Lebensdaten
1848 bis 1934
Geburtsort
Ochtrup (Westfalen)
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Hygieniker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116333510 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gärtner, August Anton Hieronymus
  • Gärtner, August
  • Gärtner, August Anton Hieronymus
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Gärtner, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116333510.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1815–86), Kreiswundarzt, Schneiders-S aus Münster;
    M Jenny (1819–57), T d. Kanzleirats Hieronymus Dahme u. d. Franziska Gerlach;
    Münster 1878 Lilly (1857–1921), T d. Kaufm. u. Stadtrats Frdr. Wilh. Proß in Münster;
    2 S, 2 T, u. a. Wolfgang (* 1890, 1921 in Rußland an Fleckfieber b. Hilfsexpedition d. Roten Kreuzes), Arzt, Privatdozent d. Hygiene.

  • Leben

    Nach Studium an der medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Akademie in Berlin und kurzer militärärztlicher Tätigkeit beim Landheer (Feldzug 1870/71) trat G. 1874 in die Marine ein, der er bis 1886 angehörte. Diese Zeit war für seine spätere Tätigkeit von größter Bedeutung: er bereiste Ostasien, Süd- und Mittelamerika, die Mongolei und das südliche Eismeer und lernte die besonderen Krankheiten dieser Gebiete kennen. 1884 zum Kaiserlichen Gesundheitsamt kommandiert, arbeitete er 2 ½ Jahre lang als einer der ersten Assistenten R. Kochs, auf dessen Empfehlung ihm 1886 als außerordentlichem Professor das neugegründete Lehramt für Hygiene in Jena übertragen wurde (1887 ordentlicher Professor). Aus primitivsten Anfängen in einem kleinen Assistentenzimmer der Medizinischen Klinik erwuchs unter G. eine Hochburg der hygienischen Wissenschaft, aus der zahlreiche grundlegende Erkenntnisse und Entdeckungen hervorgingen. – Von den etwa 90 gedruckten Arbeiten G.s beschäftigen sich über 30 mit der Wasserversorgung. G. war bei der Beurteilung der schwierigen Wasserverhältnisse des Ruhrgebietes und der Bekämpfung der großen Typhusepidemien der Ruhrstädte sowie der Reinigung des Gebrauchswassers maßgebend beteiligt. Zahlreiche Reisen unternahm er zum Zwecke des Studiums der Wasserversorgung vieler Großstädte, wie Moskau, Petersburg, Kairo, Belgrad, Washington, New York, Chicago. – Als 1888 in Frankenhausen am Kyffhäuser eine Massenfleischvergiftung ausbrach, gelang G. der Nachweis des nach ihm benannten Erregers, des bacillus enteritidis G., aus der Gruppe der Paratyphusbazillen. 1893 wies G. in seiner Arbeit über „Erblichkeit der Tuberkulose“ nach, daß die Tuberkulose bei Säugetieren und Vögeln durch das Weibchen auf die Frucht übertragen wird, eine Entdeckung, die für die Bekämpfung der Tuberkulose von größter Bedeutung gewesen ist. Ein 1914 mit H. Bruns verfaßtes Gutachten über die Gelenksteifigkeit der Bergarbeiter hatte eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Kohlegruben zur Folge und ermöglichte die Eindämmung der damals unter den Bergarbeitern grassierenden Erkrankung. Im Weltkrieg vertrat G. seinen Nachfolger R. Abel und war Hygienischer Beirat für sämtliche Reservelazarette des XI. Korps und seit Sommer 1915 Kriegssanitätsinspekteur für die Kriegsgefangenenlager.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Münster 1915), GR, Ehrenbürger v. Jena.

  • Werke

    Weitere W u. a. Hdb. d. Unters. u. Beurteilung d. Wässer, 1889 (mit E. Tiemann), 41895 (mit G. Walter);
    Leitfaden d. Hygiene, 1892, 101923;
    |Die Quellen in ihren Beziehungen z. Grundwasser u. z. Typhus, in: Klin. Jb., 1902;
    Gutachten üb. d. derzeitigen Stand u. d. weitere Bekämpfung d. „Anchylostomiasis“ im Oberbergamtsbez. Dortmund, 1914 (mit H. Bruns);
    Die Hygiene d. Wassers, 1915;
    Einrichtung u. Hygiene d. Kriegsgefangenenlager, in: O. v. Schjering, Hdb. d. ärztl. Erfahrungen im Weltkrieg VII, 1922.

  • Literatur

    H. Thiesing, in: Das Gas- u. Wasserfach 71, 1928, S. 337 f. (P);
    ebd. 78, 1935, S. 18;
    Cbl. f. Bakteriol., 1. Abt., 107, 1928, S. XII-XIV (mit Autobiogr., W-Verz.);
    F. Konrich, in: Bll. f. Volksgesundheitspflege 33, 1933, S. 33 f. (P);
    ders., in: Dt. Med. Wschr. 61, 1935, S. 233;
    Hiltmann, in: Klin. Wschr. 14, 1935, S. 286 f.;
    Zbl. f. ärztl. Fortbildung 32, 1935, S. 88.

  • Autor/in

    Jochen Gosepath
  • Empfohlene Zitierweise

    Gosepath, Jochen, "Gärtner, August" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 23 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116333510.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA