• Genealogie

    V Albert (1829–74), Pfarrer in Schönstedt Kr. Langensalza, seit 1864 in R., S d. Lohgerbermeisters Lebrecht in Calbe u. d. Charlotte Höpfner;
    M Pauline Harms;
    Winchester/England 1901 (⚮) Muriel (* 1878), T d. Predigers Pennington in London;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach Gymnasiumsbesuch in Halle fuhr K. seit 1883 als Schiffsjunge zur See, besuchte die Navigationsschule und erhielt das Steuermannspatent, 1894 das Kapitänspatent. 1896-1914 war er beim Norddeutschen Lloyd tätig, seit 1911 als Kapitän auf den Schiffen „Wittenberg“, „Skutari“, „Tübingen“, „Princess Irene“ und „Schleswig“. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs war K. zunächst Offizier an Bord des Panzerschiffs „Brandenburg“, dann bis Januar 1916 bei der 2. Matrosen-Division. Anschließend wurde er zu Lehrgängen an der U-Boot-Schule beurlaubt.

    Seit Herbst 1915 wurden Überlegungen angestellt, den durch die englische Seeblockade unterbrochenen Handelsverkehr zwischen Deutschland und den neutralen USA mittels U-Booten wieder aufzunehmen. Zu diesem Zweck wurde in Bremen am 8.11.1915 unter Beteiligung des Norddeutschen Lloyd und der Deutschen Bank die Deutsche Ozean Reederei GmbH (DOR) gegründet. Bei der Krupp Germaniawerft in Kiel wurden 2 Handels-U-Boote bestellt. In weniger als 5 Monaten gelang es, mit U-„Deutschland“ (791 BRT/414 NRT, Stapellauf 28.3.1916) das erste Handelstauchboot der Welt fahrbereit zu machen. Nach sechswöchiger Erprobung wurde das nach Entwürfen von Hans Techel und Rudolf Erbach erbaute Boot an die DOR abgeliefert. Zum Kapitän der U-„Deutschland“ wurde K. bestimmt. Unter seiner Führung verließ das Boot am 14.6.1916 mit einer 27köpfigen Besatzung die Weser mit einer Ladung Arzneimitteln, Post sowie 163 Tonnen Anilin- und Teerfarben an Bord. Am 9.7. erreichte es Baltimore, lief dort am 1.8. mit einer Ladung Rohgummi, Nickel und Zinn (insgesamt 782 Tonnen im Werte von 60 Millionen Mark, davon fast 350 Tonnen außenbords) aus und kehrte am 23.8. nach einer Fahrt von 4 200 Seemeilen, davon rund 100 unter Wasser, nach Bremerhaven zurück. Die Durchbrechung der englischen Seeblockade hatte große propagandistische Auswirkungen. Ende 1916 gelang eine zweite Fahrt, bei der wieder Gummi, Zinn und Nickel, dazu Silber, andere seltene Metalle und fernmeldetechnische Apparate nach Deutschland gebracht wurden. Weitere Fahrten verhinderte der|Kriegseintritt der USA. Das zweite für die DOR gebaute Boot, die U-„Bremen“, ging auf der ersten Ausreise verloren. Die bei ihren Fahrten nicht bewaffnete und mit Zivilisten bemannte U-„Deutschland“ wurde anschließend von der Marine als U-Kreuzer in Dienst gestellt.

    K. führte als Marineoffizier und Halbflottillenchef bis zum Ende des Krieges eine Sperrbrechergruppe und war in der Marine-Leitung tätig. Nach seiner Entlassung 1918 (Charakter als Korvettenkapitän 1920) kehrte er im Juni 1920 als Abteilungsleiter zum Norddeutschen Lloyd zurück, wurde im gleichen Jahr Prokurist und war zuletzt für den nautischen Nachwuchs zuständig. Im Winter 1931/32 hielt er Vorträge in den USA. Anfang 1932 wurde er pensioniert und zog nach Gnadau. – In Bremen war K. 1921-23 Bürgerschaftsmitglied für die DVP.|

  • Auszeichnungen

    Dr. med. h. c. (Halle 1916).

  • Werke

    Die Fahrt d. „Deutschland“, 1916 (P);
    Die Fahrt d. „Deutschland“ - Das 1. Unterseefrachtschiff, 1916 (engl., span.);
    Dt. Seefahrt, 1928 (mit A. v. Trotha);
    Fahrten d. U-„Deutschland“ im Weltkrieg, 1937.

  • Literatur

    E. Lassen, Handels-U-Boot „Deutschland“ Fahrt nach Amerika, 1916;
    A. Brehmer, Die kühne Fahrt d. „Deutschland“, 1916;
    O. E. Weddigen, Das erste Handels-U-Boot „Deutschland“ u. s. Kapitän P. K., 1916;
    E. Kunstmann, Handels-U-Boot „Deutschland“, 1916;
    F. R. B. Skowronnek, U-Deutschlands Fahrt, 1917;
    O. Mielke, Untersee-Frachtschiff U-„Deutschland“, 1953;
    F. Duncan, in: United States Naval Inst. Proceedings, Nr. 4, 1965, S. 68-75;
    Brem. Biogr., 1969.

  • Autor/in

    Bodo Herzog
  • Empfohlene Zitierweise

    Herzog, Bodo, "König, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 347 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116292806.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA