Lebensdaten
1898 bis 1953
Geburtsort
Mitwitz (Oberfranken)
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Physiologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116415258 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rein, Hermann
  • Rein, F. Hermann
  • Rein, Friedrich Hermann
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Rein, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116415258.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Otto (1863–1914), Rentamtmann bzw. Rentenverw. d. Frhr. v. Wurtzburg, S d. Friedrich Wilhelm (1833–86), Landger.dir. in Leipzig, u. d. Nanni Liddy Schwarzenberg (1839–1901);
    M Marie Margarete (1860–1954), T d. Friedrich Hermann Hinzsch (1830–99), kgl. Brandvers.oberinsp., u. d. Louise Amalie Weber (1833–1914);
    B Wilhelm (1894–1953), Landwirt u. Kaufm., Erich (1899–1961), Maler u. Bildhauer (s. P), Johannes (1902–66), Dr., Dipl.-Chem.;
    1926 Elisabeth Maria Amalie (1902–2000), T d. Otto Joseph Heigl (1866–1936), Oberzollamtmann, u. d. Karoline Wilhelmine Klara Ockel (1876–1935);
    S Friedrich Hans (* 1942), Dr. med., Neurol. in Ladenburg, T Ursel (* 1939), Oberstudienrätin ebd.

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Mitwitz und Schweinfurt diente R. 1915-18 als kriegsfreiwilliger Marineflieger und studierte seit 1919 Medizin in Würzburg, seit 1921 in München (1923 Staatsexamen). Anschließend war er bis 1926 als Rockefeller-Stipendiat wieder am Physiologischen Institut Max v. Freys in Würzburg unter Paul Hoffmann (1884–1962) tätig, wo er 1923 promoviert wurde (Die Anwendung d. Elektrophorese z. Lokalanästhesie). Er folgte Hoffmann als dessen 2. Assistent nach Freiburg und hielt sich 1925/26 in Wien und Leipzig auf, um spezielle physikalische und chemische Methoden zu erlernen; 1926 wurde R. für Physiologie habilitiert (Die Gleichstrom-Leiter-Eigenschaften u. elektromotor. Kräfte d. menschl. Haut u. deren Auswertung z. Erkennung v. Funktionszuständen d. Organes). 1929 wurde er Extraordinarius und Abteilungsleiter am Freiburger Physiologischen Institut, 1932 o. Professor und Direktor am Physiologischen Institut der Univ. Göttingen, wo 1938 der nach seinen Plänen konzipierte Institutsneubau fertiggestellt wurde (1944 Dekan, 1945 Prorektor, 1946-48 Rektor).

    1927 erkannte R. die Möglichkeit einer unblutigen Blutflußmessung mittels Diathermie, die „Thermostromuhr“. 1931 widerlegte er die Vorstellung einer druckpassiven Durchblutung der Koronargefäße nach Morawitz und Zahn (Vasomotorische Regulationen, in: Ergebnisse d. Physiol. 32, 1931). 1932/33 entwickelte er den „Gaswechselschreiber“ nach einem der Thermostromuhr analogen Prinzip (Archiv f. experimentelle Pathol. u. Pharmakol. 167, 1932, 171, 1933). Im Verein mit der „Kramerschen Oxymetrie“ nutzte R. dieses Instrumentarium für weitere Forschungen, mit denen er das Gesetz vom Primat des Stoffwechsels über nervale oder humorale Faktoren formulierte und zeigen konnte, daß Adrenalin ein blutumverteilendes Hormon und die Leber ein Blutdepot zweiter Ordnung ist. R. trat dafür ein, die Funktionen des Organismus nicht an isolierten Organen, sondern deren Zusammenhang in Organsystemen zu untersuchen. Seine Ansätze entsprangen nicht aus biophysikalischer Beschreibung, sondern aus Versuchen zu Interferenzen oder Regulationen. Unterschiedliche Versuchsserien nahmen so wechselweise Bezug aufeinander, so daß sie über einen kombinatorischen Schluß die Hypothese sicherten.

    Im 2. Weltkrieg war R. Beratender Physiologe beim Chef des Sanitätswesens der Luftwaffe und einer der fünf führenden Koordinatoren der luftfahrtmed. Forschung. Im Herbst 1952 trat er die Leitung am MPI für Medizinische Forschung in Heidelberg an. Zwei seiner|Schüler, Kurt Kramer und Hans J. Bretschneider, besetzten nach ihm seinen Göttinger Lehrstuhl. R. war nach 1945 Mitbegründer des Dt. Forschungsrats und der Westdt. Hochschulkonferenz, war mitbeteiligt am Wiederaufbau der DFG und Gründungsmitglied der MPG für die brit. Zone sowie Mitglied des dortigen Scientific Advisory Board. Gegen die Position Alexander Mitscherlichs beteiligte er sich am sog. Anklagedokumentenstreit, der 1947/48 in der Göttinger Universitätszeitung ausgetragen wurde.|

  • Auszeichnungen

    Adolf-Fick-Preis f. Physiol. d. Univ. Würzburg (1929); Carl-Ludwig Medaille d. Dt. Ges. f. Kardiol. (1951); Hans-Horst-Meyer Medaille d. Ak. d. Wiss. Wien (1933); Cothenius Medaille d. Leopoldina (1942); Mitgl. u. a. d. Leopoldina (1932), d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1937) u. d. Dt. Ak. d. Wiss., Berlin (korr. 1942, o. 1949).

  • Werke

    u. a. Über d. Möglichkeit getrennter elektr. Reizung vegetativer u. spinal-motor., bzw. spinal-sensibler Elemente etc., in: Nachrr. d. Ges. d. Wiss. Göttingen, NF 1, H. 1, 1934, S. 1-4;
    Naturwiss.-math. Gegenwartsarbeit etc., ebd., NF 3, H. 18, 1937, S. 85-91;
    Die Wärmebildung d. Gewebe als steuernder Faktor ihrer Nutrition, ebd., NF 3, H. 11, 1939, S. 197-201;
    Über d. Abhängigkeit d. Energie-Umsatzes im Herzmuskel v. übrigen Organismus, ebd., NF 3, H. 13, 1939, S. 209-23;
    Die Physiol. als Ausgangs- u. Auswirkungsgebiet d. J. R. Mayerschen Energiegesetzes, in: Nova Acta Leopoldina 1942, Bd. 11 NF, S. 421-34;
    Über d. Beeinflussung v. Hypoxybiosen durch Milz u. Leber bei Haifischen, in: Nachrr. d. Ak. d. Wiss. Göttingen, Biol.-physiol.-chem. Abt., H. 2, 1949, S. 15-29;
    Milz-, Leber- u. Herzmuskel-Tätigkeit etc., ebd., H. 2, 1953, S. 17-20;
    Einf. in d. Physiol. d. Menschen, 1926, 101949 (fortgesetzt v. M. Schneider, dann v. K. F. Schmidt u. G. Thews);
    Hg.:
    Luftfahrtmed. (seit 1936);
    Ergebnisse d. Physiol. (seit 1944, seit 1932 Mithg.);
    Studium Generale (seit 1947);
    Mithg.:
    Pflügers Archiv (seit 1933);
    W-Verz.:
    Archiv d. Leopoldina, Halle;
    Wiss. Abhh. aus d. physiolog. Inst. d. Univ. Göttingen, Bde. 1-8 (seit 1931).

  • Literatur

    Verz. d. Nachrufe: Wiss. Abhh. aus d. physiolog. Inst. d. Univ. Göttingen, Bd. 9;
    – A. Mitscherlich u. F. Mielke, Wiss. ohne Menschlichkeit, 1949, S. 279-98;
    E. Wöhlich, in: Berr. d. Physikal.-Med. Ges. zu Würzburg, NF 66, 1951/53, 1954, S. 196;
    H. Schäfer, in: Dt. Med. Wschr. 78, 1953, S. 1304 f. (P);
    F. Grosse-Brockhoff, ebd. 93, 1968, S. 274-76 (P);
    W. Schoedel, in: Naturwiss. 40, 1953, S. 565 f. (P);
    O. F. Ranke, in: Münchner Med. Wschr. 95, 1953, S. 780 f.;
    A. v. Muralt, in: Ergebnisse d. Physiol. 48, 1955, S. 1-12 (P. W-Verz. unvollst.);
    Ch. Borschel, Das Physiolog. Inst. d. Univ. Göttingen 1840 bis z. Gegenwart, Diss. Göttingen, 1987, S. 149-69, 355-94;
    V. Zimmermann, Die Med. in Göttingen während d. nat.soz. Diktatur, in: Würzburger Med. Hist. Mitt. 9, 1991, S. 393-416;
    J. Peter, Der Nürnberger Ärzteprozeß, 1994, S. 222-45;
    K.-Th. Bretschneider, F. H. R., Diss. Göttingen, 1997;
    K. Dorner, A. Ebbinghaus u. K. Linne (Hg), Der Nürnberger Ärzteprozeß 1946/47, 2000, Erschließungsbd. S. 134;
    Göttinger Gel., S. 442 f. (P);
    E. Rein, Erinnerungen an H. R., Aus Tagebüchern, Briefen, Reden u. Aufss. (Ms., in Fam.bes.).

  • Portraits

    Büsten v. E. Rein, 1953 (Foyer d. Physiolog. Inst. Göttingen;
    Zool. Station „Anton Dohrn“, Neapel).

  • Autor/in

    Gerhard Müller-Strahl
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller-Strahl, Gerhard, "Rein, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 340-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116415258.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA