• Genealogie

    V David (1787–1856), Möbelhändler in Karlsruhe, S des Handelsmanns Moses in Karlsruhe u. der Hanna Ellstädter;
    M Fanny Reutlinger (1799–1853);
    1864 Marie, T des Brauereibesitzers Adolf Traumann in Schwetzingen;
    S Otto David (1864–1939), Geh. Finanzrat in der badischen Zoll- u. Steuerdirektion, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Studium in Heidelberg und Bonn war E. im badischen Finanzministerium tätig und anschließend in Berlin an der von Dav. Hansemann gegründeten Diskontogesellschaft, aus der er 1859 als Syndikus wieder ausschied. Mit dem an der gleichen Bank tätigen K. Mathy verband ihn die bleibende Bewunderung und Hochschätzung der Einrichtungen des preußischen Staates. Eine 1859-64 in Karlsruhe betriebene Rechtsanwaltspraxis hatte nur geringen Erfolg, E. kehrte daher in den Staatsdienst zurück. Nach dem Kriege 1866 wurde er Ministerialrat im Finanzministerium unter Mathy als Minister. Die badischen Finanzen litten immer noch unter den Folgen der Revolution 1848/49 und wurden nun durch die Kriegskostenforderungen erneut in Bedrängnis gebracht, so daß das Land zur Aufnahme von Anleihen genötigt war. E. führte darüber in Mathys Auftrag erfolgreiche Verhandlungen mit ihm aus seiner Berliner Zeit her bekannten norddeutschen Finanzkreisen. Nach Mathys Tod 1868 trat er als Finanzminister in das Kabinett Jolly ein und behielt diesen Posten auch in den zwei folgenden Regierungen bis 1893. Gegen den Widerstand des Landtags gelang ihm eine grundlegende Steuerreform, durch die die Einkommensteuer zur direkten Hauptsteuer wurde. Damit erzielte er eine Steigerung der Staatseinnahmen bei gerechterer Verteilung der Steuerlast. Denselben Effekt erreichte seine Reform der Verbrauchssteuern. Die von ihm 13 Jahre lang angestrebte, auch politisch bedeutsame Aufnahme Badens in die norddeutsche Branntweinsteuergemeinschaft kam erst 1887 zustande. Seine Reformen machten Baden zu einem finanziell leistungsstarken Land. Als Bevollmächtigter beim Bundesrat seit 1871 wirkte er besonders bei der Reichsgesetzgebung über das Münzwesen mit und war wiederholt Mitglied des Reichsbankkuratoriums.

  • Werke

    Selbstbiogr. (ungedr., heute verschollen).

  • Literatur

    Chronik d. Stadt Karlsruhe f. 1905, S. 158-60;
    W. Andreas, Gespräche Bismarcks mit d. bad. Finanzmin. M. E., in: ZGORh 82, NF 43, 1929, S. 440-51;
    O. Ellstätter, in: Bad. Biogrr. VI, 1935, S. 280-96;
    BJ X (Tl. 1905, L).

  • Portraits

    Ölbild v. L. Kachel (Karlsruhe, Bad. Generallandesarchiv).

  • Autor/in

    Günther Haselier
  • Empfohlene Zitierweise

    Haselier, Günther, "Ellstätter, Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 460 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116452331.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA