Lebensdaten
1814 bis 1893
Geburtsort
Humpoletz (Böhmen)
Sterbeort
Iglau (Mähren)
Beruf/Funktion
Landwirtschaftsfachmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116330872 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Komers, Anton Emanuel
  • Komers, Anton Emanuel Ritter von
  • Komers, Anton Emanuel

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Komers, Anton Emanuel Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116330872.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann ( 1825), Kaufm.;
    M Anna N. N. ( 1829);
    B Emanuel Frhr. K. v. Lindenbach (1810–89), Justizmin. im Kab. Belcredi (s. ÖBL), Karl Frhr. K. v. L. (1797–1870), Gen.auditor, Sektionschef im Kriegsmin. (s. ÖBL);
    - Prag 1845 Marie (1825–76), T d. Realitätenbes. Johann Gindřich in Prag;
    1 S;
    N Camillo Frhr. K. v. L. (1839–96), k. u. k. FMLt (s. ÖBL), Hugo Frhr. K. v. L. (* 1841), k. u. k. FMLt.

  • Leben

    K., der nach Gymnasialstudium in Iglau und praktischer landwirtschaftlicher Ausbildung seit 1832 in den Diensten des Grafen Thun-Hohenstein in Tetschen an der Elbe stand, konnte die einzige hohe Landwirtschaftsschule seiner Zeit in Hohenheim bei Stuttgart bis 1838 besuchen, was für ihn von grundlegender Bedeutung war. Denn er wurde so für Böhmen und darüber hinaus für Österreich zum Pionier des landwirtschaftlichen Schulwesens. Schon 1848 erschien von dem gräflichen Thunschen Wirtschaftsrat die epochemachende Publikation „Beitrag zur Lösung der Frage über die Errichtung eines landwirtschaftlichen Institutes in Böhmen“, und 1850 wurde mit Unterstützung von Franz Graf von Thun die deutschsprachige Landwirtschaftsschule zu Tetschen-Liebwerd errichtet, deren erster Direktor K. war. Diese und die im gleichen Jahre eingerichtete tschechischsprachige Ackerbauschule zu Libějic-Rabin sind die ersten landwirtschaftlichen Schulen Österreichs. Tetschen-Liebwerd wurde 1856 zur Mittelschule erhoben. Der von K. gegebene Anstoß und seine weiteren Bestrebungen auf diesem Gebiete waren derart nachhaltig, daß sich 1868 14 von 22 landwirtschaftlichen Schulen und die Hälfte aller forstwirtschaftlichen Schulen ganz Österreichs in Böhmen-Mähren befanden. 1861 machte K. darüber hinaus den Vorschlag zur Errichtung einer Ackerbauabteilung an dreiklassigen Unterrealschulen, um landwirtschaftliches Grundwissen so weit wie möglich zu verbreiten.

    Der agrartechnischen Grundfrage der Zeit, ob man entsprechend den Erkenntnissen Liebigs die Bodenkraft durch Kunstdünger ersetzen könne, widmete K. seit 1861 mehrere Publikationen zum Thema „Bodenkrafterschöpfung“. Auch der Nutzbarmachung städtischer Düngerstoffe für die Landwirtschaft wandte er 1865 anläßlich kommissioneller Untersuchungen in Publikationen beider Landessprachen sein Augenmerk zu. Ebenso veröffentlichte er 1867/69 seinen „Abriß der Nationalökonomie“ (21868, auch tschechisch). Die landwirtschaftliche Betriebsorganisation behandelte K., der auch eine Spezialuntersuchung über die Domäne Neuhof angestellt hatte, im wesentlichen vom Standpunkte des Großgrundbesitzers. Daher war seine Studie über die Lage der Landwirtschaft in der österreichisch-ungarischen Monarchie 1876 vornehmlich auf die Frage der zur Verfügung stehenden Hilfskräfte ausgerichtet. Daß er schon frühzeitig, 1859, der damals in Böhmen, Mähren, Westungarn und Niederösterreich dank ihrer Finanzierung durch die Grundentlastung aufblühenden Rübenzucker- und Spiritusfabrikation Aufmerksamkeit schenkte, vervollständigt das Bild. Einem großen breiten Kreis von Landwirten diente K. durch das von ihm 1861 gegründete „Jahrbuch für österreichische Landwirthe“, in dem viele Aufsätze von ihm erschienen, und den damit verbundenen „Landwirtschaftlichen Geschäftskalender“ (seit 1882 „Österreichischer landwirthschaftlicher Kalender“).

    K. wurde 1856 Zentraldirektor der gräflichen Thunschen Domänen, 1864 Präsident des Leitmeritzer landwirtschaftlichen Kreisvereins und Zentralausschußmitglied der kaiserlichen und königlichen Patriotisch-ökonomischen Gesellschaft für Böhmen, 1868 deren 2. Vizepräsident und nunmehr Oberdirektor der Höheren landwirtschaftlichen und landwirtschaftlich-industriellen Lehranstalt zu Tetschen-Liebwerd, die inzwischen ein staatliches Institut geworden war, und 1876 nach Überführung der Patriotisch-ökonomischen Gesellschaft (Landwirtschaftsgesellschaft) für Böhmen in einen Landeskulturrat (1875) dessen stellvertretender Präsident sowie Präsident der böhmischen Bodenkreditgesellschaft, des landwirtschaftlichen Regionalvereins für Nordböhmen und des landwirtschaftlichen Clubs für Böhmen.

  • Werke

    Betrachtungen üb. d. landwirthsch. Unterrichtsfrage u. d. landwirthsch. Lehranstalt in Tetschen-Liebwerd mit Skizzen aus d. Güter-Verwaltung in Böhmen, 1856;
    Die Lage d. Rübenzucker- u. Spiritusfabrikation, 1859;
    Wie kann d. landwirthsch. Praxis n. Wiss. u. Erfahrung d. Gleichgewicht zw. Erschöpfung u. Ersatz d. Bodens sichern?, 1861;
    Ueber Ziele u. Mittel d. Fortschrittes in d. Landwirthsch. Oesterreichs, 1861;
    Die Bodenkraft-Erschöpfung, 1864;
    Ber. üb. d. in Prag stattgefundene Berathung in Betr. d. Slg. Ausnützung v. städt. Düngerstoffen, 1865 (tschech. Übers.);
    Der heutige Standpunkt d. Boden-Erschöpfungsfrage u. d. Mittel f. Erzielung quantitativ u. qualitativ höchster Zuckerrüben- u. Kartoffelerträge, 1/21868;
    Die landwirthsch. Betriebs-Organisation, 1870, 21876;
    Lage u. Hilfskräfte d. Landwirthsch. in d. österr.-ungar. Monarchie, 1876. -
    Hrsg.: Landwirthsch. Geschäfts-Kal., Suppl. zu d. Jb. f. österr. Landwirthe, 1861 ff.

  • Literatur

    Österr. Landwirtsch. Ztg. 44, 1894, S. 41 f.;
    ebd. 86, 1936, S. 141;
    S. Frauendorfer u. H. Haushofer, Ideengesch. d. Landwirtsch. I, 1957, S. 491 f.;
    Wurzbach XII;
    ÖBL (W, L).

  • Autor/in

    Karl Dinklage
  • Empfohlene Zitierweise

    Dinklage, Karl, "Komers, Anton Emanuel Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 478 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116330872.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA