Lebensdaten
1874 bis 1948
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Physiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116331208 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Konen, Heinrich

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Zitierweise

Konen, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116331208.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1837–1915), Gymnasialprof., S d. Bäckers u. Mühlenbes. Lambert in K. u. d. Katharina Peun;
    M Anna (1842–1921), T d. Fruchthändlers Joh. Matthias Dengler in Mülheim u. d. Maria Kath. Schmitz;
    1908 Maria (1882–1962), T d. Caspar Nacke (1840–1917), Landgerichtsrat, Univ.richter in Münster, u. d. Maria Theresia Bischopinck;
    1 S (⚔), 1 T.

  • Leben

    K. studierte 1893-98 in Bonn Physik und Mathematik, daneben Geschichte und Literatur. Als Schüler von H. Kayser wurde er 1897 zum Dr. phil. promoviert, trat 1899 als dessen Assistent in das Physikalische Institut ein (Habilitation 1902) und war seit 1900 zeitweise auch am Bonner Gymnasium als Hilfslehrer tätig. 1905 wurde K. als außerordentlicher Professor für Theoretische Physik nach Münster berufen, 1920 kehrte er als Kaysers Nachfolger (ordentlicher Professor, Direktor des Physikalischen Instituts) nach Bonn zurück. Nach seiner zwangsweisen Pensionierung (1933) war er bis zum Kriegsende als Gutachter für die Industrie tätig, besonders bei den Troisdorfer Werken (Dynamit Nobel AG). Danach leitete er als Rektor den Wiederaufbau der Bonner Universität und übernahm bald darauf das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Hier schuf und finanzierte er die Forschungsgemeinschaft Nordrhein-Westfalen, aus der, nachdem K. 1948 alle Ämter niedergelegt hatte, unter seiner Nachfolgerin Christine Teusch Ende 1948 die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ neu begründet wurde.

    K. hatte die Spektralanalyse als sein Arbeitsgebiet gewählt. Er gehörte zu der Generation, welche die umfangreichen experimentellen Grundlagen über die Anregung von Spektren erbrachte. Ein großer Teil seiner Arbeit ist in den zahlreichen Dissertationen seiner Schüler enthalten. Einen besonderen Einfluß auf die Ausweitung der spektroskopischen Forschung und ihre viel spätere technische Anwendung hatte der 1905 mit A. Hagenbach herausgegebene „Atlas der Emissionsspektren der meisten Elemente nach photographischen Aufnahmen mit erläuterndem Text“. Die Behandlung der astrophysikalischen Konsequenzen, besonders seine Untersuchungen über die „Selbstumkehr“ von Spektrallinien führte 1910 zu seiner Berufung als Mitglied der „International Union for Cooperation in Solar Research“ und zu einer Studienreise zu amerikanischen Sternwarten.

    Die Monographie „Das Leuchten der Gase und Dämpfe – mit besonderer Berücksichtigung der Gesetzmäßigkeiten in Spektren“ wurde im Mai 1913 abgeschlossen, 2 Monate vor dem Erscheinen der Arbeit von Niels Bohr „On the Constitution of Atoms and Molecules“, welche die neue Entwicklung der Spektralanalyse einleitete. So ist K.s Monographie von gleicher historischer Bedeutung wie das einige Jahre später (1919) erschienene Werk „Atombau und Spektrallinien“ von A. Sommerfeld: ihr Vergleich zeigt, wie grundlegend sich die Physik durch Bohrs Arbeit änderte.

    Sehr umfangreich ist K.s schriftstellerisches Werk. Er beteiligte sich als Mitarbeiter an dem umfangreichen „Handbuch der Spektroskopie“ von Heinrich Kayser, dessen letzte Bände (Band 7: 1924-31; 8: 1932) er vollendete und herausgab. Anfang der 20er Jahre beteiligte er sich an dem von Hans Geiger und Karl Scheel ausgearbeiteten Plan für das große Handbuch der Physik; er übernahm die Redaktion der Bände 18-21 (Optik) und verfaßte selbst einige der größeren Beiträge. Erwähnt werden müssen auch die „Physikalischen Plaudereien“ (1937, 31941), Gelegenheitsartikel und Vorträge über die in damaliger Sicht allgemein interessierenden Fragen.

    Von großer Bedeutung war K.s Wirken in der internen und allgemeinen Wissenschaftspolitik. Mit dem 1. Weltkrieg drang die Physik als maßgebender Faktor in die Industrie ein, in der ihr vorher nur Stellen für spezielle physikalische Fragen zur Verfügung standen. K. erkannte die Notwendigkeil einer grundsätzlichen Änderung der physikalischen Fachausbildung, welche diesen neuen Berufsaussichten Rechnung trug. Er verband dazu die Institutsvorstände zu einer äußerlich lockeren, aber intern festen Vereinigung. Man richtete überall Vorlesungen und Übungen für Fortgeschrittene ein, die angewandte oder technische Physik wurde auch an den Universitäten eingeführt, und als Vorbedingung für die Vergabe einer Doktorarbeit wurde eine dem chemischen Verbandsexamen entsprechende interne Prüfung verlangt. Als Zentrumspolitiker sorgte K. für die finanziellen Mittel zur Förderung der Forschung und des Nachwuchses. Dank seiner engen Beziehungen zu Schmidt-Ott war er maßgeblich an der Gründung und Gestaltung der „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ beteiligt. Er veranlaßte zum Beispiel die Gründung von Fachausschüssen mit dem Gesichtspunkt interdisziplinärer Forschung und war tätig in der Leitung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Sein entschiedenes Eintreten für die Autonomie von Hochschule und Forschung war einer der Gründe, die 1933 zu seiner Entlassung führten.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. wiss. Gesellschaften u. Gremien (Kuratorium Physikal. -techn. u. Chem.-techn. Reichsanstalt; Vorstand Dt. Mus. München). - Dr. med. h. c. (Bonn 1947).

  • Literatur

    W. Gerlach, in: FF 25, 1949, S. 117 f.;
    ders., Gedächtnisrede, 1949;
    Chronik d. Friedrich-Wilhelms-Univ. Bonn 64, 1949, S. 66 f.;
    Pogg. IV-VII a.

  • Autor/in

    Walther Gerlach
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerlach, Walther, "Konen, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 485 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116331208.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA