Lebensdaten
1903 bis 1983
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Los Angeles
Beruf/Funktion
Regisseur
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 116428953 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reisch, Walter

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Zitierweise

Reisch, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116428953.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Abraham, Bibl.;
    M Gisela Kreisler;
    1) 1934 N. N., 2) 1937 Elisabeth Handl (Ps. Poldy Dur), Ballerina an d. Staatsoper in W.;
    1 T.

  • Leben

    Nach dem Schulabschluß begann R. ein Medizinstudium, das er 1920 abbrach, um als Statist, Produktionsassistent und Hilfsregisseur bei dem Filmproduzenten Alexander Korda zu arbeiten. Nach kurzfristigen journalistischen Tätigkeiten beim Völkerbund in Genf und für das „Neue Wiener Tageblatt“ begann er 1925, Drehbücher zu schreiben, und galt schnell als Spezialist für Wiener Sujets. 1926 ging R. nach Berlin, wo er erfolgreiche Drehbücher für Trivialfilmproduktionen verfaßte. Mit Aufkommen des Tonfilms kooperierte er eng mit dem Regisseur Geza v. Bolvary (1897–1961), für den er sechs Drehbücher schrieb, u. a. die im Künstlermilieu spielende Wiener Operette „Zwei Herzen im 3/4-Takt“ (1929/30, Co-Autor: F. Schulz), die Liebeskomödie „Das Lied ist aus“ (1930) und als letzten gemeinsamen Film das Militärlustspiel „Liebeskommando“ (1931, Co-Autoren: F. Grünbaum u. Roda-Roda), In seinen Filmen wird sein Talent für witzig-pointierte Dialoge deutlich, aber auch dramatische Sujets waren ihm nicht fremd: Für die Ufa lieferte R. die Bücher u. a. zu „Das Flötenkonzert von Sanssouci“ (1930, Regie: G. Ucicky), in dem nationalistische Töne anklingen, oder für Karl Hartls Fliegerfilm „F.P.1 antwortet nicht“, in dem sich technische Aufbruchstimmung und patriotisches Pathos mischen. Auch für Friedrich Hollaenders Regiedebüt „Ich und die Kaiserin“ (1932/33) entwarf er ein von nonchalantem Sentiment getragenes Sujet. Jede operettenhafte Sentimentalität unterlief R. ironisch in dem 1932 mit Billy Wilder (1906–2002) verfaßten Drehbuch für die musikalische Komödie „Ein blonder Traum“ (Regie: P. Martin). Als Liedtexter gelangen ihm Evergreens wie z. B. „Alles verstehen heißt alles verzeih'n“ und „Flieger, grüß mir die Sonne“. 1933 arbeitete R. mit Wilder in Paris an einem Drehbuch, das erst 1942 von Julien Duvivier unter dem Titel „The Tales of Manhattan“ in den USA verfilmt wurde. Nach Wien zurückgekehrt, entstanden zusammen mit dem Schauspieler und Regisseur Willi Forst die Filme „Leise flehen meine Lieder“ (1933) über Franz Schubert und die Liebesromanze „Maskerade“ (1934), beide Filme Beschwörungen Wiener. Gemüts ebenso wie R.s Regiedebüt „Episode“ 1935 mit Paula Wessely

    1936 folgte R. einem Angebot nach London, 1937 ging er zu MGM nach Hollywood (amerik. Staatsbürger 1942). In den USA reüssierte er schnell als Komödienautor. Er war beteiligt am Drehbuch für Ernst Lubitschs Komödie „Ninotchka“ (1939, mit Ch. Brackett u. B. Wilder), lieferte die Vorlage für King Vidors Film „Comrade X“ (1940) und schrieb als Co-Autor das Drehbuch für Alexander Kordas Historienfilm „That Hamilton Woman“ (1941, mit R. C. Sherrif). R.schuf in Zusammenarbeit mit Charles Brackett und Richard Breen die Drehbücher zu „Niagara“ (1952, Regie: H. Hathaway) und „Titanic“ (1953, Regie: J. Negulesco). Nach dem vergeblichen Versuch, seine Karriere Mitte der 50er Jahre in der Bundesrepublik fortzusetzen, arbeitete er bis 1959 in Hollywood als Autor und Produzent für Filme von Rouben Mamoulian, Richard L. Breen, Henry Koster und Henry Levin.|

  • Auszeichnungen

    Preis f. d. beste Drehbuch, Biennale Venedig (1934); Oscar Nominierung (Drehbuch) f. „Comrade X“ (1940); Oscar (Drehbuch) f. „Titanic“ (1953, mit Ch. Brackett u. R. Breen).

  • Werke

    Drehbuch u. a. zu: Seine Hoheit, d. Eintänzer, 1926 (Regie: K. Leiter);
    Die elf Teufel, 1927 (Regie: Z. Korda);
    Die Nacht gehört uns, 1929 (mit W. Supper, auch franz. Regie: C. Froelich);
    Hokuspokus, 1930 (mit Karl Hartl;
    Regie: G. Ucicky);
    Ein Tango f. Dich, 1930 (Regie: G. v. Bolvary);
    Der Herr auf Bestellung, 1930 (Regie: G. v. Bolvary);
    Escapade, 1935 (Regie: R. Z. Leonard;
    Remake v. „Maskerade“);
    The Great Waltz, 1938 (mit S. Hoffenstein, Regie: J. Duvivier);
    That Uncertain Feeling, 1941 (Regie: E. Lubitsch;
    Adaption);
    The Fan, 1949 (mit D. Parker, R. Evans;
    Regie: O. Preminger);
    Journey to the Center of the Earth, 1959 (mit C. Brackett;
    auch Produktion;
    Regie: H. Levin). – Drehbuch u. Regie: Silhouetten, 1936 (auch Produktion);
    Men Are Not Gods, 1936;
    Song of Scheherazade, 1946/47;
    Die Mücke, 1954;
    Der Cornet, 1955.

  • Literatur

    H. G. Weinberg, An Interview with W. R. u. Last Memories by W. R., in: ders., The Lubitsch Touch, 1968, S. 215, 228-30;
    H. Holba, Bolvary & R., in: F – Filmjournal, Nr. 5, Aug./Sept. 1978;
    ders., Drehbücher nach Maß, ebd., Nr. 10, Febr. 1979;
    C. Schnauber, Die publikumswirksame Dramaturgie d. W. R., in: NZZ v. 17.6.1982;
    F. Arnold, „Und so wurde ich Spezialist f. Frauenrollen“, in: Film-Korr., Nr. 10 v. 10.5.1983;
    J. Greenberg, in: Backstory 2, Interviews With Screen Writers of the 1940s and 1950s, hg. v. P. McGilligan, 1991, S. 201-45 (P);
    T Elsaesser, Flieger, grüß mir d. Sonne, Österr. u. W. R., in: Ohne Untertitel, hg. v. R. Bekkermann u. C. Blümlinger, 1996, S. 325-53;
    Spalek I;
    Kürschner Lit.-Kal., Nekr. 1971–98, 1999;
    Hist. Lex. Wien;
    BHdE II;
    CineGraph (Filmogr).

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Reisch, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 386-387 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116428953.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA