Lebensdaten
1810 bis 1885
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Dichter ; Übersetzer
Konfession
jüdisch,lutherisch
Normdaten
GND: 116424907 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Braunfels, Lazarus
  • Braunfels, Ludwig
  • Braunfels, Lazarus

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Braunfels, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116424907.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (ursprünglich Feidel, 1772–1846) aus Darmstadt, Kaufmann in Frankfurt;
    M Jette (ursprünglich Gütle), T des Vorsängers Michael Lazarus Geiger, Großtante des Literarhistorikers Ludwig Geiger (1848–1919) in Berlin;
    1) Frankfurt 1852 Fanny Hochstädter (1808–65, jüdisch), T des Kaufmanns Benedikt Feist Scheyer in Frankfurt und der Vogel Lehren, 2) Quedlinburg 1866 Rosamunde Else Helene (lutherisch), T des Kreisphysikus Ludwig Spohr und der Marie Schrader;
    Stief- und Adoptiv-S Otto Jesaias Hochstädter genannt Braunfels (1841–1917, ⚭ Ottonie Ida Spohr, Schw seiner Stief-M), Bankier, Geheimer Kommerzienrat und spanischer Konsul in Frankfurt;
    2 S, 2 T aus 2), u. a. Walter (19.12.1882-19.3.1954, lutherisch, dann katholisch), Komponist;
    E Wolfgang (* 1911), Kunsthistoriker.

  • Leben

    B. studierte in Heidelberg Philosophie und Philologie, in Bonn Rechtswissenschaft, war zeitweise Redakteur und seit 1840 Rechtsanwalt in Frankfurt. Für die „Frankfurter Zeitung“ schrieb er viele politische Artikel, für das „Frankfurter Museum“ (herausgegeben von Theodor Creizenach und Otto Müller) Theaterberichte (1855/57). Sein Trauerspiel „Agnes“ [Bernauer] wurde in Frankfurt aufgeführt (Neuausgabe von C. Mahr, 1928). Das Nibelungenlied übersetzte er ins Neuhochdeutsche und gab es samt dem Urtext mit Einleitung und Wörterbuch heraus (1846). Er übersetzte auch Stücke von Molière, Ponsard, Banville. Seine besondere Liebe galt aber der spanischen Literatur. Er übersetzte und bearbeitete Dramen (Dramen aus und nach dem Spanischen, 2 Teile, 1856), übertrug Romanzen und lyrische Gedichte. Später wandte er sich ganz dem Don Quijote zu. Er plante eine kritische Ausgabe mit sprachlichem Kommentar, Übersetzung und inhaltlichen Erläuterungen. Was davon vorliegt, sind 15 Druckbogen in Großquart (5 Kapitel des 1. Teiles). Als die schnelle Durchführung des Planes sich als unmöglich erwies, vollendete B. wenigstens die Übersetzung und gab sie 1883 mit Anmerkungen heraus (Stuttgart, Collection Spemann, 4 Bände, Jubiläumsausgabe von Heinrich Morf, 1905, Neue Ausgabe von Hermann Tiemann, 2 Bände, 1934). Diese Übersetzung ist eine philologisch und sprachlich hervorragende Leistung von bleibendem Wert. B. sammelte zum Don Quijote eine|große Spezialbibliothek, zu der er einen ausführlichen Katalog anlegte. Sie ging nach seinem Tod in den Besitz der Staatsbibliothek Berlin über. Die spanische Regierung ernannte ihn in Anerkennung seiner Leistungen zum spanischen Konsul in Frankfurt.

  • Werke

    Weitere W Die Mainufer u. ihre nächsten Umgebungen, o. J.;
    Krit. Versuch üb. d. Roman „Amadís v. Gallien“, 1876.

  • Literatur

    ADB XLVII (W);
    C. Mahr, in: Jb. d. Freien Dt. Hochstifts zu Frankfurt a. M., 1927, S. 234-65 (zu „Agnes“);
    Kosch, Lit.-Lex. I. - Zu S Walter: K. Laux, in: MGG (W, L).

  • Autor/in

    Hans Rheinfelder
  • Empfohlene Zitierweise

    Rheinfelder, Hans, "Braunfels, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 559 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116424907.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Braunfels: Ludwig B., geboren zu Frankfurt a. M. am 22. April 1810, ebenda am 25. September 1885, besuchte das Philanthropin, dann|das Gymnasium, studirte in Heidelberg Philologie und Philosophie, mußte dann sein Studium unterbrechen und trat in die Redaction der Rhein- und Moselzeitung in Coblenz ein. Nach deren Unterdrückung ging er nach Bonn um Jurisprudenz zu studiren und ließ sich 1840 als Advocat in Frankfurt nieder, wo er bald durch seine Denkschärfe und sein erfolgreiches Auftreten vor Gericht eine angesehene Stellung sich erwarb. Seine dichterische Begabung trat schon früh in Uebersetzungen und in selbständigen Dichtungen auf, die meist in Zeitschriften zerstreut sind: ein Trauerspiel, „Agnes“, das in Frankfurt aufgeführt wurde, existirt als Manuscript für die Bühne gedruckt. Seine politische Neigung machte ihn zu einem wichtigen Förderer der „Frankfurter Zeitung“, für die er eine große Zahl politischer Artikel schrieb. Dabei war er rastlos auf litterarischem Gebiete thätig. In feiner und eigenartiger Auffassung schrieb er für die von Otto Müller und Theodor Creizenach in Frankfurt herausgegebene „ästhetische Wochenschrift“, das „Frankfurter Museum“, die Theaterberichte. In selbständigen Schöpfungen trat der vielseitige Mann hervor in seinem Werk „Die Mainufer und ihre nächsten Umgebungen. Mit 54 Stahlstichen, nach Originalaufnahmen von Fritz Bamberger“ (Würzburg, ohne Jahr). Er übersetzte das Nibelungenlied und gab Urtext und Uebersetzung zusammen heraus ("Der Nibelunge Not. Urtext mit gegenüberstehender Uebersetzung nebst Einleitung und Wörterbuch“. Frankfurt a. M. 1846). Seine bedeutendste und bleibende Thätigkeit entfaltete er auf dem Gebiete der spanischen Litteratur. Er übersetzte und bearbeitete spanische Dramen ("Dramen von und aus dem Spanischen“, 2 Theile, Frankfurt a. M. 1856; „Die Liebe als Arzt“ von Tirso de Molina [Pater Gabriel Tellez]). Bald aber fesselte ihn sein Interesse an Don Quijote und die mit dieser Dichtung zusammenhängende Frage. Er sammelte die Litteratur dafür und scheute für diese Specialbibliothek innerhalb seiner großen Büchersammlung keine Kosten, so daß er die seltensten Werke zusammenbrachte: diese kostbare Bibliothek erwarb nach seinem Tode die kgl. Bibliothek in Berlin als Ganzes mitsammt dem von B. verfaßten „Catalogue raisonné“. Das Ergebniß dieser Studien zeitigte als Vorarbeit das Werk: „Kritischer Versuch über den Roman Amadis von Gallien“ (Leipzig 1876). Sein Hauptwerk sollte eine kritische Ausgabe des Don Quijote werden. Ein vollständiger Commentar, der unter dem Texte sprachliche und grammatische Erklärungen sowie die Lesarten enthalten sollte, dem spanischen Texte gegenüber eine neue Uebersetzung und nach jedem Capitel sachliche „Erläuterungen“ waren dazu bestimmt, ein vollständiges Compendium über die Don Quijote-Litteratur an der Hand eines reinen Textes und einer richtigen und guten Uebersetzung zu werden. Von diesem Lebenswerk liegen 15 Druckbogen in Großquart vor, die bis zum Anfang des 6. Capitels des ersten Theiles reichen: der Verfasser mußte abbrechen, da für die Vollendung der Arbeit in solcher Fortführung bei der ihm eigenen Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit auch das längste Leben nicht gereicht hätte. Glücklicher Weise führte er, als er sich beschränken mußte, wenigstens die Uebersetzung vollständig aus: sie ist, reich mit sachlichen und sprachlichen Erläuterungen ausgestattet, in der „Deutschen Hand- und Hausbibliothek“ von W. Spemann erschienen ("Der sinnreiche Junker Don Quijote von la Mancha von Miguel de Cervantes Saavedra. Uebersetzt, eingeleitet und mit Erläuterungen versehen“, 4 Bände). Sie ist ein von der Wissenschaft unbestritten anerkanntes Meisterwerk, wie es nur der gründlichsten Kenntniß der Sprache, der Zeit, des Landes und des Volkes, dem eingehendsten und liebevollsten Studium entspringen kann. Das Lesepublikum hat den Werth dieser auch die deutsche Sprache meisterhaft handhabenden, alle früheren|Versuche weit überholenden Uebersetzung noch nicht so erkannt, daß der Don Quijote deutsch in keiner anderen Uebersetzung sollte gelesen werden. Von Seite Spaniens wurden die Verdienste des zum spanischen Consul in seiner Vaterstadt ernannten juristischen Fachmannes und Sprachgelehrten in hohem Maaße anerkannt. In Deutschland hat sich B. sowol in der romanistischen Wissenschaft als auch unter den Förderern der Weltlitteratur eine bleibende Bedeutung errungen.

  • Autor/in

    Veit Valentin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Valentin, Veit, "Braunfels, Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 209-211 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116424907.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA