Lebensdaten
1782 bis 1857
Geburtsort
Remplin (Mecklenburg)
Sterbeort
Altona
Beruf/Funktion
Theaterdirektor und -enthusiast ; Schauspieler
Konfession
evangelische Tochter
Normdaten
GND: 116391448 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hahn, Karl Friedrich Graf von
  • Hahn-Neuhaus, Karl Friedrich Graf von
  • Hahn-Neuhaus, Karl Graf von
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Zitierweise

Hahn, Karl Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116391448.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (Reichsgraf 1802, 1742-1805), auf Basedow usw., Erblandmarschall v. Mecklenburg, Math. u. Astronom (s. ADB X; Pogg. I), S d. Frdr. v. H., auf Basedow, Neuhaus usw., Erblandmarschall, u. d. Christine Magdalene v. Brockdorff;
    M Wilhelmine (1744–1801), T d. Adolph v. Both, auf Rankendorf, Oberhauptm., u. d. Anna Friederike v. Plessen;
    1804 (⚮) Sophie (1783–1857, Cousine), T d. Felix Gustav v. Behr, auf Vargatz u. Dönnie, Landesdir., u. d. Hedwig Louise v. Genzkow;
    1 S, 3 T, u. a. Ferdinand (1809–88), auf Neuhaus/Holstein, dän. Hofjägermeister, Ida (s. 2).

  • Leben

    Der schon zu Lebzeiten als „Theatergraf“ belächelte H. war am schwedischen und mecklenburgischen Hofe erzogen worden. Die Hoftheater dort und die Wanderbühnen während seines Universitätsstudiums in Greifswald hatten seine Theaterleidenschaft geweckt. Heimgekehrt auf sein Gut Remplin, begnügte er sich nur vorübergehend mit einem Liebhabertheater. Seit etwa 1804 beteiligte er sich als Geldgeber an reisenden Gesellschaften und als Unternehmer an der Schweriner Hofbühne, was seine durch Krieg ohnehin geschädigte Vermögenslage so schwächte, daß ihm 1808 die Vermögensverwaltung entzogen werden mußte. Nach Kriegsdiensten 1813-14 übernahm er das Altonaer Theater unter der Scheindirektion des Schauspielers Fr. A. Ruhland, der das Unternehmen nach Verlusten auch 1815-16 in Stralsund und andere pommerischen Orten deckte. Solche getarnten Unternehmungen (Anhold, Rogmann, Scherer, Schäffer, Engel und andere) verdunkeln zeitweise das Wirken H.s, das sich zwischen 1817 und 1849 über ganz Nord- und Mitteldeutschland ausdehnte. Zeitlebens hat er sich vergeblich um die Leitung größerer Bühnen beworben (Königsberg, Kassel, Köln, Mainz und andere). Längere Direktionen glückten ihm in Lübeck (1821–24, 1839-41), Altenburg (1834–36), Kiel (1841–43), wiederholt in Schwerin, vor allem aber in Altona, wo er auch sein letztes Jahrzehnt zurückgezogen und in bescheidenen Umständen als Berater und Theatermäzen verbrachte. – Seine von Anekdoten verfälschte Lebensgeschichte wartet noch ebenso auf eine Berichtigung wie sein künstlerisches Bestreben auf eine Würdigung. Eifer und Opfer für Bühnenprunk und -ausstattung schmälern keineswegs sein theatralisches Verständnis, denn nicht zuletzt mit ihrer Hilfe hat er den Theaterschlendrian in den kleineren Städten vertreiben wollen. Der Ernst seiner Absichten stand allerdings in Widerspruch zu seinen geringen ökonomischen Gaben, weshalb seine Unternehmungen scheitern mußten. Er hat nach seinen eigenen Worten nie darauf geachtet, ob er „Schaden litt oder Vorteil genoß“.

  • Literatur

    ADB X;
    W. Bärensprung, Versuch e. Gesch. d. Theaters in Meklenburg-Schwerin. 1837;
    F. Wallner, Rückblicke auf m. theatral. Laufbahn, 1864;
    L. Wollrabe, Memoiren, 1870;
    A. Meyer, K. F. Gf. v. H., in: Die Gartenlaube, 1873, Nr. 28 u. 29;
    W. Anthony, Silhouetten u. Aquarellen aus d. Coulissenwelt, 1874;
    W. Gfn. v. Wickenburg-Almásy, Der Gf. v. Remplin, Erz. in Versen, 1874;
    K. Bauer, Komödianten-Fahrten, 1875;
    Johs. Meyer, St. Pauli, wie es leibt u. lebt, 1891;
    F. Struck, Die ältesten Zeiten d. Theaters in Stralsund, 1895;
    A. Heiberg, Erinnerungen aus m. Leben, 1897;
    C. Stiehl, Gesch. d. Theaters in Lübeck, 1902;
    C. N. Schnittger, Erinnerungen e. alten Schleswigers, 1904;
    P. Weiglin, Der Theatergf. u. s. Tochter, in: Velhagen & Klasings Mhh. 40, 1926, H. 12;
    G. Junge, Die Gesch. d. Theaters in Kiel (1774–1841), 1928; ***
    , C. F. v. H., d. Theatergf., in: Jb. d. Vereinigung d. Theaterfreunde f. Altenburg u. Umkreis, 1928;
    K. Gabler, Die vier Spielzeiten d. Gf. H.-Neuhaus in Altenburg 1834–36, in: Altenburger Heimatbll., 1935;
    H. Ebel, Der Theatergf., K. F. Gf. v. H.-Neuhaus, in: Mbll. d. Ges. f. pomm. Gesch. u. Altertumskde., 1937;
    W. Wöhlert, Das Magdeburger Stadttheater v. 1833–69, Diss. FU Berlin 1957;
    F. J. Frhr. v. Reden-Esbeck, Dt. Bühnenlex., 1879 f.;
    Kosch, Theater-Lex.

  • Portraits

    Medaillon, Brustbild (früher Kiel, Theatermus.), Abb. in: Jb. d. Vereinigten Städt. Theater Kiel, 1927;
    Gem., Brustbild, Abb. in: 175 J. Stralsunder Theater, 1941.

  • Autor/in

    Günther Hansen
  • Empfohlene Zitierweise

    Hansen, Günther, "Hahn, Karl Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 498 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116391448.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hahn: Karl Friedrich Graf von H.-Neuhaus, wegen seiner Leidenschaft für das Theater „der Theatergraf“ genannt, geboren 1782 zu Remplin in Mecklenburg, 25. Mai 1857 zu Altona. Es gibt in der ganzen deutschen Theatergeschichte kaum eine originellere Figur. Trefflich beanlagt, von großer Herzensgüte, hervorragendem Rang und im Besitz eines fast fürstlichen Vermögens, widmete er sein Fühlen und Denken nur dem Theater und kein Opfer war ihm zu groß für seine Theaterleidenschaft. Dabei war sein Sinn keineswegs auf die künstlerischen Ziele der dramatischen Kunst gerichtet, sondern fand lediglich in dem Aeußerlichen und besonders in den kunterbunten Verhältnissen von Wandertruppen seine Befriedigung. So hatte das Publicum das seltene Schauspiel, einen Landerbmarschall von Mecklenburg an der Spitze kleiner Truppen als Theaterdirector in den unbedeutendsten Orten zu sehen, der sich aber trotz alledem stets die schönen Eigenschaften des echten Cavaliers und die Tugenden des Herzens bewahrte. Gut erzogen, früh schon Leibpage des Königs Gustav III. und bei dessen Ermordung durch Ankarström zugegen, lebte er 1799 mit seinem Bruder in Hamburg und bezog dann die Greifswalder Universität, um Cameralia zu studiren. Die wol in Stockholm erwachte, in Hamburg reichlich genährte Theaterliebhaberei fand auch in Greifswald einige Befriedigung durch mehrere Gesellschaften, die daselbst spielten, kam aber erst zum vollen Ausdruck, als der Graf nach Remplin zurückkehrte und in den Besitz seines Vermögens gelangt mit einem Aufwand von 60,000 Thlrn. eine Liebhaberbühne errichtete. Fürstlich belohnt, gastirten hier große Künstler wie Iffland und Eßlair. Bald ging der Graf weiter, ließ erst auf seine Kosten eine kleine Gesellschaft Wismar, Güstrow, Neu-Brandenburg etc. bereisen und führte von 1806—7 die Direction des Theaters in Schwerin, dessen Truppe auch in Güstrow, Wismar, Rostock, Doberan und schließlich in Altona spielte. Freigebig und Prunk liebend in der Ausstattung der von seiner Gesellschaft aufgeführten Stücke, verschwendete er sein Geld in einem Maße, daß ihn seine Familie unter Curatel stellte und ihm ein für alle Mal eine Jahresrente von 6000 Thalern auswerfen ließ. Ebenso wie seine Familie sah der Großherzog von Mecklenburg sein Treiben mit höchst ungnädigen Augen an. Etwas entfremdete sich H. dem Theater als er 1813 in russische Dienste trat, aber bald kehrte er zu seiner Liebhaberei zurück, übernahm das Altonaer Theater, dem er eine glanzvolle Periode bereitete, die freilich nur eine kleine Spanne Zeit währte. Der Mangel an Geschäftssinn bereitete auch einer ähnlichen Unternehmung in Lübeck ein trauriges Ende, machte aber doch ebenso wie die Altonaer seinen Namen in der Theaterwelt zu einem bekannten, so daß ihm selbst von Kassel, Königsberg und anderen Orten Anträge zur Uebernahme von Bühnen kamen. Er blieb jedoch den eigenen kleinen Unternehmungen treu, führte 1829 eine Gesellschaft nach Stralsund, Greifswald und Anklam, Anfang der 30er Jahre nach Lauchstädt, übernahm, nach kurzer Rast auf seinem Familiengute Neuhaus in Holstein, 1833/34 das Magdeburger Theater, brachte dann in Altenburg eine Truppe zusammen, die auch in Gera, Chemnitz, Erfurt, Rudolstadt, Meiningen spielte, und übernahm 1837 von neuem das Theater in Altenburg. Krankheit kreuzte diesmal seine Pläne, doch genesen sehen wir ihn wieder nach einander an der Spitze der Theater zu Lübeck und Kiel, des Actientheaters zu St. Pauli in Hamburg, später in Hildesheim, Werden, wo er vor seinen Gläubigern fliehen mußte, endlich 1856 in Sommerhude bei Altona. Schwach und krank mußte er jetzt dem directen Verkehr mit dem Theater entsagen, aber er entschädigte sich für diese Einbuße durch das Abschreiben von — Noten und Rollen, bis ihn endlich der Tod von dieser Beschäftigung abrief. Als Schauspieler trat H. in Rollen, wie Herr v. Langsalm im „Wirrwarr", Thomas im „Geheimniß“, Samiel im „Freischütz“ etc., auf, doch theilte er sich am liebsten in die Obliegenheiten des Theatermeisters, Garderobiers und Friseurs. Seiner Liebe für das Theater blieb er ununterbrochen treu und es ist charakteristisch, daß er in der Kammerherrnuniform, angethan mit allen Orden,|noch als alter Mann barhäuptig, im strömenden Regen dem Sarg eines Schauspielers folgte. Gegen den König von Dänemark äußerte er einst, daß sein einziger Wunsch der sei, auf der Bühne zu sterben. Die bekannte Schriftstellerin Ida Hahn-Hahn ist die Tochter des Grafen K. F. H.-Neuhaus.

    • Literatur

      Vgl. Charakterzüge aus dem Leben des Grafen Karl Hahn-Neuhaus. Aufgezeichnet von Friedr. Ad. Meyer. 1858. Jos.

  • Autor/in

    Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Hahn, Karl Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 369-371 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116391448.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA