Lebensdaten
1821 bis 1887
Geburtsort
Thorn
Sterbeort
Thorn
Beruf/Funktion
Copernikus-Forscher ; Schulmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116305568 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Prowe, Leopold Friedrich
  • Prowe, Leopold
  • Prowe, Leopold Friedrich
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Zitierweise

Prowe, Leopold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116305568.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1618 in Th. ansässiger, aus Schlesien stammender Fam.;
    V Friedrich Ernst (1793–1848), Bäckermeister u. Ratsherr in Th.;
    M Luise Schollong ( 1832); Gv d. Ehefrau Gottfried Centner (1712–74), Hist. in Th.;
    Lodz 1856 Bertha Weil;
    2 S, 3 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte P. seit 1840 in Leipzig Klassische Philologie und wurde 1842 zum Dr. phil. promoviert. Anschließend ging er an die Univ. Berlin, legte hier 1844 die Lehramtsprüfung ab und trat im selben Jahr als Hilfslehrer in das Gymnasium seiner Heimatstadt ein (1855 Oberlehrer, 1887 pensioniert). Seit 1855 gehörte er der städtischen Schuldeputation an, 1863-74 der Stadtverordnetenversammlung.

    P.s wissenschaftliche Interessen konzentrierten sich schon frühzeitig auf Leben und Werk des ebenfalls in Thorn geborenen Nicolaus Copernicus (1473–1543). Gefördert wurde er dabei von Alexander v. Humboldt und dem preuß. Kultusminister Karl Otto v. Raumer, mit deren Unterstützung er Archivreisen nach Frauenburg, Krakau, Schweden und Italien unternahm und eine Reihe bis dahin unbekannter Copernicus-Briefe und -Dokumente entdeckte. Diese Forschungen sowie die Errichtung eines Copernicus-Denkmals (1853) weckten das Interesse der bürgerlichen Gesellschaft Thorns, weshalb im selben Jahr der „Coppernicus-Verein für Wissenschaft und Kunst“ gegründet wurde, den P. 1870-87 leitete. Zum 400. Geburtstag von Copernicus (1873) erfolgte unter P.s Ägide eine kommentierte Neuausgabe von dessen Hauptwerk „De Revolutionibus Orbium coelestium libri VI“. Die zahlreichen Einzeluntersuchungen P.s fanden ihren Abschluß in einer umfassenden Copernicus-Biographie (2 Bde., 1883/84, Neudr. 1967). Durch die minutiöse Beschreibung der Lebensstationen und des kulturellen und wissenschaftlichen Umfelds von Copernicus sowie den liberalen, keiner nationalen oder konfessionellen Ideologie verpflichteten Standort des Autors gilt sie bis heute als das Standardwerk der Copernicus-Biographik.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Rubiconia Acc. v. Savignano di Romagna (1878); Mitgl. d. Leopoldina (1880).

  • Werke

    u. a. Mitt. aus schwed. Archiven, 1853;
    Coppernicus als Arzt, in: Leopoldina 17, 1881, S. 29-151.

  • Literatur

    ADB 26;
    Leopoldina 23, 1887, S. 163;
    M. Curtze, L. F. P., 1888;
    H. Schmauch, in: Altpreuß. Biogr., II, 1967, S. 522;
    Pogg. II, III.

  • Autor/in

    Andreas Kühne
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühne, Andreas, "Prowe, Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 745 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116305568.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Prowe: Leopold P., Schulmann, geb. am 14. October 1821 in Thorn, ebenda am 26. September 1887. P. gehörte seiner Heimath Thorn, in welcher sein Vater Rathsherr war, so vollständig an, daß er sie mit Ausnahme seines Studienaufenthaltes in Leipzig und kleinerer Reisen nie verlassen hat. Dort wirkte er an dem Gymnasium, das ihn selbst erzogen hatte; dem Gedächtnisse eines Thorners war auch seine ganze Thätigkeit außerhalb der Schule gewidmet. Er hatte das Leben des Coppernicus in allen Einzelheiten zu ergründen zu seiner eigenen Lebensaufgabe gemacht. Ihr galten Reisen, welche er seit 1853 bald nach Schweden (Upsala), bald nach Frauenburg, bald nach Krakau unternahm. Ihretwegen half er den Coppernicusverein für Wissenschaft und Kunst gründen, an dessen Spitze er stand, als nach langwierigen Leiden der Tod ihn traf. Ihr gehören zahlreiche Einzelforschungen an, welche P. in verschiedenen Zeiten veröffentlichte, bis sie vereinigt und in einer ungeahnten Weise vervoll ständigt in seiner Biographie des Coppernicus (Berlin 1883) der gelehrten Welt geboten wurden. Ein zweiter Band, die Documente enthaltend, folgte bald nach. Der dritte Band, die Geschichte der Lehre des Coppernicus, steht noch aus. Hoffen wir, daß es gelingt in Max Curtze, dem langjährigen Mitarbeiter des Verstorbenen in der Coppernicusforschung, einen Herausgeber der gesammelten Materialien und einen ebenbürtigen Vollender eines Werkes zu gewinnen, auf welches heute schon die deutsche Wissenschaft allen Grund hat stolz zu sein.

    • Literatur

      Extrabeilage der Thorner Ztg. vom 16. Oct. 1887.

  • Autor/in

    Cantor.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cantor, Moritz, "Prowe, Leopold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 671 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116305568.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA