Lebensdaten
1870 bis 1925
Sterbeort
bei München
Beruf/Funktion
Polizeipräsident
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116248459 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pöhner, Ernst

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Zitierweise

Pöhner, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116248459.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1843–1912), Magistratsobersekr.;
    M Johanna Katharina Sophia Kirchner (1840–1909), aus Eschenbach;
    Grete Theus (?) verw. Höglauer (?).

  • Leben

    Nach Abitur (Hof 1887), Jura-Studium (München 1887–91), Dienst als Einjährig-Freiwilliger und Referendariat legte P. 1896 die zweite juristische Staatsprüfung mit Auszeichung ab. Im bayer. Justizdienst gelangte er über Amberg, Landshut und Nürnberg nach München, wo er 1904 Landgerichtsrat wurde. Als Hauptmann der Reserve nahm er von August 1914 bis November 1918 am Weltkrieg teil. Von der Regierung Johannes Hoffmann (MSPD) im Mai 1919 zum Münchner Polizeipräsidenten ernannt, förderte P. das gegenrevolutionäre Milieu, darunter die Organisation „Consul“, aus deren Umkreis die Rathenau-Attentäter (1922) stammten. Er schuf eine „politische Abteilung“ der Polizeidirektion, deren Leitung er Wilhelm Frick (1877–1946), dem späteren Reichsinnenminister Hitlers, anvertraute. Im März 1920 beteiligte P. sich an einer staatsstreichähnlichen Aktion, mit der Hoffmanns Rücktritt erzwungen und die Regierung Gustav Ritter v. Kahr (1862–1934) etabliert wurde. Wegen seiner|Opposition gegen die Aufhebung des Ausnahmezustands in Bayern beurlaubt, trat P. im September 1921 von seinen Amt zurück. Im Oktober 1921 wurde er zum Rat am Bayer. Obersten Landesgericht ernannt.

    P. war einer der politischen Köpfe des Hitler-Putschs vom 8./9. November 1923 und für den Fall des Gelingens als bayer. Ministerpräsident vorgesehen. Er hatte wahrscheinlich auch an dem Entwurf einer neuen Reichsverfassung mitgewirkt, der bei einem der toten Putschisten gefunden wurde. Das Münchner Volksgericht verurteilte ihn im Hitler-Prozeß am 1.4.1924 wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft; er war aber nur von Januar bis März 1925 in Haft (Landsberg). Aus dem Dienst des Obersten Landesgerichts entlassen, begann P. eine parteipolitische Karriere, die sein Unfalltod abbrach (MdL seit April 1924 f. d. Volk. Block, Übertritt zur DNVP im Dez. 1924).

    Monarchisch-obrigkeitlich geprägt, durch Kriegs- und Revolutionserfahrung radikalisiert, spielte P. eine bedeutende Rolle in der gegenrevolutionären Umkehr der Verhältnisse in Bayern. Er trug dazu bei, daß München zeitweise Sammelstätte und Hochburg rechtsextremistischer Kreise wurde.|

  • Auszeichnungen

    Eisernes Kreuz I. Kl. (1917), Bayer. Mil.verdienstorden II. Kl. (1917); Gedenktafel am Geburtshaus in Hof (1935–45) u. im Münchner Polizeipräsidium (1937–45).

  • Literatur

    E. Dietlein, Chronik d. Stadt Hof, 1936 (P);
    H. Fenske, Konservatismus u. Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918, 1968;
    G. Herbst (Hg.), Das Bayer. Oberste Landesger., 1993;
    M. Geyer, Verkehrte Welt, Rev., Inflation u. Moderne, München 1914-1924, 1998;
    D. C. Large, Hitlers München, Aufstieg u. Fall d. Hauptstadt d. Bewegung, 1998. |

  • Quellen

    Qu L. Gruchmann u. a. (Hg.), Der Hitler-Prozeß 1924, T. 1-4, 1997-99; Bayer. HStA München (MInn 64683); StA München (PolDir 10128).

  • Portraits

    Folos im Stadtarchiv Hof.

  • Autor/in

    Hans Günter Hockerts
  • Empfohlene Zitierweise

    Hockerts, Hans Günter, "Pöhner, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 560 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116248459.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA