Lebensdaten
1808 bis 1882
Geburtsort
Pfreimd (Oberpfalz)
Sterbeort
Pisa
Beruf/Funktion
Mediziner ; Augenarzt ; Anthropologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116305916 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pruner, Franz Ignaz
  • Prunner-Bey, Franz Ignaz
  • Pruner-Bey, Franz Ignaz
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Zitierweise

Pruner, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116305916.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz Brunner ( 1822), Oberschreiber am kgl. Rentamt in Leuchtenberg (Oberpfalz);
    M Katharina, T d. Johann Josef Horchler, Gde.beamter in Mitterteich (Oberpfalz);
    B Friedrich;
    Schw Katharina;
    Om Paul Horchler, akad. Bildhauer, Adolf Horchler, Bgm. in Kempten (Allgäu), Hofrat.

  • Leben

    Nach Abschluß des Gymnasiums in Amberg studierte P. seit 1826 in München zwei Semester Philosophie, ehe er zur med. Fakultät wechselte. Zu seinen Lehrern gehörten der Anatom und Physiologe Ignaz Döllinger (1770–1841), der Chirurg Johann Nepomuk v. Ringseis (1785–1880) und der Internist Ernst v. Grossi (1782–1829). 1830 schloß P. das Studium mit der Approbation und Promotion ab. Während eines Weiterbildungsaufenthaltes in Paris traf er Etienne Pariset (1770–1847), der mit Untersuchungen über Pestepidemien in Ägypten beauftragt war und P.s Interesse für den Orient weckte. 1831 schloß er sich einer Ägyptenexpedition unter Leitung des Regensburger Naturforschers Karl v. Hügel (1796–1870) an und wurde von Vizekönig Mehmed-Ali auf den Lehrstuhl für Anatomie und Physiologie der 1825 gegründeten med. Schule von Abuzabel bei Kairo berufen. 1832 besorgte P. in München die Herausgabe der Werke seines verstorbenen Lehrers Grossi, reiste nach einem Studienaufenthalt an der Klinik des Tiroler Augenarztes Francesco Flarer (1791–1850) in Pavia 1833 nach Kairo weiter und wurde dort zum Direktor des Militärkrankenhauses in Esbekieh ernannt. Im Anschluß an eine Reise zur arab. Halbinsel, wo er ein Mitglied der Königsfamilie augenärztlich behandelte, wurde P. zum Direktor der Zentralspitäler in Kairo und Kasr-el-Aini sowie zum Professor der Augenheilkunde berufen, 1839 zum Leibarzt von Abbas Pascha ernannt sowie mit Rang und Titel eines Bey ausgestattet. 1860 verließ P. aus gesundheitlichen Gründen Ägypten und ließ sich in Paris nieder, wo er phrenologische, ethnographische und anthropologische Forschungen betrieb. Nach Ausbruch des deutsch-franz. Krieges 1870 mußte er Frankreich verlassen, ging nach Pisa und lebte dort als Privatgelehrter.

    Wissenschaftlich vielseitig begabt, widmete P. sich mit gleicher Sorgfalt der Allgemeinmedizin, der Augenheilkunde, Epidemiologie, Hygiene, Linguistik, Ethnologie und Ethnographie sowie der Anthropologie. Als einer der ersten geschulten Ophthalmologen seiner Zeit behandelte er bei epidemisch auftretenden infektiösen Augenerkrankungen (Konjunktivitis, Trachom) bis zu 20 000 Patienten erfolgreich mit dem sog. Luxorwasser (gesättigte Zinkalaun-Lösung), darüber hinaus beschäftigte er sich bevorzugt mit entzündlichen, meist infektiösen Erkrankungen der Binde- und Hornhaut. Außerdem befaßte sich P. mit der Epidemiologie von Infektionskrankheiten (Pest, Cholera, Typhus, Syphilis, Grippe, Pocken, Blattern, Gelbfieber, Dengue-Fieber), Mangelerkrankungen (Skorbut, Pellagra), Zoonosen und Parasiteninfektionen wie der „Orientbeule“ und der 1847 von ihm erstmals beschriebenen, durch einen wurmförmigen Endoparasiten verursachten Pentastomiasis. P. legte eine medizinische Topographie und Ethnographie von Kairo vor und wies auf die Bedeutung der Hygiene für die Seuchenbekämpfung hin. Nach|1860 widmete sich P. hauptsächlich anthropologischen Forschungen mit dem Schwerpunkt Kraniologie (über 15 000 Messungen an 507 Schädeln). Er vertrat die „antikontagionistische“ Infektionsursachenhypothese, die die Übertragbarkeit von Krankheiten nicht anerkannte, und stand damit in der Übergangsperiode von naturphilosophischen zu naturwissenschaftlichen Prinzipien nach 1840.|

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1838), Mitgl. d. Ac. nationale de médecine (Paris) u. d. Soc. d'Anthropologie, Paris (1860, Präs. 1865); Dr. phil. h. c. (München 1872).

  • Werke

    12 med. u. 124 anthropolog. u. linguist. Publikationen, meist in franz. Sprache, darunter: Tentamen de morborum transitionibus, Diss. München 1830;
    Ist denn d. Pest wirkl. e. ansteckendes Übel?, 1839;
    Die Überbleibsel d. altägypt. Menschenrassen, 1841;
    Die Krankheiten d. Orients v. Standpunkte d. vgl. Nosologie betrachtet, 1847;
    Topogr. médicale du Caire avec le plan de la ville et des environs, 1847;
    Die Weltseuche Cholera u. d. Polizei d. Natur, 1851;
    Der Mensch im Raume u. in d. Zeit, 1859.

  • Literatur

    ADB 26;
    G. Olpp, Hervorragende Tropenärzte in Wort u. Bild, 1932, S. 334 (P);
    A. Schäfer, Leben u. Wirken d. Arztes F. P.-B., Diss. Würzburg 1931;
    ders. in: Janus 35, 1931, S. 249-77, 297-311, 335-43, 360-75, ebd. 36, 1932, S. 59-70, 114-27 (W, L, P);
    Index biographique des membres, des associés et des correspondants de l'Ac. de médecine de 1820 à 1970, hg. v. d. Ac. nat. de médecine, Paris 1972;
    W. Raff, Dt. Augenärzte in Ägypten, Diss. TU München 1984, S. 27-47 (L, P);
    BLÄ;
    DSB;
    W. R. Dawson, E. P. Uphill, Who was Who in Egypology, 3. rev. ed. by M. L. Bierbrier, 1995.

  • Autor/in

    Eberhard J. Wormer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wormer, Eberhard J., "Pruner, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 747 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116305916.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pruner: Franz P., Arzt, ist am 8. Mai 1808 in der Ortschaft Pfreimd (Oberpfalz) geboren. Er hatte in München Medicin studirt, war in den letzten Jahren seiner Studienzeit als Assistent an der medicinischen Klinik des Prof. v. Grossi, der seine Ausbildung wesentlich gefördert hatte, thätig gewesen, und erlangte nach Vertheidigung seiner Inaugural-Dissertation „Tentamen de morborum transitionibus“ 1830 die medicinische Doctorwürde. Auf Anregung von Pariset, der im Auftrage der französischen Regierung im J. 1829 nach Aegypten gegangen war, um daselbst Studien über die orientalische Beulenpest anzustellen, und den er auf einer nach Paris unternommenen Reise kennen gelernt hatte, faßte P. den Entschluß, den Orient zu bereisen; hierzu bot sich ihm in der eben in Ausrüstung begriffenen Hügel'schen Expedition (vergl. A. D. B. XIII, 308) eine günstige Gelegenheit und er war im Begriffe sich derselben anzuschließen, als er 1831 einen Ruf als Prof. der Anatomie an die medicinische Schule zu Abuzabel bei Kairo erhielt, dem er folgte, und mit welchem sich für ihn eine glänzende Laufbahn in Aegypten eröffnete. Schon im J. 1834 wurde er zum Director des Militärhospitals zu Esbegyeh, zwei Jahre später zum Director der Centralhospitäler zu Kairo und Kast-el-Ain und 1839, mit dem Titel und Range eines Bey, zum Leibarzte des Vicekönigs Abbas-Pascha ernannt, und in diesen bevorzugten Stellungen war er stets bemüht gewesen, alle wissenschaftlichen Bestrebungen in Aegypten nach Kräften zu unterstützen und zu fördern, — Im J. 1860 mußte er seiner geschwächten Gesundheitsverhältnisse wegen das Land verlassen; er ging nach Paris, um hier die bereits in Aegypten begonnenen wissenschaftlichen Forschungen im Gebiete der Ethnographie und Anthropologie fortzusetzen, 1870 siedelte er, als Deutscher aus Frankreich Vertrieben, nach Pisa über, wo er sich ebenfalls vorzugsweise mit Schädelmessungen und dem Studium der Völkersprachen beschäftigte und hier ist er am 29. September 1882 gestorben. — Unter den litterarischen Arbeiten Pruner's nimmt die Schrift „Die Krankheiten des Orients vom Standpunkte der vergleichenden Nosologie betrachtet“ (1847), die erste Stelle ein; sie bietet einen sehr werthvollen Beitrag zur medicinischen Geographie und Epidemiologie des Orients, für deren Bearbeitung die von ihm selbst gemachten reichen Erfahrungen in schweren Pest-, Typhus- und Choleraseuchen ihm ein weithvolles Material geboten hatten. — In einer kleinen (1839 erschienenen) Arbeit „Ist denn die Pest wirklich ein ansteckendes Uebel?“ behandelte er die wichtige Frage über die Contagiosität dieser Krankheit, wobei er den Beweis lieferte, daß dieselbe zwar übertragbar (infectiös), aber nicht ansteckend (im gewöhnlichen Wortverstande) sei. Später (1851) veröffentlichte er eine kleine Monographie „Die Weltseuche Cholera und die Polizei der Natur“, in welcher er den Nachweis führte, welchen großen Einfluß die mangelhafte Gesundheitspflege auf die Entstehung und Verbreitung dieser Seuche äußert. Die Resultate seiner ethnographischen|Forschungen hatte er (1841) in einer der bairischen Akademie der Wissenschaften eingesandten Abhandlung „Die Ueberbleibsel der altägyptischen Menschenrassen“ niedergelegt und spätere Arbeiten auf diesem Gebiete kurz vor seinem Tode in Manuscripten der bairischen Staatsbibliothek überwiesen. Noch vor seinem Abgange aus Deutschland hatte er in Gemeinschaft mit Seb. Fischer eine Sammlung der „Opera posthuma“ (3 Bde. 1831) seines von ihm hochverehrten Lehrers v. Grossi veranstaltet und bei der Universität München hat er sich ein dankbares Andenken durch ein reiches Legat gesichert, indem er derselben ein bedeutendes Vermögen behufs Stipendien für unbemittelte Studirende vermacht hat.

    • Literatur

      Vergl. hierzu v. Voit in den Sitzungs-Berichten der baierischen Akademie der Wissenschaften 1883. S. 241.

  • Autor/in

    A. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Pruner, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 675-676 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116305916.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA