Lebensdaten
1750 bis 1831
Geburtsort
Finsing (Zillertal, Tirol)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Medailleur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116269553 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Posch, Leonhard
  • Bosch, Leonhard

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Zitierweise

Posch, Leonhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116269553.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (* 1710), aus Ruhpolding, Müller in F.;
    M Helene Schmidt;
    N. N.;
    5 K u. a. Eleonore ( Gottfried Bernhard Loos, 1773–1843, Wardein, später Münzrat in B.).

  • Leben

    1766 begann P. eine Bildhauerlehre bei Johann Baptist Hagenauer (1732–1810) in Salzburg; als nach dem Tod des Ebf. Sigismund v. Schrattenbach 1771 sein Stipendium ausgesetzt wurde, ging er mit seinem Lehrer 1774 nach Wien. Nach schwerer Erkrankung gezwungen, jede körperliche Anstrengung zu vermeiden, wandte er sich dem Wachsmodellieren zu. Seit 1776 fanden seine Porträtmedaillons großen Anklang sowohl am Wiener Hof-Kaiser Franz II. nahm Unterricht bei ihm – als auch in der Bürgerschaft; Josef Gf. Deym v. Střítež (1750-1804) zog ihn zur Mitarbeit am Müllerschen Wachsfigurenkabinett heran. 1793 wurden Deym und P. nach Neapel gesandt, um Figuren der kaiserl. Familie zu überbringen, dort die kgl. Familie zu porträtieren und bekannte Kunstwerke zu kopieren.

    Nach der Rückkehr 1795 beschäftigte sich P. vor allem mit Uhrwerken und Automaten; 1803 begleitete er den Schausteller Basch (Busch?) bei seiner Vorstellung mechanischer Figuren nach Deutschland. Die Resonanz, auf die er mit seinen in Hamburg 1803 und in Berlin 1804 geschaffenen Porträtmedaillen stieß, bewog P., sich in Berlin niederzulassen. 1810 reiste er mit dem „Fantasmagoristen und Aeronauten“ Stephen Caspar Robertson, dessen Sprechmaschine er verbessert hatte, nach Paris. Dort wurde er zunächst freundlich aufgenommen – man kannte ihn seit der franz. Besetzung Berlins 1806 -, dann aber zum Dienst als Medailleur in der kaiserl. Münze zwangsverpflichtet; erst nach dem Sturz Napoleons 1814 erhielt er seinen Paß wieder. 1813 hatte man ihm die Stelle des Akademiedirektors in Wien angeboten. P. kehrte jedoch 1814 nach Berlin zurück, verpflichtet als Lehrer für die Modellierklasse der Kunstanstalt und als Modelleur zur Mitarbeit für den Hof, die Kgl. Porzellanmanufaktur, die Münze und den Eisenguß in Berlin und Gleiwitz. 1816 wurde er zum akademischen Künstler ernannt, 1827 als o. Mitglied in die Akademie aufgenommen.

    P. schuf vor allem Porträtmedaillen, auf denen die Büsten im Profil auf glattem Feld zu sehen sind, jeweils mit detailliert ausgearbeiteter Frisur und modischer Kleidung. Die|Dargestellten spiegeln die damalige Gesellschaft in Wien und Berlin, Mitglieder der Herrscherhäuser und Bürger, Künstler und Gelehrte, Diplomaten und Militärs. Jedes der über 800 bekannten Porträts zeigt mit individuellem und sehr lebendigen Ausdruck P.s überragende Fähigkeiten auf diesem Gebiet, qualitative Schwankungen und Wiederholungen gibt es in seinem Œuvre nicht. Besonders die nach dem Leben modellierten Darstellungen von Mozart (1788, 1789), Napoleon (1814, einzige vollplast. Büste) und Goethe (1827) gelten im Vergleich mit den vielen anderen Bildnissen dieser Persönlichkeiten als authentische, auch das Wesen der Dargestellten erfassende Porträts, abweichend von den bestehenden Konventionen. Die wenigen vollplastischen Werke und Reliefs mit religiösen Themen sind Kopien von Werken anderer Künstler.

    Die Modelle goß P. in Gips, gelegentlich auch in Wachs, nach eigenen Angaben mit einem von ihm selbst entwickelten Verfahren, das die sorgfältige Ausarbeitung des Modells bewahrte. Er veräußerte sie in Wien mit den Abgüssen, die Gipsgüsse mit farbig getöntem Feld, die Wachsgüsse auf farbigen Glasplatten. In Berlin wurde er alsbald zum Meister in der neuen Technik des künstlerischen Eisengusses. Die dunklen, einfarbigen Gußmedaillen fanden schon vor, verstärkt aber nach den Befreiungskriegen eine begeisterte Aufnahme und wurden getreu dem Motto „Gold für Eisen“ zum Symbol des Berliner Biedermeier.

  • Literatur

    H. Lehnert u. C. v. Kühnewein, in: Berliner Münzbll. NF 2, 1907, S. 614-19 (den in Lehnerts Bes. befindlichen Nachlaß, vielleicht aus d. Erbe d. Schwiegersohns G. B. Loos, erhielt gleichzeitig d. Münzkab. d. kgl. Kunstslg., heute Stiftung Preuß. Kulturbes.);
    G. Lenz, Die Arbb. d. Bildnismedailleurs L. P. f. d. Berliner Kgl. Porzellanmanufaktur, nebst e. Selbstbiogr. d. Künstlers, in: Kunst u. Kunsthandwerk 21, 1918, S. 1-19;
    L. Frede, in: Zs. f. Kunstwiss. XII, 1958, S. 179-210;
    U. Kurz, Hagenauer – P.-Mozart. in: Burlington Magazine CX, 1968, S. 325;
    H. Niemann, Die Abstammung d. Berliner Hofmedailleurs L. P. (1750-1831), in: Archiv f. Sippenforschung 37, H. 41, 1971, S. 23 ff.;
    E. Schmidt, Der preuß. Eisenkunstguß, 1981 (P);
    W. Arenhövel, Eisen statt Gold, Ausst.kat. Krefeld/Berlin 1982 (P);
    H. Plötz-Peters, Die Porträttassen d. Slg. Werner, in: Keramos 161, 1998, S. 49-68;
    A. Forschler-Tarrasch, L. P. (1750-1831), im Druck;
    ThB;
    ÖBL;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    Selbstbildnis, Gußmedaille, ca. 1815, Abb. in: E. Schmidt, Der preuß. Eisenkunstguß, 1981, S. 63;
    Sterbemedaille v. Joh. Gottlieb Friedr. Müller, Abb. in: W. Arenhövel, Eisen statt Gold, s. L, S. 60, Nr. 100.

  • Autor/in

    Gerlind Werner
  • Empfohlene Zitierweise

    Werner, Gerlind, "Posch, Leonhard" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 647 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116269553.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA