Lebensdaten
1911 – 2008
Geburtsort
Monschau (Eifel)
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Publizist ; Journalist ; Publizistikwissenschaftler
Normdaten
GND: 116344423 | OGND | VIAF: 111349540
Namensvarianten
  • Wilhelm Haacke
  • Will Mont
  • Will Hacke; Stefan Lafeuille
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Zitierweise

Haacke, Wilmont, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116344423.html [21.06.2024].

CC0

  • Wilmont Haacke war ein hoch angesehener Feuilleton- und Zeitschriftenforscher. Er machte seit 1942 in der nationalsozialistischen Zeitungswissenschaft Karriere, war aber ebenso an der Neugestaltung des Fachs als Publizistikwissenschaft nach 1945 beteiligt. Haacke leitete von 1963 bis 1973 das Institut für Publizistik der Universität Göttingen und trat bis 1993 als Herausgeber des zentralen Fachorgans „Publizistik“ hervor.

    Lebensdaten

    Geboren am 4. März 1911 in Monschau (Eifel)
    Gestorben am 23. Juli 2008 in Göttingen
    Wilmont Haacke, SUB Göttingen (InC)
    Wilmont Haacke, SUB Göttingen (InC)
  • Lebenslauf

    4. März 1911 - Monschau (Eifel)

    - 1931 - Naumburg an der Saale

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Realgymnasium

    1931 - 1937 - Göttingen; Wien; Berlin

    Studium der Zeitungswissenschaft, Germanistik und Geschichte

    Universität

    1931 - 1937 - Berlin

    freier Journalist

    u. a. Berliner Tageblatt

    1934 - 1937 - Berlin

    Deutschland-Korrespondent

    European Herald (Wochenzeitung)

    1937 - Berlin

    Promotion (Dr. phil.)

    Universität

    1937 - 1939 - Berlin

    Redakteur in Festanstellung

    Berliner Tageblatt

    1937 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1939 - 1942 - Wien

    wissenschaftlicher Assistent

    Institut für Zeitungswissenschaft der Universität

    1942 - Prag

    Habilitation für Zeitungswissenschaft

    Deutsche Karls-Universität

    1942 - 1943 - Freiburg im Breisgau

    Dozent; stellvertretender Institutsleiter

    Institut für Zeitungswissenschaft der Universität

    1943 - 1945 - Freiburg im Breisgau

    Institutsleiter

    Institut für Zeitungswissenschaft der Universität

    1946 - 1947 - Mainz

    Leiter der Pressestelle sowie der Studien- und Berufsberatung

    Universität

    1947 - 1949 - Freiburg im Breisgau

    Lektor

    Verlag Erwin Burda

    1949 - 1963 - Münster

    wissenschaftlicher Assistent; seit 1953 Lehrbeauftragter für Pressegeschichte

    Institut für Publizistik der Universität

    1953 - 1958 - Wilhelmshaven

    Dozent; seit 1955 außerplanmäßiger Professor für Publizistik

    Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft (später Hochschule für Sozialwissenschaften)

    1954 - Wilhelmshaven

    Umhabilitierung für Publizistikwissenschaft

    Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft

    1956 - 1993

    Mitbegründer und Mitherausgeber

    Publizistik (Fachzeitschrift)

    1956 - Istanbul

    Gastprofessor

    1958 - 1963 - Wilhelmshaven

    Leiter

    Institut für Publizistik Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft

    1963 - 1973 - Göttingen

    ordentlicher Professor für Publizistik; Institutsdirektor

    Institut für Publizistik der Universität

    23. Juli 2008 - Göttingen
  • Genealogie

    Vater N. N. Gymnasiallehrer
    Mutter N. N. gest. 1924
    Schwester N. N. geb. 1908
    Schwester N. N. geb. 1915
    1. Heirat 1959
    Ehefrau N. N.
    Scheidung 1963
    2. Heirat 1964
    Ehefrau N. N. gest. 2004
    Kinder drei Kinder
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Haacke, Wilmont (1911 – 2008)

    • Vater

      Gymnasiallehrer

      • Großvater väterlicherseits

      • Großmutter väterlicherseits

    • Mutter

      gest. 1924

      • Großvater mütterlicherseits

      • Großmutter mütterlicherseits

    • Schwester

      geb. 1908

    • Schwester

      geb. 1915

    • 1.·Heirat

      • Ehefrau

    • 2.·Heirat

      • Ehefrau

  • Biografie

    alternativer text
    Wilmont Haacke, SUB Göttingen (InC)

    Haacke besuchte das Realgymnasium der Staatlichen Bildungsanstalt in Naumburg an der Saale und erhielt 1931 das Abitur. Nach einem Semester in Göttingen wechselte er 1932 nach Berlin und studierte bis 1937 Zeitungswissenschaft, Literatur und Geschichte sowie wohl auch Germanistik, Anglistik, Philosophie und Psychologie. Neben dem Studium arbeitete er unter wechselnden Pseudonymen als Feuilletonist verschiedener Tageszeitungen im In- und Ausland, u. a. bei dem mehrsprachigen Londoner Wochenblatt „European Herald“, für das Haacke Rezensionen über Theater, Filme und Bildende Kunst schrieb und von 1934 bis 1938 als Deutschland-Korrespondent fungierte. Seit 1937 war er verantwortlich für die Sonntagsbeilagen „Literatur und Zeit“ und „Geistiges Leben“ bei dem gleichgeschalteten „Berliner Tageblatt“.

    1937 trat Hacke der NSDAP bei und wurde bei Emil Dovifat (1890–1969) und Julius Petersen (1878–1941) in Berlin mit einer Arbeit über den jüdischen Publizisten und Schriftsteller Julius Rodenberg (1831–1914) zum Dr. phil. promoviert. Die Studie durfte aufgrund ihres Forschungsgegenstands im „Dritten Reich“ nicht veröffentlicht werden und erschien erst 1950. Seit 1937 weiter als Journalist tätig, wurde Haacke 1939 Assistent von Karl Oswin Kurth (1910–1981) an der Universität Wien und half, das dortige Institut für Zeitungswissenschaft aufzubauen. 1942 habilitierte er sich bei Josef März (1892–1955) mit der Studie „Feuilletonkunde. Das Feuilleton als literarische und journalistische Gattung“ für Zeitungswissenschaft an der Deutschen Karls-Universität in Prag. Die antisemitischen Passagen seiner Habilitationsschrift wurden nach 1945 in einer überarbeiteten Fassung entfernt. 1942 wurde Haacke als Nachfolger Wilhelm Kapps (1865–1943) zum Direktor des Instituts für Zeitungswissenschaften der Universität Freiburg im Breisgau berufen.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg als Protagonist der NS-Zeitungswissenschaft seines Amtes enthoben, war Haacke seit 1946 in der Verwaltung der Universität Mainz sowie als Lektor des Erwin Burda Verlags tätig. Sein Entnazifizierungsverfahren durchlief er in der französischen Besatzungszone und wurde als Mitläufer eingestuft. 1949 berief ihn der Leiter des Instituts für Zeitungswissenschaft der Universität Münster, Walter Hagemann (1900–1964), zu seinem Assistenten, sodass Haacke den Neuanfang und die weitere Entwicklung des Fachs in der frühen Bundesrepublik mitgestalten konnte. Im Mai 1953 erhielt er eine Dozentur für Publizistik an der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven und nahm bis 1963 zudem einen Lehrauftrag für Pressegeschichte in Münster wahr.

    Haacke wurde 1955 außerplanmäßiger Professor in Wilhelmshaven und übernahm 1958 dort die Leitung des neu gegründeten Instituts für Publizistik. 1956 beteiligte er sich an der Gründung der Zeitschrift „Publizistik“ – einem zentralen Fachorgan, das er – zunächst mit Dovifat und Hagemann – bis 1993 herausgab. Nach der Vereinigung der Hochschule Wilhelmshaven mit der Universität Göttingen war Haacke hier von 1963 bis 1973 Ordinarius für Publizistik und Direktor des Instituts für Publizistik.

    Haackes Hauptwerk ist das dreibändige „Handbuch des Feuilletons“ (1951–1953), die bereinigte Neufassung seiner Habilitation, für die er eine Fülle an Material heranzog und neben der Dokumentation publizistischer Persönlichkeiten eine umfassende, bis heute unübertroffene Beschreibung der „kleinen Form“ (der Zeitungssparte, der Textgattung und ihrer Stilmittel) lieferte. Hervorzuheben ist zudem seine Beschäftigung mit dem Zeitschriftenwesen, in der er nach einer Verbindung von deskriptiven, historischen und analytischen Herangehensweisen suchte. Da Haacke jede Form der Feldforschung strikt ablehnte, spielte er bei der Weiterentwicklung des Fachs, das sich seit den 1950er Jahren zunehmend an der analytischen und empirischen Massenkommunikationsforschung nach US-amerikanischem Vorbild orientierte, nur mehr eine untergeordnete Rolle. Zu Haackes Schülern zählen u. a. Dietmar Grieser (geb. 1934), Hansjürgen Koschwitz (geb. 1933) und Wilfried Scharf (geb. 1945).

  • Auszeichnungen

    1934–1945 Mitglied im Reichsverband der deutschen Presse
    1963 Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Zeitungswissenschaft (DGPuZ), heute Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)
  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

  • Werke

    Die Luftschaukel. Stelldichein kleiner Prosa, 1939, 71944. (Hg.)

    Das Ringelspiel. Kleine Wiener Prosa, 1940, 31941. (Hg.)

    Einer bläst die Hirtenflöte. Ausgewählte Feuilletons von Victor Auburtin, 1940. (Hg.)

    Notizbuch des Herzens, 1941.

    Das Wiener jüdische Feuilleton, in: Walther Heide (Hg.), Handbuch der Zeitungswissenschaft, 1942, Sp. 2051–2072 u. 2151–2159.

    Die Jugendliebe. Novelle, 1943.

    Feuilletonkunde. Das Feuilleton als literarische und journalistische Gattung, 2 Teile, 1943/44. (Habilitationsschrift)

    Julius Rodenberg und die Deutsche Rundschau. Eine Studie zur Publizistik des deutschen Liberalismus (1870–1918), 1950. (Diss. phil.)

    Handbuch des Feuilletons, 3 Bde., 1951–1953.

    Die Zeitschrift – Schrift der Zeit, 1961.

    Wege und Umwege zur Kommunikationsforschung, in: Publizistik 9 (1964), S. 195–208.

    Die politische Zeitschrift 1665–1965, 2 Bde., 1968/82.

    Erscheinung und Begriff der politischen Zeitschrift, 1968.

    Publizistik und Gesellschaft, 1970.

  • Literatur

    Monografien:

    Siegfried Weischenberg, Journalistik, Medienkommunikation. Theorie und Praxis, Bd. 1, 2004, S. 57–59.

    Bernd Sösemann (Hg.), Emil Dovifat. Studien und Dokumente zu Leben und Werk, 1998.

    Maria Löblich, Die empirisch-sozialwissenschaftliche Wende in der Publizistik- und Zeitungswissenschaft, 2010.

    Thomas Wiedemann, Walter Hagemann. Aufstieg und Fall eines politisch ambitionierten Journalisten und Publizistikwissenschaftlers, 2012.

    Aufsätze und Artikel:

    Eszter Bokor, Wilmont Haacke und das (jüdische) Feuilleton, in: Medien & Zeit 14 (1999), Nr. 1, S. 58–61.

    Hanno Hardt, Am Vergessen scheitern. Essay zur historischen Identität der Publizistikwissenschaft, 1945–1968, in: Medien & Zeit 17 (2002), Nr. 2–3, S. 34–39.

    Horst Pöttker, Konformität – Opportunismus – Opposition. Zur Typologie von Verhaltensweisen im NS-Regime und danach, in: ebd., S. 46–56.

    Rudolf Stöber, Wilmont Haacke. Die politische Zeitschrift, in: Christina Holtz-Bacha/Arnulf Kutsch (Hg.), Schlüsselwerke für die Kommunikationswissenschaft, 2002, S. 176 f.

    Wolfgang R. Langenbucher, Ronneberger war ein Chamäleon, in: Wolfgang Duchkowitzsch/Fritz Hausjell/Bernd Semrad (Hg.), Die Spirale des Schweigens. Zum Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, 2004, S. 23–40.

    Verena Blaum, Schmarotzende Misteln. Wilmont Haacke und die sogenannte Verjüdung des deutschen Feuilletons, in: ebd., S. 181–192.

    Walter J. Schütz, 38 = 50 minus 12. Geschichte(n) im Rückblick der „Publizistik“-Redaktion, in: Christina Holtz-Bacha/Arnulf Kutsch/Wolfgang R. Langenbucher/Klaus Schönbach (Hg.), 50 Jahre Publizistik, 2006, S. 15–32.

    Wilfried Scharf, Wilmont Haacke. Wissenschaftliche Karriere und Bedeutung für das Fach, in: ebd., S. 113–143.

    Heidrun Ehrke-Rotermund, Rudolf Pechel und Wilmont Haacke. Zwei Intellektuelle im „Dritten Reich“ oder: Vom „guten Bekannten“ zur Unperson, in: Euphorion 108 (2014), Nr. 4, S. 417–448.

    Thomas Wiedemann, Art. „Wilmont Haacke“, in: Michael Meyen/Thomas Wiedemann (Hg.), Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft, 2014. (Onlineressource)

    Bettina Braun, „Der neue Feuilletonist in Deutschland marschiert auf der Straße mit“. Die Konzeption einer „deutschen“ Textgattung in der zeitungswissenschaftlichen Forschung Wilmont Haackes, in: Hildegard Kernmayer/Simone Jung (Hg.), Feuilleton. Schreiben an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Literatur, 2018, S. 79–104.

    Heidrun Ehrke-Rotermund, Was hatte dieser „anständige Mensch“ mit dem Nationalsozialismus zu tun? Wilmont Haacke (1911–2008). Rekonstruktion einer Verstrickung, in: Euphorion 115 (2021), Nr. 1, S. 87–134.

    Laudationes und Nachrufe:

    Franz Ronneberger, Wilmont Haacke zum 65. Geburtstag, in: Publizistik 21 (1976), S. 88 f.

    Hansjürgen Koschwitz, Wilmont Haacke 70 Jahre, in: Publizistik 26 (1981), S. 111 f. (P)

    Dietmar Grieser, Der Feuilletonprofessor. Zum 80. Geburtstag von Wilmont Haacke, in: Publizistik 36 (1991), S. 97 f.

    Wilfried Scharf, Wilmont Haacke 90 Jahre alt, in: Publizistik 46 (2001), S. 69 f.

    Wilfried Scharf, Abschied von Wilmont Haacke (4.3.1911–23.7.2008), in: Publizistik 53 (2008), S. 579 f.

    Jens Brüning, Ein großer Zeitungsforscher, in: Deutschlandfunk Kultur v. 2.8.2008. (Onlineressource)

    Marc Reichwein, Kleine Form gegen den Kadetten-Drill. Vor 100 Jahren wurde der Feuilleton-Forscher Wilmont Haacke geboren, in: Welt Online v. 4.3.2011. (Onlineressource)

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografie v. Liselotte Strelow (1908–1981), ca. 1962, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

  • Autor/in

    Thomas Wiedemann (München) / Thomas Birkner (Salzburg)

  • Zitierweise

    Wiedemann, Thomas / Birkner, Thomas, „Haacke, Wilmont“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/116344423.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA