Lebensdaten
1876 bis 1960
Geburtsort
Langenberg (Rheinland)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Sozialpolitiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116264764 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Polligkeit, Friedrich Wilhelm
  • Polligkeit, Wilhelm
  • Polligkeit, Friedrich Wilhelm
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Zitierweise

Polligkeit, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116264764.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. aus Ostpreußen stammenden Fam.;
    V N. N., Eisenbahnsekr.;
    M N. N.;
    N. N T Elisabeth (Lisbeth) (oo Wilhelm Schäfer-Dittmar, 1868–1952, Schriftst.).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Elberfeld, einer Banklehre und einem Studium der Rechte in Berlin und Bonn war P. geschäftsführend beim „Institut für Gemeinwohl“ (1903) und bei der „Centrale für private Fürsorge“ in Frankfurt/M. (1904) tätig, beides sozialreformerisch motivierte Schöpfungen des Industriellen und Philanthropen Wilhelm Merton (1848–1916). P., der hier praktische mit theoretischer Arbeit verbinden konnte, nahm auf den verschiedensten Arbeitsgebieten der Fürsorge, besonders im Bereich der Jugendfürsorge, teil an einer seit der Jahrhundertwende überaus lebhaften Reformdebatte und Reformbewegung. 1908 wurde P. mit einer Arbeit über „Das Recht des Kindes auf Erziehung“ (in: Jb. d. Fürsorge 2, 1907, S. 1-85) in Gießen zum Dr. iur. promoviert. In der Dissertation und weiteren Beiträgen forderte er, „gefährdeten“ Kindern und Jugendlichen auf gesetzlichem Wege einen erweiterten Schutz ihres Anspruchs auf Erziehung angedeihen zu lassen, auch und gerade gegenüber einem etwaigen Erziehungsversagen ihrer Eltern. Nach dem 1. Weltkrieg avancierte P. sehr bald zur führenden Stimme|der deutschen Fürsorgefachwelt. Seit 1920 Geschäftsführer des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, des maßgeblichen Expertenzusammenschlusses der Wohlfahrtspflege, seit 1922 auch dessen Erster Vorsitzender, war er als Sachverständiger maßgeblich am Zustandekommen der bis zum Beginn der 60er Jahre fortwirkenden Weimarer Fürsorgegesetze beteiligt. In seiner Ablehnung eines nach kausalen Kriterien abgestuften Leistungsprofils der materiellen Fürsorge, einem Hauptstreitpunkt der damaligen Fürsorgerechtsdebatte, konnte er sich freilich nicht durchsetzen. In der Folgezeit warnte P. immer wieder vor gesetzgeberisch programmierten Fehlentwicklungen in der Wohlfahrtspflege, wobei es ihm insbesondere um die Verteidigung der Leitkonzepte „Individualisierung“ und „Subsidiarität“ ging. Im Bereich der „Gefährdetenfürsorge“ gehörte er zu den Promotoren eines – in der beabsichtigten Form nicht realisierten – „Bewahrungsgesetzes“ für „verwahrloste“ Personen. Im nationalen Rahmen in einer Vielzahl sozial- und wohlfahrtspolitischer Gremien einflußreich, spielte P. auf den Internationalen Kongressen für Sozialarbeit 1928, 1932 und 1936 auch eine über die deutschen Grenzen hinaus reichende Rolle.

    Nach der „Machtergreifung“ durchaus darum bemüht, den Deutschen Verein auf eine Linie mit der nationalsozialistischen Wohlfahrtspolitik zu bringen, verlor P. dennoch bald an Einfluß und mußte 1935/36, als „Ex-Demokrat“ diffamiert und gegen den Antisemitismus immun, seine Vereinsämter niederlegen. Nach Kriegsende widmete er sich der Wiedererrichtung des Deutschen Vereins und war bis Anfang der 50er Jahre in gutachtender und beratender Funktion am Aufbau der sozialpolitischen Kriegsfolgenbewältigung beteiligt.

    P.s Bedeutung liegt in der großen Spannweite seiner Anstöße und Systematisierungsversuche auf dem Gebiet des Wohlfahrtswesens. Den Zenit seines Wirkens erreichte er in den Jahren der Weimarer Republik, in der P. wie kaum ein anderer den noch jungen Typus des partei- und verwaltungsunabhängigen Sachverständigen als sozialpolitischen Politikberater verkörperte.|

  • Auszeichnungen

    Hon.prof. f. Jugend- u. Familienrecht an d. Univ. Franfurt (1929); Dr. rer. pol. h. c.; Gr. BVK (1952); Ehrenplakette d. Stadt Frankfurt/M. (1956); Wilhelm-Polligkeit-Inst. d. Dt. Parität. Wohlfahrtsverbands in Niederrad; Wilhelm-Polligkeit-Plakette d. Dt. Parität. Wohlfahrtsverbands (seit 1961).

  • Werke

    Weitere W Das Reichsgesetz f. Jugendwohlfahrt, Kommentar, 1923 (mit E. Friedeberg);
    Entwicklungstendenzen in d. öff. u. freien Wohlfahrtspflege, in: Soz. Praxis 37, 1928, Sp. 601-05, 625-28;
    Forderungen f. d. systemat. Ausbau d. Altersfürsorge, 1928.

  • Literatur

    R. Merton, Der Weg W. P.s, in: Nachrr.dienst d. Dt. Ver. f. öff. u. private Fürsorge, Mai/Juni 1951, S. 123 f.;
    FAZ v. 30.4.1960;
    C. L. Krug v. Nidda, W. P., Wegbereiter e. neuzeitigen Fürsorge, 1961 (W, L, P);
    F. Tennstedt, 50 J. v. 100, W. P. u. d. „Dt. Ver.“, in: Ch. Sachße u. F. Tennnstedt (Hg.), Jb. d. Soz.arbeit 4, 1981, S. 445-68;
    ders., Fürsorgegesch. u. Ver.gesch., 100 J. Dt. Ver. in d. Gesch. d. dt. Fürsorge, in: Zs. f. Soz.reform 27, 1981, S. 72-100;
    Frankfurter Biogr. (P).

  • Portraits

    Bronzerelief v. C. Bechtel (Niederrad, Wilhelm-Polligkeit-Inst.).

  • Autor/in

    Wilfried Rudloff
  • Empfohlene Zitierweise

    Rudloff, Wilfried, "Polligkeit, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 606 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116264764.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA