• Genealogie

    V Johannes ( 1765), Pfarrer;
    M Magdalena Wild;
    1783 Hedwig Marg. Sonnenburg (1746–1818) aus Stolzenau/Weser; kinderlos.

  • Leben

    E., dessen botanische Kenntnisse schon in der Jugend die Aufmerksamkeit A. von Hallers erregt hatten, betrieb zunächst unter dem Einfluß seines Vaters Landwirtschaft,|besonders Obstbau, wurde aber nach dessen Tode Apotheker. 1770 nahm er eine Anstellung in Hannover bei dem Apotheker Johann G. R. Andreae an, der E.s wissenschaftlichen Eifer auf botanischem Gebiet würdigte und auch später, nach beruflicher Trennung, sein „Gutthäter“ blieb. Zu ihm kehrte E. nach mehrjährigem Aufenthalt in Schweden – Stockholm und Upsala, wo er die beiden Linnés hörte – 1776 zurück. In der Folge gab er K. von Linnésdes Jüngeren Supplementum systematis vegetabilium, generum et specierum plantarum (Braunschweig 1781) heraus und bereiste in amtlichem Auftrag 1780-83 die hannoverischen Lande. Danach kurfürstlicher Botaniker in Herrenhausen, lebte er der Herstellung von Herbarien und der Herausgabe der Beiträge zur Naturkunde (Hannover 1787-92), an der unter anderem auch K. W. Scheele mitwirkte. – E. war ein scharfer Beobachter und Diagnostiker, der viele Linnéschen Bestimmungen verbesserte und zahlreiche neue Pflanzenarten, besonders im Bereich schwieriger Gattungen, der Riedgräser, Farne und Moose, erstmals beschrieb. Trotz mancher Kritik blieb er ein Schüler Linnés und seines künstlichen Systems, das er allerdings auf die 13 ersten Klassen beschränken wollte. Bemühungen um ein natürliches System gegenüber war er gleichgültig, selbst wenn sie von Haller ausgingen, machte aber andererseits treffende biologische Beobachtungen, etwa über das Dickenwachstum der Pflanzen und die Bestäubung der Blüten durch Insekten, die der Kenntnis seiner Zeit vorauseilten. Zwar wurde die Flora hannoverana, mit der er beauftragt war, aus mangelnder amtlicher Förderung wie auch wegen E.s vielseitigen anderen Aufgaben nicht fertig, doch sind seine Vorarbeiten, zum Beispiel sein Reisetagebuch, als Pionierleistungen der botanischen Erforschung Nordwestdeutschlands unter anderem in G. F. W. Meyers „Chloris hanoverana“ (1836) eingegangen. Um die Hebung des Apothekerstandes war E., sein sonstiges Wissen lebendig nutzend, durch Vorschläge an die Regierung auch in hygienischer und volkswirtschaftlicher Beziehung besorgt. Er entdeckte und analysierte verschiedene Heilquellen des Landes, unter anderem die von Limmer. Mit Gelehrten seiner Zeit führte er einen ausgedehnten Briefwechsel. Ein leicht kränkbares Selbstbewußtsein, eine Neigung zu nicht selten maßloser Polemik brachte ihn in Widerspruch mit J. A. Murray und F. von P. von Schrank, aber auch mit befreundeten Fachgenossen wie J. Hedwig. Teile seines Herbars werden im Göttinger Botanischen Institut aufbewahrt.

  • Literatur

    ADB V;
    F. Alpers, F. E., Mitt. a. s. Leben u. s. Schrr., 1905, = Separate Schrr. d. Ver. f. Naturkde. a. d. Unterweser 2 (W, ältere L, P);
    W. Brachmann, in: Pharmazeut. Ztg. 90, 1954, S. 879-83 (P);
    K. Wein, in: Svenska Linnésällskapet Årsskrift 14, Upsala 1931;
    J. V. Suringar, Het bezoek van den botanicus E. aan ons land in 1782, in: Jaarboek Nederlandsch Dendrol. Vereeniging 5, Wageningen 1929, S. 91-104;
    Pogg. I.

  • Autor/in

    Martin Müllerott
  • Empfohlene Zitierweise

    Müllerott, Martin, "Ehrhart, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 358 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116408111.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ehrhart: Friedrich E., Botaniker, geb. zu Holderbank im Canton Bern 1742, 1795. Er widmete sich von Jugend an dem Studium der Naturwissenschaften, ging 1765 zur Erlernung der Apothekerkunst nach Nürnberg, lebte darauf als Apothekergehülfe in Erlangen, Hannover, Stockholm (wo er bei Bergius hörte) und Upsala, wo er 1774—76 unter den beiden Linné u. A. studirte. Darauf lebte er in Hannover, wo er die Sammlungen des Apothekers Andreä ordnete und die ersten Decaden seiner getrockneten Pflanzen, so wie das „Supplementum plantarum“ des jüngeren Linné herausgab. Von 1780—83 bereiste er im Auftrag der hannöverschen Regierung das Kurfürstenthum zu botanischen|Zwecken und wurde darauf als kurfürstl. Botaniker am Garten zu Herrenhausen angestellt. Hier setzte er die Herausgabe seiner „Decaden“ fort (Plantae cryptogamicae, 34 Decc.; Calamariae, Gramina et Tripetaloideae, 14 Decc.; Plantae officinales, 46 Decc.; Herbae, 16 Decc.; Arbores, 16 Decc.) und gab seine „Beiträge zur Naturkunde und den damit verbundenen Wissenschaften“, 7 Bde., 1787—92 heraus.

    • Literatur

      Autobiographie in Usteri's Annalen der Botanik, 19. Stück, S. 1—9. A. Sprengel bei Ersch und Gruber I. Sect. 31. Bd. S. 461.

  • Autor/in

    v. L.
  • Empfohlene Zitierweise

    L., von, "Ehrhart, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 713-714 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116408111.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA