• Genealogie

    V Johann Gustav (1790–1861), aus Beamtenfamilie in Schlesien, 1817-51 am Oberbergamt Dortmund, seit 1851 Berghauptmann bzw. Direktor des Oberbergamts Halle/Saale, befreundet mit W. von Kügelgen;
    M Henriette Korte, aus westfälischer Familie;
    B Wilhelm und Gustav, Bergräte, Alexander, Großkaufmann in London, dessen S Hermann Alexander (* 1875), seit 1900 in USA, einer der anerkannten Führer des amerikanischen Eisenhüttenwesens;
    Siegen 1850 Anna Sophie Elisabeth (1820–83), T des Kreisgerichtsdirektors Carl Wilmans in Dortmund und der Eleonore Kottenkamp; 2 T.

  • Leben

    B. ist der bedeutendste Bergrechtsgelehrte des 19. Jahrhunderts. Er studierte 1841-44 Rechtswissenschaften in Berlin, Heidelberg, Bonn, wurde 1848 Assessor, 1850 Justitiar des Bergamts in Siegen und 1855 Oberbergrat des Oberbergamts in Bonn. Im Siegerland lernte er das zersplitterte, überalterte Bergrecht der preußischen Lande und seine Mängel kennen. Zugleich erlebte er die bergrechtlichen Einzelreformen der 50er Jahre mit der Beseitigung des Direktionsprinzips und der Neugestaltung des Arbeitsverhältnisses. Er begann alsbald eine rege literarische Tätigkeit: 1858 erschien sein Kompendium der Bergordnungen, 1861 die Materialien des Bergrechts im preußischen Landrecht, 1860 begründete er mit H. von Achenbach, dem späteren Handelsminister, die „Zeitschrift für Bergrecht“, die er bis zu seinem Tode bearbeitet und herausgegeben hat. - B. hatte sich innerhalb eines Jahrzehnts zum besten Kenner preußischen, deutschen und französischen Bergrechts entwickelt und erhielt daher 1861 den Auftrag, ein einheitliches Berggesetz für ganz Preußen zu entwerfen. Es entstand das Allgemeine Berggesetz vom 24.6.1865 (herausgegeben mit Einführungsgesetzen und Kommentar, 1888), in dem B. das alte Recht mit den freiheitlichen Reformen des 19. Jahrhunderts in wunderbar klarer Sprache zu einem einheitlichen Werk zusammengeschmolzen hat.

    Mitte 1864 wurde er Vortragender Rat im Handelsministerium und Ende 1864 Berghauptmann und Direktor des Oberbergamts in Bonn sowie Dr. utr. iur. h. c. der Universität Bonn. Seine zahlreichen Aufsätze behandeln Rechts- und Verwaltungsprobleme sowie Bergbaugeschichte und Bergrechtsentwicklung vieler Landschaften und Länder. Auch das Ziel eines einheitlichen deutschen Rechtes hatte er schon bei der Schaffung des preußischen Gesetzes vor Augen. Die unbeschränkte Bergbaufreiheit in seinem Gesetz, die dem ersten Finder jedes bauwürdigen, nutzbaren Minerals das Abbaurecht zusicherte, ermöglichte den großen Aufschwung des deutschen Kohlen- und Salzbergbaues während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mußte allerdings nach 1900 wegen stark mißbräuchlicher Ausnutzung wieder aufgehoben werden.

  • Werke

    Weitere W Bergordnungen d. preuß. Lande, 1858;
    Das Bergrecht des Allg. Preuß. Landrechts in seinen Materialien, 1861;
    zahlr. Abhh. in: Zs. f. d. Berg-, Hütten- u. Salinenwesen im preuß. Staate, 1855–57, u. Zs. f. Bergrecht, 1860–1901;
    Verz. s. Zs. f. Bergrecht 42, 1901, S. VII-XVII.

  • Literatur

    A. Loerbroks, H. B., in: Zs. f. Bergrecht 42, 1901, S. I-XVIII (P);
    W. Westhoff u. W. Schlüter, Gesch. d. dt. Bergrechts, ebenda, 50, 1909, S. 492 bis 532, 51, 1910, S. 93-128;
    W. Serlo, Die Fam. B., in: Glückauf, 1927, S. 1082, 1747;
    ders., Bergmannsfam. im Rhld. u. Westf., = Rhein.-Westfäl. Wirtschaftsbiogrr. III, 1936, S. 179-91 (P);
    ders., Männer d. Bergbaus, 1937, S. 25 f.;
    R. Schlüter, Die preuß. Bergwerksverwaltung einst und jetzt, Zum 75jähr. Bestehen des Preuß. Berggesetzes, Diss. TH Berlin 1940;
    BJ VI, S. 436 (u. Totenliste 1901).

  • Portraits

    Reliefbild im Sitzungssaal d. Oberbergamts in Bonn u. im Treppenhaus d. Bergbaugebäudes d. TH Aachen; Reliefbild v. H. Netzer (Düsseldorf) am B.-Denkmal in Bonn, 1921.

  • Autor/in

    Wilhelm Pieper
  • Empfohlene Zitierweise

    Pieper, Wilhelm, "Brassert, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 536 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116409029.html#ndbcontent

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