Lebensdaten
1792 oder 1793 bis 1846
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Misdroy auf Wollin
Beruf/Funktion
Turnpädagoge
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116426322 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eiselen, Ernst Wilhelm Bernhard
  • Eiselen, Ernst W. B.
  • Eiselen, Ernst
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Zitierweise

Eiselen, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116426322.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christoph (1752–1816), Bergrat in Berlin (s. ADB V);
    M Charlotte Wilh. Teßler ( 1839);
    B Joh. Frdr. Gottfr. (1785–1865), Prof. der Nationalökonomie in Halle (s. ADB V);
    Eberswalde 1829 Joh. Louise Putsch, Kaufm.tochter aus Spandau;
    2 S, 3 T.

  • Leben

    E., der zunächst Bergbau studierte, war seit 1811, dem Gründungsjahr des 1. deutschen Turnplatzes auf der Hasenheide in Berlin, ein begeisterter Anhänger von F. L. Jahn und der jungen Turngemeinde. Bei Kriegsausbruch 1813 wegen schwerer Krankheit, von der er nie ganz genesen sollte, aus dem Heer entlassen, übernahm er auf Jahns Ersuchen während dessen Abwesenheit im Feld die Leitung des Berliner Turnbetriebes. Von nun an widmete er sich vollständig der Leibeserziehung, blieb nach Kriegsende Jahns Mitarbeiter und verfaßte mit diesem – mehr Methodiker und Theoretiker als Jahn – die „Deutsche Turnkunst“ (1816). 1819 erlebte er die Schließung des Turnplatzes und Jahns Gefangensetzung. In den Jahren schwerer Bedrängnis („Turnsperre“ bis 1842) leistete E. der Turnbewegung durch maßvolles Wirken als Lehrer und Schriftsteller wertvolle Dienste. 1825 eröffnete er mit ministerieller Erlaubnis einen „Fecht- und Voltigiersaal“, 1828 einen Turnsaal, 1832 eine Mädchenturnanstalt, 1836 eine Anstalt zur Ausbildung von Turnlehrern. E.s Unternehmen, in denen das Turnen unter bewußtem Verzicht auf nationalpolitische Ideen gepflegt wurde, erfreuten sich regen Zulaufs. Den Übungsstoff|erweiterte er durch Hinzunahme von Freiübungen, von Übungen mit Handgeräten und durch Einführung neuer Turngeräte. Durch seine Schriften, vor allem die „Turntafeln“ (1837), erschloß er die Turnkunst weiten Kreisen. Seine Tätigkeit trug dazu bei, die Aufmerksamkeit der Behörden wachzuhalten und das Mißtrauen gegen das deutsche Turnen zu überwinden. 1846 wurde E. die Leitung des neu errichteten Turnplatzes in Moabit bei Berlin übertragen, die er jedoch nur kurze Zeit wahrnehmen konnte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Das dt. Hiebfechten, 1818; Abriß d. dt. Stoßfechtens, 1826;
    Der Wunderkreis, 1829; Über Anlegung v. Turnplätzen u. Leitung v. Turnübungen, 1844.

  • Literatur

    ADB V;
    G. Schweder, Rede u. Gebet b. d. Bestattung E.s nebst d. Verstorbenen Lebensbeschreibung v. [H. F.] Maßmann, 1846;
    A. Böttcher, Mitt. aus E.s Tagebuch, in: Dt. Turnztg. 19, 1874;
    Hdb. d. gesamten Turnwesens I, 1928 (W, L, P);
    E. Neuendorff, Gesch. d. neueren dt. Leibesübung …, 4 Bde., 1930 ff. (P in III);
    B. Saurbier, Gesch. d. Leibesübungen, 1955.

  • Autor/in

    Grete Ronge
  • Empfohlene Zitierweise

    Ronge, Grete, "Eiselen, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 409-410 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116426322.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eiselen: Ernst Wilhelm Bernhard E., geb. 27. Septbr. 1793 zu Berlin, besuchte daselbst das Gymnasium zum Grauen Kloster, welches er als Primaner verließ, um sich dem Bergfach zu widmen. Als Jahn seine ersten Versuche zur Einführung des Turnens unternahm, fand sich auch E. unter seinen Schülern ein und ward bald einer der tüchtigsten und sachkundigsten Turner. Als nach dem Ausruf des Königs 1813 alle waffenfähigen Turner ins Feld zogen, ging auch E. nach Breslau, um in die Reihen der Freiwilligen zu treten, wurde aber, da sein Körper — durch fehlerhafte Behandlung einer Krankheit geschwächt — den Anstrengungen des Krieges nicht gewachsen schien, von Jahn vermocht, nach Berlin zurückzukehren und während des Krieges die Leitung des Turnplatzes zu übernehmen. Nach Jahn's Rückkehr aus dem Kampfe war E. dessen Gehülfe und Mitlehrer auf dem Turnplatze und gab auch mit Jahn gemeinschaftlich 1816 die „Deutsche Turnkunst“ heraus. E. war klein und schwächlich von Körper, aber gewandt durch ausdauernde Uebung; für die Entwicklung des turnerischen Uebungsstoffes hat er in sehr verdienstvoller Weise gearbeitet.

    Als 1819 die Turnplätze geschlossen wurden, begann E., sich in der Erdkunde, Mathematik und Geschichte zum Lehrer auszubilden. Als solcher war er bald darauf in der Plamann'schen Anstalt thätig, deren Turnlehrer er schon seit 1814 gewesen. Seinen Bemühungen gelang es, 1825 in Berlin wieder eine Turnanstalt anzulegen. Diese (Privat-)Anstalt hat bis in die neueste Zeit bestanden, Tausende von Schülern unterrichtet und für die Turnsache viele tüchtige Lehrer ausgebildet. 1846 wurde E. zum Leiter des großen öffentlichen Turnplatzes zu Moabit bei Berlin berufen. Bald darauf mußte er jedoch zur Stärkung seiner Gesundheit nach Misdroy ins Seebad gehen, wo er am 22. August 1846 starb. Von Schriften Eiselen's sind zu nennen: „Das deutsche Hiebfechten der Berliner Turnschule", 1818; „Abriß des deutschen Stoßfechtens", 1826; „Der Wunderkreis", 1829; „Die Hantelübungen", 1833; „Turntafeln", 1837; „Merkbüchlein für Anfänger im Turnen", 1838; „Ueber Anlegung von Turnplätzen“, 1844; „Abbildungen von Turnübungen“, gezeichnet von Robolsky und Töppe, 1845.

  • Autor/in

    Angerstein.
  • Empfohlene Zitierweise

    Angerstein, "Eiselen, Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 763 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116426322.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA