Lebensdaten
1824 bis 1904
Geburtsort
Essen
Sterbeort
Berlin-Charlottenburg
Beruf/Funktion
Wirtschafts- und Sozialpolitiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116440619 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hammacher, Friedrich Adolf
  • Hammacher, Friedrich
  • Hammacher, Friedrich Adolf

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Zitierweise

Hammacher, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116440619.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Frdr. (1795–1857), S d. Joh. Karl, beide Essigbrauereibes. in E., u. d. Marie Korte;
    M Joh. Henr. Amalie (1794–1839), T d. Conr. Nic. Wilh. Lucanus, Salzmeister a. d. Saline in Salzuflen, u. d. Sophie Henr. Fischer;
    Mülheim/Ruhr 1851 Franziska (1821–95), T d. Carl Rollmann, Kaufm. in Warendorf, u. d. Elisabeth Verkrüzen;
    1 S, 4 T, u. a. Karl v. H. (preuß. Adel 1908, 1852-1936), Polizeipräs. in Aachen.

  • Leben

    H. besuchte das Gymnasium in Essen, studierte 1841-44 in Bonn und Berlin Jura und trat in den preußischen Justizdienst ein. Während des Studiums in Bonn kam er mit radikalen politischen Bestrebungen in Berührung. Mit Frilz Anneke, der wegen „kommunistischer“ Gesinnung aus dem Heer entfernt wurde, war er eng befreundet. Durch ihn wurde H. mit den westfälischen Radikalen und der sozialistischen Literatur der Zeit bekannt. Doch bewahrte ihn sein Wirklichkeitssinn vor einer zu doktrinären Haltung. 1848 betätigte er sich maßvoll in der Essener Demokratischen Partei, bis ihn Verlegung und Auflösung der Berliner Nationalversammlung veranlaßten, sich führend am Kampf gegen die Regierung zu beteiligen. Daraufhin wurde er bis April 1849 in Haft genommen und vom Dienst suspendiert. Von den gegen ihn erhobenen Anklagen wurde er freigesprochen, jedoch auf dem Disziplinarwege im September 1851 aus dem Staatsdienst entlassen. In den folgenden Jahren gelang es H., durch seine Berater- und Gutachtertätigkeit als Leiter des Mülheimer Büros eines Duisburger Rechtsanwalts, dann als Mitbegründer und Verwalter mehrerer Montangesellschaften in der Ruhrindustrie Fuß zu fassen. 1858 veranlaßte er die Begründung des „Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund“, als dessen Vorsitzender er bis 1890 – auch nach seiner Übersiedlung nach Berlin 1872 – für den Ruhrbergbau tätig war. Sein Verhandlungsgeschick, besonders im Ausgleich widerstrebender Interessen, sein praktischer Sinn und seine Energie bei der Durchsetzung gefaßter Beschlüsse fanden hier ihre|Bewährung. Nachdem H. sich schon in Mülheim und Essen kommunalpolitisch betätigt hatte, wurde er 1863 ins Abgeordnetenhaus gewählt. Er schloß sich der Fortschrittspartei an, löste sich jedoch immer mehr von früheren demokratischen Anschauungen. 1867 trat er der Nationalliberalen Partei bei. Als Parlamentarier – er gehörte bis 1898 dem preußischen Abgeordnetenhaus und 1869-98 mit Unterbrechungen dem Reichstag an – tat er sich auf den Gebieten der Wirtschafts- und Sozialpolitik hervor. Während der Krisenjahre nach 1873, in denen er sich wegen Beteiligung an einzelnen unsoliden Unternehmungen der Angriffe politischer Gegner erwehren mußte, wandelte er sich vom undogmatischen Freihändler zum gemäßigten Schulzzöllner. An der Bildung der „Freien Volkswirtschaftlichen Vereinigung“, deren Erklärung zur Zollpolitik er verfaßte, war H. wesentlich beteiligt, ebenso am Zustandekommen des Zolltarifgesetzes von 1879. Sozialpolitisch verwandte er sich besonders für Arbeiterbildung und Selbsthilfeprinzip, bekämpfte jedoch politische Emanzipationsbestrebungen der Arbeiter. Schon 1871 forderte er eine staatliche Arbeiterschutzgesetzgebung und begrüßte daher die Bismarcksche Sozialpolitik. Aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen trat er auch für eine deutsche Kolonialpolitik ein. 1885-92 war er 1. Vizepräsident des Kolonialvereins. Im Mai 1889 gelang es ihm, den Streik der Ruhrbergarbeiter beizulegen. Seine erfolgreiche Vermittlertätigkeit fand bei Regierung und Öffentlichkeit Anerkennung, führte aber wegen der den Arbeitern gemachten Zugeständnisse zum Bruch mit dem Bergbaulichen Verein. In den letzten Lebensjahren stieg H. immer mehr zu einer Führerstellung innerhalb der Nationalliberalen Partei auf, in der er zuletzt als Vorsitzender des Zentralvorstandes wirkte.

  • Literatur

    A. Bein, F. H., Lb. e. Parlamentariers u. Wirtsch.führers 1824-1904, 1932 (P);
    ders., in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogr. II, 1934, S. 46-67.

  • Portraits

    Gem. v. F. v. Lenbach, Abb. b. Bein, s. L.

  • Autor/in

    Friedrich Zunkel
  • Empfohlene Zitierweise

    Zunkel, Friedrich, "Hammacher, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 588 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116440619.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA