Lebensdaten
1891 bis 1960
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Schuls (Kanton Graubünden)
Beruf/Funktion
Dramatiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116392401 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Holme, H. G. Tennyson (Pseudonym)
  • Kestner, René (Pseudonym)
  • Phillips, Sydney (Pseudonym)
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Zitierweise

Rehfisch, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116392401.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eugen, Arzt in B.;
    M Hedwig Manczyk;
    1) 1917 ( 1938) Lilli Stadthagen, 2) 1942 Antonie Wald;
    2 K aus 1) Thomas (* 1918), Beate (* 1919).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Berliner Leibnizgymnasium studierte R. 1909-12 Jura, Philosophie und Nationalökonomie in Berlin und Grenoble. 1914-18 nahm er am 1. Weltkrieg teil und wurde 1916 in Würzburg bei Arnold v. Mendelssohn-Bartholdy mit der Arbeit „Die rechtliche Natur der Enteignung“ zum Dr. iur. et. rer. pol. promoviert. Seit 1923 Syndikus einer Filmgesellschaft, übernahm R. mit Erwin Piscator (1893–1966) die Direktion des Central-Theaters in Berlin. Nach dem Erfolg seiner Besserungskomödie „Wer weint um Juckenack“, die Piscator 1925 mit Heinrich George an der Berliner Volksbühne inszenierte, gab er seinen Anwaltsberuf auf. R., bis zum Ende der Weimarer Republik einer der meistgespielten dt. Dramatiker, wurde einer der „Hausautoren“ an Leopold Jeßners Berliner Staatsschauspiel. 1933 emigrierte er nach Wien, 1936 nach London, wo er weiterhin für das Theater schrieb. Für die BBC sowie in Emigrantenvereinigungen („Free German League of Culture“, „Club 1943“) tätig, gab er 1944 die Anthologie „In Tyrannos, Four Centuries of Struggle Against Tyranny in Germany“ heraus. 1946 ging R. nach New York, wo er in Piscators „Dramatic Workshop“ lehrte. 1950 kehrte er nach Hamburg, später München, zurück, produzierte Hörspiele und zeitkritische Dramatik, fand aber keinen Anschluß an die ästhetische Entwicklung des westlichen Nachkriegstheaters (Existentialismus, Absurdes Theater). Neben zahlreichen Hörspielen seine zeitkritische Dramatik der späten Weimarer Zeit fortsetzend, hatte er in der Bundesrepublik mit der antimilitaristischen Heimkehrerkomödie „Oberst Chabert“ (1956) nur noch einen einzigen großen Erfolg. Die DDR hingegen umwarb R. und wußte ihn ideologisch zu instrumentalisieren.

    R.s Stücke der 20er Jahre griffen die dominanten ästhetischen Tendenzen und gesellschaftlichen Probleme der Zeit auf. Den stilistischen Eklektizismus, den in der ,Moderne'|nicht nur populäre Autoren praktizierten, nutzte er als Erfolgsmittel: Nach dem 1. Weltkrieg schrieb er zunächst Tragödien (Der Chauffeur Martin, 1918), wandte sich jedoch bald mit einer ganzen Generation von Expressionisten der Komödie zu (Die Erziehung durch „Kolibri“, 1921). Wenig später widmete sich R. dem Volksstück (Nickel u. d. 36 Gerechten, 1926, Nachdr. 1954), um sich im Sog der Neuen Sachlichkeit dramatischen „Reportagen“ zuzuwenden. Seit 1928 arbeitete er auch als Drehbuchautor. Seine Stoffe wählte R. nach ihrer gesellschaftlichen Aktualität, um sie plakativ und bühnenwirksam zu gestalten. Seine juristische Ausbildung nutzte er sowohl motivisch als auch bei der faktologischen und quasi forensischen Anlage vieler seiner Stücke, die so als Tribunale gegen gesellschaftliche Mißstände auftraten und das Publikum zum Urteil aufriefen. Sein dramaturgisches Können stellte er zunehmend in den Dienst eines linksdemokratischen Engagements (u. a. „Der Frauenarzt“ u. „Die Affäre Dreyfus“ mit Wilhelm Herzog, beides 1929). Daß R. aus einer dem Publikum „vertrauten Theateranschauung heraus“ schrieb (H. Ihering in: Berliner Börsen-Courier v. 2.2.1925), bescherte ihm fast 30 Jahre lang Erfolg; literaturwissenschaftlich interessant wurde er erst für die Exilforschung. Unter R.s ca. 40 Dramen blieb lediglich sein „schwächstes Werk“ (Ritchie) „Wasser für Canitoga“ (mit Egon Eis, 1936) im Medium der 1938/39 im nationalsozialistischen Deutschland entstandenen Verfilmung von Herbert Selpin mit Hans Albers bis in die Gegenwart bekannt.|

  • Auszeichnungen

    Vors. d. Verbandes dt. Bühnenschriftst. u. -komponisten (1931-33, 1951-54, 1956-57); BVK 1. Kl. (1956); Ehrenpräs, d. Vereinigung dt. Schriftst.verbände (um 1958); Präs. d. Ges. z. Verwertung lit. Urheberrechts (GELU) (um 1958).

  • Werke

    Weitere W Lysistratas Hochzeit, 1959 (Roman);
    Ausgew. Werke, hg. v. d. Dt. Ak. d. Künste zu Berlin, 4 Bde., 1967 (P).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Ak. d. Künste, Berlin.

  • Literatur

    H. Huppert, H. J. R. oder d. überwundenen Verführungen, in: Sinn u. Form 23, 1971, S. 1331-44;
    E. M. Quatember. H. J. R., Eine Einf. in sein dramat. Werk, Diss. Wien 1983 (Verz. d. Dramen u. Aufführungen);
    B. Kehrmann, Dramatiker im Exil, in: Dt.sprachige Exillit. seit 1933, II/2. hg. v. J. M.Spalek u. J. Strelka, 1989, S. 1132–75, bes. S. 1137-41;
    J. M. Ritchie, German Exiles, British Perspectives, 1997, S. 146-60 (W-Verz.);
    Jüd. Lex., begr. v. G. Herlitz u. B. Kirschner, 1927 (Nachdr. 1987), IV/1, Sp. 1303;
    Enc. Jud. 1971;
    C. Trilse u. a., Theaterlex., 1977;
    B. Sucher, Theaterlex., 21999;
    Metzler Lex. d. dt.-jüd. Lit. (P);
    Albrecht-Dahlke;
    Rhdb.;
    Kosch, Lit.-Lex3;
    Kosch, Theater-Lex.;
    BHdE II;
    Killy;
    CineGraph;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Daniel Fulda
  • Empfohlene Zitierweise

    Fulda, Daniel, "Rehfisch, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 280-281 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116392401.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA