Lebensdaten
1792 bis 1847
Geburtsort
Immichenhain (Niederhessen)
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116392851 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rehm, Friedrich
  • Rehm, Fridericus

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Zitierweise

Rehm, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116392851.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Pfarrersfam.;
    V Hermann Friedrich (1763–1827), Dr. phil., Pfarrer (s. Strieder; Meusel, Gelehrter Teutschland), S d. Johann Friedrich;
    M Marie Lisette Geise; ledig.

  • Leben

    R. studierte seit 1808 in Marburg, seit 1812 in Göttingen zunächst hauptsächlich Theologie, dann intensiver Geschichte. Eine aus finanziellen Gründen notwendige Anstellung als zweiter Stipendiaten-Major an der Univ. Marburg (1814) nutzte er, um 1815 mit der Arbeit „Historia votorum biblica“ den Dr. phil. und gleichzeitig die Habilitation zu erwerben. Seitdem las er über alle Bereiche der Geschichte von der Antike bis zur Neuzeit, später auch über hess. Geschichte und Kirchengeschichte, dazu historische Hilfswissenschaften und die sog. historische Enzyklopädie. 1818 wurde er ao. Professor, 1820 Ordinarius, amtierte mehrmals als Dekan und Prorektor und vertrat seit 1840 die Univ. Marburg in der hess. Ständeversammlung.

    R. verkörpert in Lehre und Publikationen den Übergang zur professionalisierten Geschichtswissenschaft mit der Zuwendung zur Quellenforschung. Zeugnis davon gibt u. a. sein vielbenutztes „Lehrbuch der historischen Propädeutik und Grundriß der allgemeinen Geschichte“ (1830, Neudr. 1994), das sein Nachfolger Heinrich v. Sybel 1850 und 1864, jeweils mit Nachträgen versehen, herausgab. Der Schwerpunkt von R.s Publikationen lag auf Lehr- und Handbüchern, die seine Vorlesungen begleiteten, so z. B. Grundrisse der Universalgeschichte (1819 u. 1826) sowie der Geschichte des Mittelalters (1826) und der christl. Kirche (1835). Sein umfangreichstes Werk ist das „Handbuch der Geschichte des Mittelalters“ (8 Bde., 1821–39), das über die westeurop. Geschichte hinaus auch Nord- und Osteuropa, den Balkan, die mongol. Reiche und den arab.-pers. Raum einbezog und bestrebt war, Quellen und Literatur kritisch zu sichten und zu vergleichen. Sein detailreiches „Handbuch der Geschichte beider Hessen“ (2 Bde., 1842/46) blieb Fragment.

  • Literatur

    ADB 27;
    Selbstbiogr., in: F. W. Strieder, Grundlagen zu e. hess. Gelehrten- u. Schriftst.-Gesch. 19, 1831, S. 522-31;
    NND 25, 1847, S. 691-95;
    I. Kräling. Marburger Neuhist. 1845-1930, 1985;
    D. Fleischer u. H. Schleier. F. R. u. seine Einf. in d. hist. Forsch, u. Kunst, in: F. R., Lehrb. der hist. Propädeutik, 1994, S. V-XLIII;
    S. Jordan, Gesch.theorie in d. ersten Hälfte d. 19. Jh., 1999;
    ders. (Hg.), Schwellenzeittexte, 1999, S. 331 f.

  • Portraits

    Lith., Abb. in: Imagines professorum Ac. Marburgensis, 1977, S. 94.

  • Autor/in

    Hans Schleier
  • Empfohlene Zitierweise

    Schleier, Hans, "Rehm, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 284 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116392851.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rehm: Friedrich R., Historiker. Geboren am 27. November 1792 zu Immichenhain, einem im niederhessischen Kreise Ziegenhain gelegenen Dorfe, wo sein Vater, der sich als Schriftsteller ebenfalls bekannt gemacht hat, als Pfarrer wirkte. Die ersten sechzehn Jahre seines Lebens verbrachte R. im väterlichen Hause oder bei seinem mütterlichen Oheim und erhielt hier auch den gelehrten Unterricht, ohne je ein Gymnasium zu besuchen. Für das Studium der Theologie bestimmt, bezog er im J. 1808 die Universität Marburg, wo er die Zeit, die ihm die theologischen Vorlesungen übrig ließen, den historischen Studien, für welche er frühe eine ausgesprochene Neigung gefaßt hatte, widmete. Unter den Lehrern, welchen er ein dankbares Gedächtniß bewahrte, nennt er u. a. Arnoldi, Creuzer, Justi, Tennemann und Wachler. Im April 1811 wurde er nach den bestandenen vorschriftsmäßigen Prüfungen unter die Candidaten des Predigeramtes aufgenommen und übernahm hierauf eine Hofmeisterstelle, ohne jedoch in jenem Berufe oder in dieser Stellung eine Befriedigung zu finden. Sein lebhafter Wunsch war, sich ganz dem Studium der Geschichte widmen zu können, um später als akademischer Lehrer aufzutreten. Er erreichte es auch, daß er im October 1812 die Universität Göttingen besuchen durfte, wo er, ohne die Theologie völlig zu vernachlässigen, besonders G. J. Planck, Heeren und Sartorius hörte und daneben die Bibliothek fleißig benutzte. Am 14. Juni 1814 wurde ihm von der theologischen Facultät für die Bearbeitung der Abhandlung „Historia precum biblica“ der Preis zuerkannt. Man hatte ihn indeß auch in Marburg nicht vergessen. Bald nach der Rückkehr des Kurfürsten aus der Verbannung erhielt R. Anfangs September des genannten Jahres die Berufung als „Major" an das sogenannte „Stipendium“, eine bereits von dem Landgrafen Philipp gegründete Anstalt, an welcher er die Studien der „Minoren“, d. h. der in dieselbe aufgenommenen Studirenden der Theologie zu leiten hatte. Diese Anstellung entschied zugleich seine Zukunft. Er sah sich jetzt in der Lage, an die Verwirklichung seines Lieblingsgedankens im Ernste zu denken und sich für das Fach der Geschichte in Marburg zu habilitiren. Im April 1815 erwarb er sich zu diesem Zwecke die philosophische Doctorwürde und schon drei Tage darauf eröffnete er seine Vorträge über „Allgemeine Geschichte“, für welche er eine besondere Neigung verspürte und deren Darstellung auch der größte Theil seiner Schriften gewidmet ist. Von da an stieg er rasch aufwärts. Schon nach drei Jahren im April 1818 wurde er zum außerordentlichen Professor an der philosophischen Facultät und zwei Jahre später, am 26. September 1820, zum ordentlichen Professor der Geschichte und zum dritten Universitätsbibliothekar ernannt. R. scheint eine besonders für die praktische Wirksamkeit angelegte Natur gewesen zu sein. Zweimal hat er das Amt des Prorectors begleitet, längere Zeit war er Mitglied der sogenannten Universitätsdeputation und ständiges Ausschußmitglied der Stadt Marburg, eine Thätigkeit, die im J. 1834 durch die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt ihre deutliche Anerkennung erhielt. Wiederholt zum Abgeordneten der Landesuniversität gewählt, vertrat er dieselbe seit dem Jahre 1840 bis zu seinem Tode. Mitten in dieser Wirksamkeit überraschte ihn am 5. November 1847, als er von einem fröhlichen Gelage auf der Wilhelmshöhe nach Kassel zurückkehrte, der Tod. Seine Thätigkeit als Lehrer hatte wohl schon seit Jahren eine Minderung erfahren, so daß bereits im J. 1845 ein Ersatzmann für ihn berufen wurde. Seine litterarischen Arbeiten, die, wie erwähnt, ausschließlich der Geschichte des Mittelalters zugewandt waren, haben eine bleibende Bedeutung nicht erworben. Nur sein „Lehrbuch der historischen Propädeutik“ (Marburg 1830) hat, weil es einem vorhandenen Bedürfnisse entsprach, nach seinem Tode eine von seinem Amtsnachfolger Heinrich v. Sybel besorgte neue Ausgabe erfahren.

    • Literatur

      Vgl. Meusel, Gesch. des gelehrten Deutschland im 19. Jahrh. 7. Bd. (Lemgo 1823), S. 269.— K. W. Justi, Grundlage zu einer hessischen Gelehrten-, Schriftsteller- und Künstler-Geschichte (Marburg 1831), S. 522—531 (von R. selbst bearbeitet und bis zum Jahre 1829 reichend). — Neuer Nekrolog der Deutschen. 25. Jahrg. 1847, 2. Thl., S. 691—695.

  • Autor/in

    Wegele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wegele, Franz Xaver von, "Rehm, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 600 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116392851.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA