Lebensdaten
1856 bis 1928
Geburtsort
Lübeck
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Ethnologe ; Soziologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116386169 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hahn, Eduard
  • Hahn, E.
  • Hahn, Ed.

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Zitierweise

Hahn, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116386169.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gg. Carl (1822–95), seit 1840 in Lübeck, begründete hier e. „Fabrik haltbarer Speisen“, S d. meckl. Oberauditeurs Gg. Ludw., aus Pastorenfam., u. d. Henr. Charl. Elisabeth Willich;
    M Pauline (1832–1900), T d. Branntweinbrenners Joh. David Voigt in L. u. d. Cath. Marg. Christina Prahl;
    Schw Ida (1869–1942), Mitarbeiterin H.s (s. L); - ledig.

  • Leben

    H. studierte zunächst Medizin, dann Naturwissenschaften, und zwar in Jena, Greifswald und Leipzig. In Jena wurde er bei Ernst Haeckel zum Dr. phil. promoviert. Seine von William Marshall in Leipzig angeregte Dissertation, das Vorkommen einer Gattung von koprophagen Käfern betreffend, hatte ihn über die ganze Erde und zugleich in die geologische Vergangenheit geführt. Dieselbe Weite des Stoffes kennzeichnet sein ganzes, zunächst besonders der Geographie geltendes und durch Ferdinand Freiherr von Richthofen bestimmtes Studium, das er, diesem 1886 von Leipzig nach Berlin folgend, dort fortsetzte. Die Beschäftigung im Kreise um Richthofen mit den globalen Problemen der Haustierhaltung führt H. zu Völkerkunde und Soziologie. Er wird in Berlin als Privatgelehrter heimisch, kommt in den Wirkungskreis von A. Bastian sowie später von Georg Schweinfurth und nutzt die Anregungen der dortigen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Erst 1910 erfolgt seine – ihm bereits 1887 von Richthofen nahegelegte – Habilitation an der Universität, später noch die Lehrtätigkeit an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Bis zu seinem Tode bleibt er Privatdozent mit dem Titel eines außerordentlichen Professors. Eine eigentliche Schule hat er nicht herangebildet.

    Das Lehrgebäude H.s, schon 1891 mit einem Vortrag auf dem Naturforscher- und Ärztetag umrissen, zeigt die Unhaltbarkeit der altüberkommenen, bereits von A. von Humboldt angezweifelten sogenannten Dreistufentheorie (Jäger-Hirt-Ackerbauer), faßt die Hirtennomaden als eine an den Steppengürtel der Alten Welt gebundene, auf den Austausch mit seßhaften Nachbarn angewiesene jüngere Form wirtschaftlichen Lebens auf, und die offenbar in Babylonien beheimatete Pflugwirtschaft als das Ergebnis eines einmaligen Zusammenkommens von Rind und Pflug, Wagen und Getreidefeld. Im Unterschied hierzu findet H. die Sammlerstufe als ursprünglichste Form der Nahrungsgewinnung in beinahe allen Klimazonen und ebenso ihre vielgestaltige Weiterentwicklung zum Hackbau, aus welchem dann seinerseits der Gartenbau hervorgehen kann. Diese Unterschiede der Wirtschaftsform haben eine sehr verschiedene Stellung der Geschlechter und damit des ganzen gesellschaftlichen Lebens zur Folge, wie auch jeweils Besonderheiten des religiösen Denkens. H. betont ebenso die Bedeutung, welche der vorsorgenden Tätigkeit der Frau schon bei den Sammlern zukommt (Dauernahrung), wie die Unstetigkeit des Jägers. Er macht auf die außerordentliche zeitliche Tiefe dieses Werdens, die Konstanz der menschlichen Natur, und das Nebeneinander von Führenden und Geführten schon in den Anfängen der Menschheit aufmerksam. Er will die Ethnologie, „die neue Wissenschaft vom Wesen der Menschheit und der Völker“ (1914), für die Gegenwart nutzbar machen und enthüllt bereits 1900 in einer kritischen Studie „das Unheil des einen Jahrhunderts“ (des Kolonialismus), das wiedergutzumachen viele Generationen erfordern werde. Als Kulturkritiker ist er pessimistisch. Sein Streben, das Gesamtgebiet der ethnologischen Wirtschaft zu umfassen, wird ihm erleichtert durch den ständigen Zuwachs an völkerkundlichen Tatbeständen gerade in seiner Zeit und ebenso durch das Aufkommen der Alt-Orientalistik um die Jahrhundertwende. In der Nutzung dieser Stoffgebiete wie in der Betonung der Religiosität als lebensbestimmender Macht ist er ebenso selbständig wie unerbittlich in seiner Haltung gegenüber der Tagesmeinung. Er hat nicht an einen Vorgänger anknüpfen können, und eine direkte Nachfolge war ihm versagt; „er gehörte zu den originellsten Gelehrtengestalten|unserer Zeit“ (Vierkandt). So erfuhr er auch sehr verschiedene Beurteilung. Die Vertreter der sogenannten Kulturkreislehre (Pater W. Schmidt und seine Schule) lehnten ihn ab, aber Wilhelm Wundt und Alfred Hettner sind ihm weitgehend gefolgt, und Richard Thurnwald baute sein System der Wirtschaftsformen aus. In seinen Büchern sowohl wie besonders auch in den zahlreichen, sehr verstreut erschienenen Aufsätzen ist eine Fülle von Gedanken enthalten, die der Entwicklung noch fähig sind.

  • Werke

    W Verz. zus.gestellt v. Ida H. in: Festschr., s. L;
    ferner: Die Entstehung d. Pflugkultur, Eine Erwiderung, in: Zs. f. Ethnol. 48, 1916, S. 340-48;
    Thronende Herrscher u. hockende Völker, ebd. 50, 1918, S. 116-229;
    Das Pfropfen unserer Obstbäume, in: Archiv f. Gesch. d. Math., d. Naturwiss. u. d. Technik 11, 1929, S. 239-46.

  • Literatur

    Festschr. E. H. zum LX. Geb.tag dargebracht v. Freunden u. Schülern, 1917 (W, P);
    Th. H. Engelbrecht, in: Geograph. Zs. 34, 1928, S. 257-59;
    P. Honigsheim, E. H. (†) u. s. Stellung in d. Gesch. d. Ethnol. u. Soziol., in: Anthropos 24, 1929, S. 587-612;
    A. Vierkandt, in: Archiv f. Gesch. d. Math., d. Naturwiss. u. d. Technik 11, 1929, S. 225-39;
    W. Vogel, in: DBJ X, S. 88-93 (L, u. Tl. 1928, W, L). - Zu Schw Ida: Hans Maier, I. H. z. 70. Geb. tag, in: Mannus 31, 1939, S. 320-23 (W, P);
    R. Krzymowski, in: Die Kunde, 1944, S. 125-28.

  • Autor/in

    Ernst Wahle
  • Empfohlene Zitierweise

    Wahle, Ernst, "Hahn, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 504 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116386169.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA