
    H. Weiß, Biogr. Lex. z. Dritten Reich, 21998;
    Munzinger. – Nachlaß: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv, Köln.

  • Autor/in

    Werner Bührer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bührer, Werner, "Reusch, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 457-458 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116452862.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA